Hamburg.de Startseite Kultur Ausstellungen
Bucerius Kunstforum

Watch! Watch! Watch! Henri Cartier Bresson

Die erste große Retrospektive für den französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908 bis 2004) in Deutschland seit 20 Jahren. Anhand von 220 Schwarz-Weiß-Fotografien, sowie Beiträgen in Magazinen und Büchern wird sein Lebenswerk präsentiert.

Henri Cartier Bresson
Henri Cartier Bresson

Fotografischer Chronist des 20. Jahrhunderts

Henri Cartier-Bresson wurde 1908 geboren und starb 2004, im Alter von fast 96 Jahren. Er war somit Zeitzeuge des beinahe gesamten 20. Jahrhunderts, zu dessen fotografischen Chronisten er wurde. Bekannt wurde Cartier-Bresson vor allem durch seine künstlerische Schwarzweißfotografie. Im Zweiten Weltkrieg entkam er zweimal aus deutscher Kriegsgefangenschaft und fotografierte eindrucksvoll die Befreiung von Paris. Als erster Fotograf überhaupt, durfte er 1955 im Pariser Louvre ausstellen

Gegliedert in einzelne Kapitel sind in der Ausstellung Cartier-Bressons frühe, surrealistisch geprägten Aufnahmen, Filmarbeiten und Fotoreportagen zu sehen, die  Porträts bekannter KünstlerInnen und SchriftstellerInnen sowie spätere Fotografien, in denen er häufig Alltagszenen festhielt.

Surrealistisches Frühwerk und Einsatz der Leica

Nach einem Studium der Malerei in Paris von 1927 bis 1928, wandte sich Cartier-Bresson ab 1930 der Fotografie zu. 1932 kaufte er sich eine Leica-Kleinbildkamera - eine Leica M -, mit der er experimentierte. Sein daraus entstandenes surrealistisches Frühwerk sowie eine Auswahl seiner Filmarbeiten bilden den Auftakt der Retrospektive.

Die Leica bot Fotografen aufgrund ihrer Leichtigkeit die Freiheit, dynamisch, spontan und schnell, dabei aber dennoch in außergewöhnlich hoher Qualität zu fotografieren. Cartier-Bresson liebte die Leica50 mm, weil, sie dem menschlichen Auge am nächsten kam. Er gab sie nie aus der Hand. Die Leica trug wesentlich zu Cartier-Bressons Erfolg bei, aber auch zum Wachstum des Fotojournalismus im 20. Jahrhundert insgesamt.  

Kriegserlebnisse prägen Bressons dokumentarisches Interesse

Cartier-Bresson war lange in der kommunistischen Bewegung aktiv, das wirkte sich nachhaltig auf sein politisches und künstlerisches Engagement aus. So fotografierte er insbesondere sozial ausgegrenzten Menschen. Auch Schlüsselerlebnisse, wie die deutsche Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs, zwei erfolgreiche Fluchtversuche und sein Engagement in der französischen Widerstandsbewegung prägten sein dokumentarisches Interesse an der Fotografie. 

Fotoreportagen in millionenfacher Auflage

Ein Kapitel der Ausstellung ist Cartier-Bressons bekannten Fotoreportagen, Porträts von Kunst- und Kulturschaffenden sowie seinen ikonischen fotografische Beobachtungen spontaner zwischenmenschlicher Begegnungen gewidmet. Cartier-Bresson hielt als Augenzeuge zahlreiche Großereignisse mit seiner Kamera fest. In der Ausstellung werden beispielsweise die Krönung des britischen Königs George VI. in London 1937, die Befreiung von Paris 1944, Deutschland nach Kriegsende 1945, die Beisetzung von Gandhi 1948, das Ende der Kuomintang-Herrschaft in China 1948, Russland nach dem Tode Stalins 1954 sowie Kuba nach der Raketen-Krise 1963 gezeigt.

Mitbegünder der Fotoagentur Magnum  

Mit der Gründung der Fotoagentur Magnum zusammen mit Robert Capa, Chim Seymour, George Rodger und William Vandivert im Jahr 1947 wurden Cartier- Bressons Fotoreportagen immer professioneller. Cartier-Bresson bereiste im Auftrag von Magazinen und Zeitungen wie „Life“, „Paris Match“ oder „New York Times Magazine“ die Kontinente. Seine Fotoreportagen erschienen weltweit in millionenfacher Auflage. In der Ausstellung werden Originalfotografien durch gedruckte Abbildungen in Zeitschriften ergänzt.

Street Photography - der spontane Augenblick

Die Schau bietet auch eine Auswahl an sogenannter Street Photography, die Menschen im Alltag, bei der Arbeit und in der Freizeit zeigt. Diese Aufnahmen verdeutlichen vielleicht am besten das prägende Element in Cartier-Bressons Fotografie: seine nahezu hellseherische Fähigkeit, den entscheidenden Augenblick zu erkennen. Aus alltäglichen, banalen Szenerien konnte Cartier-Bresson Großes machen, weil er in dem kurzen Augenblick auf den Auslöser drückte, "in dem alle bewegten Elemente im Gleichgewicht sind", wie er einmal sagte. Cartier-Bresson war ein Meister darin, flüchtige Szenen sichtbar zu machen, die sonst im Getümmel der Straßen untergegangen wären.

Intime Porträts seiner Künstlerfreunde  

Cartier-Bresson pflegte jahrelange Freundschaften in die Kunst- und Kulturwelt, die ihn und sein künstlerisches Schaffen nachhaltig inspirierten. Seine intimen Porträts von Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Fotograf:innnen wie Pablo Picasso, Simone de Beauvoir und Henri Matisse bilden einen wichtigen Teil seines Œuvres und werden ebenfalls in der Ausstellung präsentiert.

Zur Ausstellung entsteht ein Katalog im Hirmer-Verlag mit Aufsätzen von Nadya Bair, Kathrin Baumstark, Clément Chéroux, Ulrich Pohlmann, Valérie Vignaux und Deborah Willis.

Weitere Infos: Ausstellung Cartier-Bresson