Umsetzung des Justizvollzugsfriedens Hamburg bekommt modernste Jugendanstalt Deutschlands

Senat votiert für Neubau am Standort der JVA Billwerder

Justizbehörde legt Realisierungskonzept für die Errichtung einer neuen Jugendanstalt im Rahmen der Neustrukturierung des Justizvollzugs in Hamburg vor.

Eine 3D-Ansicht eines Gefängnisneubaus, welches sich noch in der Planung befindet Die Jugendanstalt Hamburg soll als eigenständige Anstalt angrenzend an die bestehende JVA Billwerder errichtet werden. Die Gebäude für den offenen Vollzug und den Jugendarrest werden sich vor der Anstaltsmauer befinden.

Hamburg bekommt modernste Jugendanstalt Deutschlands

Justizsenator Dr. Till Steffen freut sich über die Perspektive: "Mit dem Neubau haben wir die riesige Chance, die Infrastruktur nach den neuesten Erkenntnissen aus Praxis und Wissenschaft, den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der jungen Gefangenen zu planen. Dabei steht ein Auftrag aus der Bürgerschaft im Zentrum: die Umsetzung des Justizvollzugsfriedens. Unsere Lehren aus der Vergangenheit sind, dass der Vollzug ein politischer Spielball war und die Folgen für die Bediensteten und Gefangenen teilweise bis heute spürbar sind. Dem wollen alle Beteiligten – es herrscht ein interfraktioneller Konsens bezüglich der Verlagerung des Jugendvollzugs nach Billwerder – für die Zukunft entgegenwirken."

Seit 2015 beschäftigt sich die Justizbehörde mit der Frage, wie der Jugendvollzug langfristig aufgestellt werden muss, damit die Vollzugsqualität verbessert werden kann. Verschiedene Modelle wurden ergebnisoffen geprüft und gegeneinander abgewogen. Im April 2018 hat die Hamburgische Bürgerschaft einstimmig den Justizvollzugsfrieden beschlossen. Die Fraktionen einigten sich darauf, Hamburgs Jugendvollzug in einen Neubau nach Billwerder zu verlegen und beauftragten den Senat mit der Erarbeitung eines Realisierungskonzepts. Aufgrund der abgeschiedenen Lage des bisherigen Standorts, der Elbinsel Hahnöfersand in der Gemeinde Jork, und dem hohen Sanierungsbedarf ist die Generalüberholung der derzeitigen Jugendanstalt aus fachlicher und auch wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll. Der Neubau am Standort Billwerder bietet deutlich bessere Möglichkeiten für die Resozialisierung der jungen Gefangenen und ist zudem über einen Nutzungszeitraum von 30 Jahren die wirtschaftlichere Alternative. Aufgrund der gesamtstädtischen Bedeutung des Vorhabens und zur Verhinderung von Preissteigerungen durch Verzögerungen zieht der Senat das Verfahren zur Schaffung von Planrecht an sich.

Die Jugendanstalt Hamburg wird von der Sprinkenhof GmbH gebaut. Die Justizbehörde wird das Gebäude zukünftig mieten. Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 164 Millionen Euro inklusive aller Nebenkosten für das kostenstabile Bauen. Die Anstalt wird voraussichtlich 2026/27 ihren Betrieb aufnehmen können. Im geschlossenen Bereich werden für Untersuchungs- und Strafhaft 200 Haftplätze zur Verfügung stehen. Im offenen Vollzug sind 18 und im Jugendarrest 20 Plätze vorgesehen.

Den Planungen für die Jugendanstalt liegt ein bundesweit einmaliger Beteiligungsprozess zugrunde, mit dem die Justizbehörde sichergestellt hat, dass das Know-How aus Praxis und Fachöffentlichkeit in den Abwägungsprozess einfließen konnten. Bereits seit 2016 hat der Justizbehörde ein mit über 20 externen Fachleuten besetzter Projektbeirat in fachlichen Fragen beratend zur Seite gestanden. Dabei sind Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, von Fachverbänden, Kirchen, der freien Träger der Straffälligenhilfe sowie der Jugendgerichts- und Jugendbewährungshilfe. Auch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte sind im Projektbeirat vertreten.

Gemeinsam mit dem Projektbeirat hat die Justizbehörde die "Leitgedanken einer künftigen inhaltlichen Ausgestaltung des Jugendvollzugs" entwickelt. Aus den darin enthaltenen Grundsätzen hat sie schließlich die baulichen Anforderungen an die neue Jugendanstalt formuliert. Zentral war dabei der Grundsatz der Gewaltprävention. Gewalt kann im Vollzug zwar nie ganz verhindert werden, man kann sie aber reduzieren, indem beim Bau darauf geachtet wird, dass alle Bereiche, in denen sich Gefangene regelmäßig aufhalten, möglichst einsehbar und übersichtlich sind, um das Entstehen von Subkulturen einzudämmen. Ein möglichst angst-und gewaltfreies Klima ist der Schlüssel dafür, dass sich die Gefangenen den Behandlungsangeboten und Resozialisierungsmaßnahmen öffnen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Planung lag darin, optimale räumliche Bedingungen für die schulische und berufliche Qualifizierung der jungen Gefangenen zu schaffen. Für eine gelingende Resozialisierung ist die Vermittlung einer echten beruflichen Perspektive entscheidend. Die neue Jugendanstalt bekommt ein Berufsentwicklungszentrum mit zehn Werkstätten, einem EDV-Bereich und Schulräumen. Neben einer eigenen Sporthalle stehen den jungen Gefangenen zehn Freistundenhöfe im geschlossenen Jugendvollzug zur Verfügung. Die Außenflächen der Anstalt betragen 3,5 Hektar. Ihre Pflege wird vom anstaltseigenen Ausbildungs- und Qualifizierungsbetrieb Garten- und Landschaftsbau übernommen. Außerdem gibt es eine Fläche von circa 1,1 Hektar, die dafür vorgesehen ist, weitere Angebote für aktives soziales Lernen im Rahmen von begleiteten Freizeitangeboten zu schaffen.

Insgesamt war bei der Planung wichtig, dass alle Räume und Flächen möglichst multifunktional nutzbar sind. Der Jugendvollzug braucht Raum für konzeptionelle Entwicklung. Sie ist Voraussetzung für eine zukunftsfähige Vollzugsgestaltung.

Weitere Informationen und Bilder finden Sie hier:
https://www.hamburg.de/justizbehoerde/justizvollzug/12728644/jugendanstalt-hamburg/

Kontakt

Marion A. Klabunde

Pressesprecherin

Freie und Hansestadt Hamburg
Justizbehörde
Pressestelle
Drehbahn 36
20354 Hamburg
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