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Geschützte Denkmäler in Eimsbüttel Hohe Weide 34: Jüdisches Gemeindezentrum und Synagoge

Hohe Weide 34: Jüdisches Gemeindezentrum und Synagoge

Im September 1945 gründeten 72 Überlebende die „Jüdische Gemeinde Hamburg“, nachdem in der Pogromnacht 1938 die Hamburger Synagogen nahezu vollständig zerstört oder geschändet worden waren und im Holocaust fast die gesamte jüdische Gemeinde ermordet worden war.

Mittlerweile ist die hamburgische jüdische Gemeinde auf 3200 Menschen angewachsen. Nachdem ihr zentraler Raum zum Beten sich zunächst in der Kielerortallee 22 befand, praktizieren sie ihren Glauben in dem 1960 von den Architekten Karl-Heinz Wrongel und Klaus May errichteten Komplex, der wirkungsvoll südlich der Straßenkreuzung Hohe Weide / Heymannstraße steht. Die umfangreichen Räumlichkeiten der Synagoge umfassen im Erdgeschoss zwei Beträume, den Gemeindesaal, den Schulraum, das Foyer mit Vorraum und Wohnungen für den Rabbiner und den Kantor. Im Untergeschoss sind neben dem Jugendzentrum eine große koschere Küche und die Mikwe, das rituelle jüdische Tauchbad, untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich weitere Räume und die Wohnung des Hausmeisters.

Die hebräischen Schriftzeichen über dem Haupteingang der Synagoge bedeuten: "Es möge Frieden sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!" (Psalm 122, Vers 7). Als wichtigster Teil besetzt der fünfseitige hohe Synagogenbau die Nordecke des Grundstücks. Er schiebt sich aus den anschließenden Bauteilen vor, so dass drei Seiten und vier der fünf Gebäudeecken freigestellt sind. Dabei ist die eine Seite wie erforderlich zur Ostseite gewandt. Eingefasst von den nicht symmetrischen, unterschiedlich fluchten Anbauten wirkt die Synagoge wie ein Solitär. Mit ihrer bedeutsamen Höhe, konzentrierten Fünfeckform und Kubatur dominiert und zentriert sie die gesamte Anlage.

 

Außer den beiden nach Südwesten liegenden Fassaden des Foyers und der aus Fenstern bestehenden Schmalseite bietet der Komplex nach außen flächige, mit hellen Kunststeinplatten verkleidete Lochfassaden. Im spannungsvollen Kontrast zur Wand bilden die Fenster in der Höhe versetzte Gruppen in der Fassadenfläche. Die sorgfältige Gestaltung des Synagogenbaus mit den senkrechten Fensterbänken und den geschlossenen, geometrisch gemusterten Wandflächen betont den beherrschenden Solitärcharakter des Baukörpers. Über dem kupfergrünen Dach schwebt der Davidstern.

 

Im weitgehend unveränderten Inneren des Gebäudes wurde besonderer Wert auf die Gestaltung des großen Betsaals gelegt. Er ist gen Osten, also mit der Gebetsrichtung nach Jerusalem, ausgerichtet. Hinter einem prächtigen Vorhang ist der Thoraschrein in einem Marmorgehäuse untergebracht.  Er reiht sich mit dem Vorbeterpult und dem Almechor als wichtigste Elemente auf der mittleren Raumachse auf. Sie sind mit hebräischen Inschriften verziert, um mehrere Stufen erhöht und von Balustraden eingefasst. Neben dem Schrein steht der Chanukka-Leuchter, über ihm hängt das Ewige Licht.

 

Wichtiges Gestaltungselement in diesem sonst schmucklosen Zentralraum bilden fünf raumhohe Fensterbänder. Die farbigen Fenster mit ihrer Perspektiven öffnenden Komposition geben dem Raum den farbigen Lichtklang. Die Fenster gestaltete der Kunstmaler Herbert Spangenberg. Die Symbole des Davidsterns, der Gesetzestafeln, der Thorarolle, des Leuchters und des Gewürzkastens werden darin dargestellt. Entsprechend der Himmelsrichtung sind die Fenster in helleren oder dunkleren Farbtönen gehalten, wobei nach Norden die warmen Farbtöne dominieren.

In seiner spröden Schlichtheit und sorgfältigen Detailgestaltung, seiner aussagekräftigen hierarchischen Gliederung mit der Betonung des fünfseitigen Synagogenbaus, besitzt der Komplex beachtliche architektonische Qualität. Ihm kommt als einziges jüdisches Gemeindezentrum in der Stadt Hamburg - die vor dem Holocaust ein reiches und die Gesellschaft insgesamt befruchtenden jüdisches Leben mit zahlreichen Synagogen auszeichnete - besondere Bedeutung zu.