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Denkmäler Hamburg-Mitte Vorsetzen 70: Rundturm-Bunker des Typs "Zombeck"

Vorsetzen 70: Rundturm-Bunker des Typs "Zombeck"

Der Rundturm steht südlich neben dem Hochbahnviadukt zwischen den Stationen Baumwall und Landungsbrücken, nördlich führt die stark befahrene Hafenrandstraße vorbei.

vergrößern Haupteingang; Foto: Ariane Gramelspacher Rundturmbunker - Vorsetzen (Bild: Ariane Gramelspacher) Er wurde 1940 nach Plänen von Baurat Dr. Hinrichsen erbaut, in Klinkerverkleidung mit Putz und Werksteinelementen. Das Kegeldach ist mit Biberschwanz bedeckt. Der Schaft wächst sockellos auf. Die rechteckigen Lüftungsstutzen sind in Achsen angeordnet. Der Haupteingang zeichnet sich durch ein übergiebeltes hohes Portal mit Rustika-Einfassung und mächtigem Reichsadler im Feld über dem Türsturz aus. Die originalen eisernen Türflügel sind erhalten.

Der Rundturm ist nach dem Krieg für kurze Zeit als "Beherbergungsbetrieb" genutzt worden. Er hat aber praktisch keine Veränderungen erfahren und stellt damit ein sehr gut überliefertes Beispiel für den Rundturmtyp "Zombeck" dar.

Rundtürme für den Luftschutz wurden seit der Mitte der dreißiger Jahre entwickelt. 1939 entstand der Rundturmtyp "Zombeck", nach seinem Konstrukteur Paul Zombeck genannt. Er führte eine spiralförmig um einen Zylinder gelegte Rampe zur Erschließung und als Aufenthaltsort für die Schutzsuchenden ein. Der Zylinder im Zentrum des Turms nahm Waschräume und Toiletten auf. Die Außentüren waren splitter- sowie explosionssicher gedacht und mit einer Gasschleuse versehen.

Diese Türme, die vergleichsweise schnell viele Menschen aufnehmen konnten, sollten bei Fliegerangriffen Passanten Zuflucht bieten. Sie wurden daher an Verkehrsknotenpunkten, Bahnlinien oder Industriegrundstücken errichtet.

In Hamburg haben die Luftschutzbauten vom Typ Zombeck die Form von Rundtürmen, die sich nach oben leicht verjüngen und durch ein bombenabweisendes Kegeldach mit eiserner Helmspitze geschlossen sind. Sie sollten 600 Personen aufnehmen; tatsächlich waren sie bei Angriffen mit bis zu 1800 Personen ständig überbelegt.

Die Türme stellten - anders als viele der Bunkerhäuser - Solitäre dar, waren daher als Luftschutzbau für die Bevölkerung, aber auch für den Gegner aus der Luft schnell zu erkennen. Wie in anderen Städten versuchte man sie zu tarnen: Seit 1939 gab es Überlegungen, sie durch architektonische Gestaltung in die Umgebung einzubinden. So scheinen die Hamburger Luftschutzrundtürme die Türme des Steintors nachzuahmen - und sind damit Beispiele des Heimatstils im Dritten Reich.

Die Rundtürme wurden alle verklinkert. In den meisten Fällen ist als Hoheitszeichen der Reichsadler mit Scheibe oder Kranz verwendet worden; das Hakenkreuz, das sich aller Wahrscheinlichkeit nach unter dem Adler oder im Schlussstein der Eingänge befand, wurde in der Nachkriegszeit selbstverständlich abgearbeitet.

Insgesamt entstanden in Hamburg 12 Rundtürme als öffentliche Luftschutzbauten, davon 11 nach dem System Zombeck.

Diese Luftschutztürme gehören zu einer repräsentativen Auswahl einzelner Typen des Hamburger Luftschutzbaus, für die das Denkmalschutzamt nach Veröffentlichung einer Untersuchung zum Hamburger Luftschutzbau die Eintragungsverfahren aufgenommen hat.

Ihre Erhaltung liegt unter anderem wegen ihrer Bedeutung als architektonische Dokumente des "Dritten Reiches", als authentische Mahnmale gegen Krieg und Faschismus, und zur Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse.