Im Spotlight

MS Stubnitz

Beim letzten clubaward des Hamburger Clubkombinats hat die MS Stubnitz nicht nur den Preis für den besten Club mit nach Hause genommen, sondern wurde auch zum Lieblingsclub der Hamburger*innen gekürt. Im Interview erzählt Hannah Vischer von der MS Stubnitz, was den Club so besonders macht.

Eine Menge feiert im Clubraum der MS Stubnitz.
Stefan

Im Spotlight: MS Stubnitz 

Wo früher Fisch verarbeitet wurde, wird heute Konzerten gelauscht: Die MS Stubnitz hat eine bewegte Geschichte als ehemaliges Kühl- und Transportschiff. Heute ist sie Kulturort und Industriedenkmal – und beliebt beim Publikum. Beim letzten clubaward des Hamburger Clubkombinats hat die MS Stubnitz nicht nur den Preis für den besten Club mit nach Hause genommen, sondern wurde auch zum Lieblingsclub der Hamburger*innen gekürt. 

Im Interview erzählt Hannah Vischer von der MS Stubnitz, was den Club so besonders macht:

hamburg.de: Was macht die MS Stubnitz aus?

Hannah Vischer: "Die Kontraste – einerseits ist die Stubnitz eines der ältesten authentisch erhaltenen noch hochseetauglichen Frachtschiffe weltweit, andererseits ein Club mit drei Floors und krassester Ganzkörper-Schallfühlanlage. In den Laderäumen, wo früher Fisch verarbeitet und auf -28°C gefrostet wurde, finden jetzt die Konzerte statt. Daraus ergibt sich eine einzigartige Atmosphäre, die viele berührt, wenn sie die Treppen in den Bauch des Schiffes hinuntersteigen – da ist es immer toll, die leuchtenden Augen der Besucher*innen und Artists zu sehen. Wir haben ein Herz für die Nische, für Experimentelles, Außergewöhnliches und versuchen immer auch Formate abseits kommerzieller Verwertbarkeit auf die Bühne zu bringen."

Ihr habt beim letzten clubaward des Clubkombinats nicht nur die Auszeichnung für den Besten Club des Jahres bekommen, sondern seid auch vom Publikum zum Lieblingsclub gekürt worden. Was bedeutet euch das?

"Diese Anerkennung bedeutet uns viel, ganz besonders jetzt! Unsere Liegeplatzgenehmigung neben den Elbbrücken läuft Ende 2026 aus. Wenn wir bis dahin keinen neuen Liegeplatz in Hamburg finden, könnte das das Ende des Projekts nach über 30 Jahren bedeuten. Der neue Liegeplatz muss viele Kriterien erfüllen: genug Tiefgang, Zuwegung für Gäste und Anlieferungen, ausreichender Abstand zu Wohnbebauung, nah genug an öffentlichen Verkehrsmitteln, damit die Gäste tatsächlich auch zu uns kommen. Da ist der Clubaward ein unglaublich wertvolles Signal von den Hamburger*innen und der Fachjury, das zeigt: Auch wenn’s nicht einfach ist, einen neuen Liegeplatz zu finden – Hamburg braucht die MS Stubnitz."

Die MS Stubnitz ist nicht nur Club, sondern auch schwimmendes (und fahrtüchtiges) Industriedenkmal. Wie kann man sich eine Fahrt der MS Stubnitz vorstellen?

"Die Stubnitz wurde nach der Wende umgebaut – vom Schiff, das auf hoher See den Fang anderer Schiffe übernommen, verarbeitet und zu Fischplatten gefrostet hat zum Kulturschiff. Danach gab es viele Jahre Gastspiele in über 20 Hafenstädten Nordeuropas. Ab circa 2007 haben sich die Rahmenbedingungen für solche Ausflüge zunehmend drastisch verändert, was die Reisen erschwert hat. 

2013 kam die Stubnitz dann in Hamburg an und hat sehr gestruggelt, die Klasse („Schiffs-TÜV“) zu erhalten. Ab da war’s erst mal vorbei mit großen Fahrten und es ist viel Arbeit in die Instandhaltung und deren Finanzierung geflossen. Mittlerweile geht’s dem Schiff technisch so gut wie lange nicht, und 2024 haben wir nach einem Trockendockaufenthalt in Stralsund auch weitere fünf Jahre Hochseetauglichkeit attestiert bekommen. Wir sind natürlich motiviert, das zu nutzen und künftig wieder unterwegs zu sein! Nach dem Werftaufenthalt vergangenes Jahr in Stralsund haben wir dort auch noch im Stadthafen veranstaltet – das erste Mal seit vielen Jahren woanders als in Hamburg. Die Fahrt nach Stralsund und zurück war auch die erste über’s offene Meer seit langer Zeit. Das kann man sich wuselig, laut, übermüdet und richtig toll vorstellen."

Eine Menge feiert im Clubraum der MS Stubnitz.
Stefan

Was wolltet ihr eurem Publikum schon immer einmal sagen?

"Traut euch auch zu den Genres, die ihr nicht kennt, feiert und tanzt zu Noise und Trommelbeats wie zu hartem Techno. Traut euch, Neues, nicht Kommerzielles anzuhören, anzuschauen und auszutesten. Und natürlich: Danke für eure Unterstützung!"

Wenn nur noch ein Genre auf der Bühne der Stubnitz stattfinden könnte – welches wäre es?

"Das kommt ganz darauf an, wen man von unserer Crew fragt. Manche würden Punk oder Postpunk sagen, andere Electronica, Doom, Noise, Pop oder auch experimentelle Jazz- und Rockmusik. So divers wie wir als Crew sind, ist auch unser Booking. Ein dominierendes Genre ist hier zum Glück gar nicht denkbar."

Was wünscht ihr euch für die MS Stubnitz?

"Größter Wunsch aktuell: Eine Liegeplatzperspektive in Hamburg!

Für uns selbst wünschen wir uns, dass wir es als Crew und als Projekt schaffen, trotz allem Stahl um uns herum niemals einzurosten – sondern uns immer weiterzuentwickeln, zu transformieren, zu emanzipieren, zu hinterfragen und trotz der vielen Arbeit, dem Ehrenamt und der finanziellen Unsicherheit gute Laune und Freund*innenschaften zu bewahren. Damit wir auf dieser Basis noch viele weitere Jahre innovatives Kulturprogramm veranstalten können!"

Mehr über die MS Stubnitz

Die MS Stubnitz am Anleger in der Hamburger HafenCity.
Hauke Dressler

Konzerte im schwimmenden Denkmal MS Stubnitz

Die Stubnitz ist ein ehemaliges Kühl- und Transportschiff der DDR-Hochsee-Fischfangflotte.