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Einblicke in den Berufsalltag im LEB Pädagogischer Alltag in einem Kriseninterventionsdienst

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Zu Hochzeiten der Flüchtlingsbewegung kamen im Durchschnitt täglich 20 bis 30 neue Hilfe suchende junge Flüchtlinge in den Kinder- und Jugendnotdienst. An manchen Wochenenden waren es auch schon mal 100, für die kurzfristig eine Versorgung organisiert werden musste. Phasenweise lebten auf dem Gelände der Feuerbergstraße in den Gruppen, der Mehrzweckhalle und in aufgestellten Zelten und Containern rund 200 Flüchtlinge. Hinzu kamen die fast 1.200 Plätze in den Erstaufnahme- und Erstversorgungseinrichtungen. Inzwischen sind die Notplätze abgebaut, mit 70 Betreuten sind die Gruppen im KJND aktuell belegt. 

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Pädagogischer Alltag in einem Kriseninterventionsdienst


„Wir haben gelernt, zu improvisieren“, resümiert Ilsabe von der Decken. Die Leiterin vom Kinder- und Jugendnotdienst erinnert sich an Abende, an denen sie die Matratzen zählte und sich fragte, ob der KJND an diesem Wochenende allen Hilfe suchenden Flüchtlingsjugendlichen einen Schlafplatz wird anbieten können. Eine gigantische Zahl von Umzügen musste täglich organisiert werden, Beratungstermine, Arztbesuche. „Es gab auch Tabubrüche - mit der Belegung der Mehrzweckhalle und der Container“, räumt Ilsabe von der Decken ein. Ihre Schmerzgrenze war bei der Installation der Zelte erreicht. „Geschafft haben wir das alles nur, weil alle Beteiligten engagiert mitgezogen haben - pädagogische Fachkräfte, Begleitdienst, Hausmeister, Küche, Verwaltung - und wir gut aus dem Betrieb insgesamt unterstützt wurden!“ 

Entlastung brachte schließlich ab Ende November 2015 die lange ersehnte Gesetzesänderung, die die bundesweite Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern gestattete. Seither wurden mehr als 625 junge Flüchtlinge in andere Bundesländer gebracht. Mit rund 600 Flüchtlingsjugendlichen ist Hamburg immer noch im Plus, das heißt voraussichtlich noch ein halbes Jahr bleibt es für den KJND in Bezug auf Flüchtlinge erst einmal ruhiger. 70 Kinder und Jugendliche werden zurzeit in den fünf Gruppen des KJND betreut, davon rund 30 unbegleitete minderjährige Ausländer.  

„Wir können uns jetzt wieder auf Inhalte konzentrieren“, erklärt Ilsabe von der Decken. Dazu zählen das Projekt KJND 2020, dessen Ziel es ist, Zukunftsperspektiven für den Kinder- und Jugendnotdienst zu entwickeln, sowie Projekte zur Unterbringung spezieller Zielgruppen, aber auch Einarbeitungskonzepte oder die Optimierung der Schnittstellen im KJND.  

Der pädagogische Alltag im KJND ist nun - nachdem sich die Zuzugszahlen von jungen Flüchtlingen stetig verringern - der professionelle Umgang mit ausgesprochen herausfordernden Hamburger Jugendlichen. Zurzeit handelt es sich um eine Klientel, die sich durch ein hohes Aggressionspotential und Respektlosigkeit gegenüber Erwachsenen auszeichnet, aber auch Jugendliche, die Suchtverhalten und Delinquenz zeigen. Hinzu kommen Grenzfälle zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie, für die eigentlich ein noch intensiveres und passgenaueres Angebot mit Therapiemöglichkeiten geschaffen werden müsste. Auch dies ist eines der Projekte, die nun wieder in den Vordergrund treten. Von Langeweile also keine Spur. 

„Jeden Tag ist die Zusammensetzung der Betreuten anders“ 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im KJND, die sich in den vergangenen Jahren zu Fachleuten für Flüchtlingsfragen entwickelt haben, sind nun gefordert, wieder mit den pädagogischen Krisen von Hamburger Jugendlichen umzugehen. „Die Bandbreite ist dabei gewaltig“, sagt Ilsabe von der Decken. „Jeden Tag ist die Zusammensetzung der Betreuten eine andere“ - und damit auch die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Fachliche Unterstützung bieten kollegiale Beratung, der Austausch und Reflexion mit Leitungskräften, Supervision oder Beratungsmöglichkeiten mit Fachleuten anderer Disziplinen. 

„Wir sind stolz auf das, was wir im KJND auf allen Ebenen in den vergangenen beiden Jahren gemeinsam geschafft haben“, betont die Leiterin des Notdienstes. „Außerdem haben wir den Fachdienst Flüchtlinge und das UMA-Management aufgebaut und damit im eigenen Haus Instrumente geschaffen, mit denen wir die extremen organisatorischen Herausforderungen meistern konnten.“ 

Mit der Konzentration auf aktuelle Projekte, bei denen es auch gilt, Pädagogik zu gestalten, kommen wieder die zahlreichen Kooperationspartner des KJND stärker in den Blick: „Auch für diese Gespräche ist jetzt wieder mehr Zeit“, sagt Ilsabe von der Decken und verweist auf eine Reihe von Jugendhilfeträgern sowie die Stiftung Alsterdorf, aber auch das Wilhelmstift, das Familien-Interventions-Team (FIT), die Polizei oder etwa das Gesundheitsamt Altona.       bo


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 39 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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