Nils Koppruch Der leise deutsche Country-Held

"Zwei Liedpoeten von zauseliger Eleganz" nannte die ZEIT das Team Kid Kopphausen zur VÖ der gemeinsamen Platte Ende August 2012. Jetzt ist Nils Koppruch tot und was von Anfang an als Projekt auf Zeit geplant war, nimmt ein abruptes Ende, wo noch so viel tolle Musik hätte entstehen können.

Nils Koppruch ist tot

"Ich wurde geboren an einem Fluss und seitdem treibe ich dahin, durch dieses Leben, das mich lieben will, egal was ich auch bin". Nils Koppruch, Maler, Dandy, leiser Deutscher Country-Held und Hamburger Schüler ist am 10. Oktober 2012 im Alter von 46 Jahren gestorben.

Während sein 15 Jahre jüngerer Compagnon Gisbert zu Knyphausen es in Kürze zu Radiopräsenz und messbarem musikalischem Erfolg brachte, war Koppruch stets eher der Mann für gewisse Stunden, als der Mann der Stunde. Ein Unikat allemal, stilsicher, gewitzt, smart, irgendwo zwischen bedrückt und ausgelassen. Was er über die Jahre mal solo, mal mit Combo, mal als Sänger der Hamburger Band Fink in den zwar kleinen, aber gut gefüllten Clubs der Republik vorgetragen hat, lässt sich am besten als Americana mit deutschen Texten, als Country mit viel Esprit, als bisweilen spärlich instrumentierte Poesie beschreiben. Stimmungsvoll sind die Begriffe, die Koppruch in seine Texte einwob: es geht um Staub und Gold, um Stille und Heimweh, um Küsse, Bienen, Kirschen und den Versuch von Irgendwas zu leben.

Alleine von seiner Musik leben konnte Nils Koppruch nicht immer. Ihm und seiner Familie, bestehend aus Frau und Sohn, verschaffte eher Koppruchs Erfolg als Art Brut Künstler SAM Sicherheit, als das Ansehen, das er sich in und Dank der Hamburger Schule erspielte. Mit mehr als 100 Werkschauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt er als einer der erfolgreichsten Künstler der sogenannten Off-Kunstszene, einer Szene, die auf kleinere, nicht-kommerzielle Ausstellungsorte setzt.

"In Ermangelung akzeptabler Popmusiktraditionen [in Deutschland] erfinde ich meine eigene Volksmusik", sagte er im Gespräch mit der ZEIT. Ein traurig-schönes Beispiel für seine Volksmusik ist der Song Kirschen (Wenn der Sommer kommt). Da heißt es "Lebend gehen wir nicht mehr aus der Welt."


Quelle: YouTube/grandhotelvancleef

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