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Denkmäler Hamburg-Mitte Otzenstraße 19: Friedenskirche in St. Pauli

Otzenstraße 19: Friedenskirche in St. Pauli

1890 wurde der berühmte norddeutsche Kirchen-Architekt Johannes Otzen für die Planung der Friedenskirche beauftragt. Der dafür ausgesuchte Platz lag damals noch in der Stadt Altona, angrenzend zur Hamburger Vorstadt St. Pauli. Ein Brunnen erinnert heute an die damalige Nutzung als Feldbrunnengelände: Hamburger Bürger hatten seit dem 15. Jahrhundert das Recht, ihr Wasser von diesem quellen- und wasserreichen Gebiet in die Hamburger Altstadt zu leiten.

vergrößern Friedenskirche Otzenstrasse Friedenskirche Otzenstraße 19 (Bild: Denkmalschutzamt Hamburg) Kirchenbau gehörte nicht zwingend zu den stadtplanerischen Aufgaben. Kirchen gehörten jedoch ebenso zur Infrastruktur wie z. B. Schulen. Den kirchlichen Institutionen wurden im Kaiserreich von der Obrigkeit zudem durchaus Aufgaben der gesellschaftlichen Befriedung, Disziplinierung und Versorgung zugewiesen. So unterstützte der Staat den Bau von neuen Gemeindekirchen, indem er einen geeigneten Platz zuwies und sich finanziell am Bau beteiligte. Im Fall der Friedenskirche handelte es sich um ein größeres kaiserliches Geldgeschenk.

Wirkungsvoll steht die Kirche auf dem Platz, an dem sternförmig fünf Straßen abgehen. Wie ein Solitär in das damalige Neubaugebiet gesetzt, erhielt der Bau seine Bedeutung als städtebauliches Zentrum in dem wilhelminischen Quartier. Dank seines charakteristischen Turms wirkt der Bau an der Silhouette St. Paulis und Altonas mit und prägt weiträumig das Stadtbild. Der neoromanische Backsteinbau repräsentiert dabei – wie zahlreiche protestantische Sakralbauten jener Zeit im Norddeutschen Raum – den Stil der Hannoverschen Bauschule des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

1943 erlitt der Kirchenbau beträchtliche Zerstörungen. Er wurde in den frühen 50er Jahren deutlich vereinfacht wieder hergestellt. In den 1990ern wurde die Kirche erneut umgestaltet. Bis auf wenige inszenierte Reste der Gliederung gingen die Architektur- und Ausstattungselemente sowie der Grundriss der Kirche verloren. Die Außenansicht wurde bei der Wiederherstellung jedoch weitgehend bewahrt.

Heute darf besonders der als Kreuzbau mit ausgeprägtem Westturm gekennzeichnete Außenbau als typischer Vertreter der neogotischen Sakralarchitektur gelten. Aus zahlreichen unterschiedlichen Bauteilen – An- und Zwischenbauten, Türmen und Türmchen – zusammengefügt, sowie mit einer ausgeprägten Vielfalt an Dachformen – Kreuzdach, Pultdach, Kegeldächer, Pyramidendächer – ausgestattet, gilt der Kirchbau als ein spätes Beispiel einer Wandpfeilerkirche mit Querarmen.

Das Kirchengebäude stellt daher noch immer, wie zur Bauzeit intendiert, das historisch geprägte städtebauliche Zentrum und eine weit sichtbare Dominante dar.