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Kunsthalle

William Blakes Universum

Das erstaunliche Œuvre des englischen Zeichners, Grafikers und Malers William Blake (1757–1827), entstanden vor dem Hintergrund von Revolution und Krieg in Europa, Sklaverei in den europäischen Kolonien und der Unterdrückung im heimischen Großbritannien.

William Blake
William Blake

Ein Naturmystiker fern jeglicher Kirchengläubigkeit

Blake war nicht nur Zeichner und Maler, er war auch Dichter und Naturmystiker. Schon als Kind soll Blake Visionen von Engeln und Propheten gehabt haben, die er in seinen Gedichten und Bildern verarbeitete. Von seinen Eltern streng religiös erzogen, hatte zudem die Bibel einen großen Einfluss auf Blake, deren Erzählungen ihm zeitlebens eine Quelle der Inspiration waren.

William Blakes Religiosität war jedoch fern jeglicher Kirchengläubigkeit. Dieser setzte er eine naturnahe Spiritualität entgegen, er war lebensbejahend und überzeugt von der Gleichberechtigung der Geschlechter und Rassen. Obwohl er 45 Jahre mit seiner Frau verheiratet war, trat er in seinem dichterischen Werk für eine freie Sexualität ein. Die Sklaverei verabscheute er zutiefst. Politisch war Blake ein Anhänger der Ideen der Französischen und Amerikanischen Revolution und misstraute dem aufkommenden Materialismus seiner Zeit.

Erst verkannt, heute einer der Größten der englischen Kunst

Angesichts von Revolution und Krieg, Sklaverei und Unterdrückung verknüpfte Blake in seinen Arbeiten seine Kritik an der Welt mit einer Vision von universeller Erlösung. Sein künstlerisches und literarisches Werk wurde von seinen Zeitgenossen jedoch überwiegend abgelehnt, sie hielten Blake für einen Exzentriker und sein mystisches Weltbild für einen Ausdruck geistiger Verwirrung. 

Trotz Armut soll Blake  - dessen malerischen Vorbilder Raffael, Michelangelo sowie Albrecht Dürer waren -  aber ein glücklicher und fleißiger Mann gewesen sein und fest davon überzeugt, dass sein Werk nach seinem Ableben Erfolge feiern würde.

Tatsächlich begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Generation von Künstlern Blakes Werk zu schätzen. Später fanden seine mystische Bilderwelten und düsteren literarischen Arbeiten auch Eingang in die Popkultur. Aldous Huxley, T.S. Eliot und, Allen Ginsburg, die mit Drogen und bewusstseinserweiternden Mitteln experimentierten, verehrten seine Werke. Der Bandname der Band The Doors entstand in Anlehnung an den Essay von Aldous Huxley The Doors of Perception (Die Pforten der Wahrnehmung). Aldous Huxley entnahm den Titel seines Essays einem Zitat von William Blakes The Marriage of Heaven and Hell.

Heute gilt Blake als ein Wegbereiter der Moderne. Seine Dichtungen zählen zu den bedeutendsten Werken der englischen Lyrik; seine Zeichnungen werden zu den großen Werken der englischen Kunst gerechnet. 

Die Schau präsentiert Blake als wahrhaften Europäer

Außerhalb Englands ist Blakes Werk immer noch wenig bekannt. In der Ausstellung werden erstmals sämtliche Blake-Bestände des Fitzwilliam Museum in Cambridge und das Vermächtnis des bekannten Blake-Sammlers Geoffrey Keynes öffentlich gezeigt. Obwohl Blake Großbritannien Zeit seines Lebens nie verließ, präsentiert die Schau den Künstler als einen wahrhaften Europäer und setzt sein Werk in Bezug zu ausgewählten Arbeiten europäischer Zeitgenossen. Insgesamt werden rund 120 Werke ausgestellt.

Herausgestellt werden entscheidende Aspekte der Kunst Blakes, von seiner Ausbildung an der Royal Academy of Arts in London, über seine Beschäftigung mit der Antike und der Renaissance bis hin zu seiner Begeisterung für die mystischen Bildwelten der frühen Neuzeit. 

Die Ausstellung vergleicht Blakes Werk zudem mit anderen Künstlern, die sich im Angesicht vernichtender politischer Krisen der bildenden Kunst zuwandten, um die Welt neu zu errichten: So strebte auch der Romantiker Philipp Otto Runge (1777–1810) danach, die geistige Erneuerung des Menschen in künstlerisch neuartiger Form sichtbar zu machen. Blakes Darstellungen werden zudem in Bezug gesetzt mit Werken von Zeitgenossen wie seinem jüngeren Landsmann Samuel Palmer (1805–1881) und Caspar David Friedrich (1774–1840).

Weitere Informationen zur Ausstellung: William Blakes Universe