Im Spotlight

NICA Jazz Club

Seit November 2024 ist Hamburgs Jazz-Landschaft um einen Club reicher: den NICA Jazz Club. Im Interview zieht Betreiberin Fee Schlennstedt nach dem ersten Jahr Bilanz.

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Julia Schwendner

Im Spotlight: Jazz-Club mit Fleetblick

Mitten in der Hamburger Innenstadt liegt der NICA Jazz Club. Der Club hat hier – direkt am Fleet und nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt – im November 2024 eröffnet. Seitdem finden in urbanem und zugleich intimem Ambiente Konzerte von Jazz-Größen und Newcomern statt. Besucher*innen können sich nicht nur an erstklassiger Musik, sondern auch an guten Drinks, Speisen und einem direkten Blick auf das Wasser des Alsterfleets erfreuen. 

Was den NICA Jazz Club ansonsten ausmacht, wie das erste Jahr gelaufen ist und was als nächstes für den Club ansteht – darüber haben wir mit Gründerin Fee Schlennstedt gesprochen.

hamburg.de: Was macht den Nica Jazz Club aus?

Fee Schlennstedt: "NICA ist ein Ort, der Qualität mit einem kreativen, zugänglichen Ansatz verbindet. Programmatisch öffnet der Club die Türen zu einem sehr breiten Jazz-Kosmos: klassische Jazz-Formen, Funk, Soul, Blues, Bluesrock und World Music. Auf der Bühne stehen internationale Stars ebenso wie lokale Entdeckungen und Hamburger Größen. Dank unseres weltweiten Netzwerks gelingt es, Künstler*innen wie Dee Dee Bridgewater, Nigel Kennedy, Stacey Kent, Kurtis Stigers, Richard Bona und viele andere nach Hamburg zu bringen. Ein besonderer programmatischer Fokus liegt auf der Entdeckung noch unbekannter Talente, die kurz davorstehen, die großen Bühnen der Welt zu erobern."

Blick in den Nica Jazz Club, aus dem Fenster ist das Alsterfleet zu sehen.
Julia Schwendner

"Fast täglich finden hier Konzerte statt. Der Club richtet sich an ein Publikum, das Wert auf musikalische Qualität legt, das auf die Details achtet, die einen Abend unvergesslich machen, und das neugierig ist und sich vom leidenschaftlich kuratierten Programm begeistern lässt."

Was ist eure Bilanz nach dem ersten Jahr? Fühlt ihr euch angekommen?

"Seit der Eröffnung im November 2024 hat sich der Club als erste Adresse in der Jazz-Stadt Hamburg etabliert. Der Start hätte nicht besser laufen können. Die Gäste sind begeistert, inzwischen haben wir bereits zahlreiche Stammgäste, von denen manche manchmal vier Mal pro Woche kommen. Das ist überwältigend. Auch die Musiker aus aller Welt sind begeistert vom Club und loben seine tolle Atmosphäre, die sehr gute Akustik und unser großartiges Publikum." 

"Der Start hätte nicht besser laufen können. Die Gäste sind begeistert, inzwischen haben wir bereits zahlreiche Stammgäste, von denen manche manchmal vier Mal pro Woche kommen."

Fee Schlennstedt, Betreiberin NICA Jazz Club

"Wir werden in internationalen Musikerkreisen inzwischen als einer der besten Jazzclubs weltweit gehandelt. Besser konnte es also nicht kommen. Darüber hinaus sind wir sehr gut vernetzt mit allen anderen Akteuren in der Stadt und pflegen ein kooperatives Miteinander. Also ja, wir fühlen uns nicht nur angekommen, es fühlt sich nach nur zwölf Monaten so an, als wäre es nie anders gewesen ohne unseren Nica Jazz Club."

Was war euer absoluter Highlight-Moment?

"Es gab sehr viele tief bewegende Momente. Aber sicher ist einer der ganz besonderen Momente der gewesen, als Dee Dee Bridgewater nach ihrem Konzert vor mir stand, mir tief in die Augen sah, meine Hände und mich in den Arm nahm und sagte: „Du hast hier etwas einzigartiges geschaffen. Dieser Club und die ganze Atmosphäre sind unvergleichlich. Vergiss nie, was du geschafft hast und sei stolz darauf.“ Das passierte vier Wochen nach der Eröffnung, es war das erste Mal, dass mir nach unvorstellbar stressvollen Monaten bewusst wurde, dass der Club nun geboren und im Betrieb war. Dee Dee Bridegwater wird übrigens 2026 für zwei Konzerte zurückkommen. 

Highlights sind aber ganz klar auch, wenn Gäste zu mir kommen und einfach nur sagen: „Danke, dass es euch gibt und ihr dieses tolle Programm macht.“ Oder „Danke, dass ihr diesen Club in Hamburg eröffnet habt – jetzt muss ich nicht mehr nach New York fahren.“ Das ist einfach immer wieder bewegend."

Auf einer Bühne steht ein Schlagzeug, davor liegt ein Cello.
Julia Schwendner

Wofür steht nach eurem Empfinden die Hamburger Jazz-Szene – auch im Vergleich zu anderen Jazz-Stätten, beispielsweise in den USA?

"Jazz ist generell eine offene Stilrichtung, also in jedem Fall für Offenheit. In Hamburg ist bemerkenswert, dass es viele Organisationen gibt, die Jazz-Akteure unterstützen und untereinander vernetzen. Das ist in vielen anderen Städten nicht der Fall. Und in den USA herrscht tendenziell eher Einzelkämpfertum vor."

Was wolltet ihr eurem Publikum schon immer einmal sagen?

"Danke! Aber das sagen wir ihnen eh öfter, zum Beispiel in unserem Newsletter. Wir haben – und das ist keine Übertreibung – das weltbeste Publikum. Und das sagen nicht nur wir, das sagen – und das ist ebenfalls keine Übertreibung – alle Künstler, die nach dem Konzert von der Bühne kommen. Die sind oft völlig sprachlos, wie intensiv, aufmerksam und begeisterungsfähig unser Publikum ist. 

Aber auch, dass wir uns immer noch in der Aufbauphase befinden, auch wenn es sich nicht danach anfühlt. Wir stehen erst am Anfang, arbeiten und schleifen noch an Prozessen, Abläufen und Themen, die wir verbessern oder erst noch umsetzen wollen – wie zum Beispiel unseren Freundeskreis, der in diesem Jahr eingeführt wird."

Schon gewusst?

Namensgeberin des Clubs ist Baroness Pannonica de Koenigswarter, genannt Nica, eine der größten Mäzeninnen des Jazz. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte sie in Frankreich und Afrika gegen das NS-Regime, später setzte sie sich in New York beharrlich für Jazz und schwarze Musiker ein.

"Eine Jazz-Enthusiastin, die sich nie entmutigen ließ. Eine Schutzpatronin, wie sie die Gründerin des NICA für ihre Vision kaum besser hätten finden können", sagt Fee Schlennstedt.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

"Wir wollen langfristig einer der schönsten und musikalisch attraktivsten Clubs sein. Ein Ort, den Menschen besuchen, auch wenn sie das Programm bzw. den dort auftretenden Künstler nicht kennen. Einfach weil sich herumgesprochen hat, dass jedes Konzert bei uns ein wirkliches Highlight ist. Und dass sich jeder bei uns wohlfühlt, Gäste wie Musiker. 

Weitere Pläne sind zum Beispiel die bereits erwähnte Umsetzung unseres Freundeskreises, das Anbieten von Merch-Artikeln rund um den Club oder auch die Erweiterung unseres Programms durch Jugend- und Kinderkonzerte. Wir haben noch so viel vor!

Mehr über den NICA Jazz Club

Menschen sitzen im Nica Jazz Club mit Blick auf die Bühne.
Steven Haberland
Jazz mit Fleetblick

NICA Jazz Club

Der NICA Jazz Club bietet mitten in Hamburg Konzerte aus Jazz, Funk, Blues, Soul und Weltmusik.