11. Juli bis 27. September 2026
Stililistische Eigenständigkeit trotz großer Nähe
Kaum ein Künstlerpaar in der Geschichte der bildenden Kunst verbindet Nähe und gleichzeitig stilistische Eigenständigkeit so eindrucksvoll wie Rosa Loy und Neo Rauch. Obwohl beide seit Jahrzehnten gemeinsam leben und malen, bleiben ihre Bildwelten doch eigenständig und unverwechselbar. Diese Spannung aus Nähe und Differenz macht die Ausstellung besonders faszinierend.
Gezeigt werden über 50 Werke aus den Jahren 1999 bis 2023, die in dieser Kombination noch nie in Deutschland zu sehen waren.
Rosa Loy, 1958 in Zwickau geboren, studierte zunächst Gartenbau, bevor sie an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig wechselte. Diese ungewöhnliche Biografie ist prägend für ihre Malerei. Es sind Pflanzen, Gärten und organische Prozesse, die in ihren Werken für Verwandlung, Wachstum, Zugewandtheit und der schöpferischen Kraft des Lebendigen stehen. Die Natur ist bei Loy also nicht bloße Kulisse, sondern ein metaphysischer Resonanzraum menschlicher Existenz.
Neo Rauch, 1960 in Leipzig geboren, gilt als international bekannteste realistische Vertreter der Neuen Leipziger Schule. In seinen Gemälden gehen realistische und träumerische Elemente eine Verbindung ein. Arbeiterfiguren, Uniformen, Maschinen, historische Fragmente und rätselhafte Handlungen spielen eine tragende Rolle und wirken wie Teile eines kollektiven Unterbewusstseins oder Bruchstücke der Erinnerung. So entstehen Bildwelten, die sich eindeutigen Zuordnungen entziehen und gerade dadurch eine besondere Wirkung entfalten.
Widerstand gegen konzeptuelle Kunstströmungen
Rosa Loy und Neo Rauch wirken wie zwei Gegensätze in einem gemeinsamen Universum: auf der einen Seite die historische traumartige Energie auf der anderen Seite die weibliche organische, verwandelnde Kraft. Zwischen diesen beiden Gegensätzen entstehen Bildwelten, die zu den faszinierendsten der europäischen Gegenwartskunst gezählt werden können.
Rauch malt die Erinnerung, Loy die Verwandlung. Doch beide Künstler verbindet der gemeinsame Widerstand gegen die Dominanz konzeptueller Kunstströmungen.
Weitere Informationen: Ausstellung Rosa Loy und Neo Rauch ECHO