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Einblicke in den Berufsalltag im LEB Pädagogische Arbeit im Mädchenhaus

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In dem Maße, in dem Einrichtungen im Flüchtlingsbereich geschlossen werden, sind auch Fachkräfte auf der Suche nach neuen Einsatzorten. Der LEB ist ein großer Betrieb mit einem internen Stellenmarkt, auf dem es immer wieder Bewegung und Bedarfe gibt. Die Sozialpädagogin Yuly Bibiana Diaz Cabezas hat den Wechsel von der Flüchtlingseinrichtung im Petunienweg ins Mädchenhaus des Kinder- und Jugendnotdienstes gewagt. Sie hat gern mit jungen Flüchtlingen gearbeitet; aber sie arbeitet auch gern mit Mädchen und jungen Frauen. Ihr Fazit: „Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, bin ich happy und freue mich auf die Arbeit – das zeigt mir, dass es die richtige Entscheidung war.“ 

Mädchenhaus, Schutz vor Gewalt, Krisenintervention, Hamburg, LEB, leb, Landesbetrieb Erziehung und Beratung

Mädchenhaus


„Das Kinderhaus, in dem ich mich vorgestellt habe, war gut, eine schöne Einrichtung – aber nicht mein Ding“, sagt Yuly Bibiana Diaz Cabezas. Dies jedoch sei das Entscheidende, dass man die Arbeit mit Leidenschaft und Freude mache, denn: „Das ist in sozialen Berufen grundlegend, die Klienten lesen uns wie ein offenes Buch.“ 

Im Jahr 2015 hat die gebürtige Kolumbianerin angefangen, beim Landesbetrieb Erziehung und Beratung zu arbeiten. Bis Oktober 2017 hat sie alle Entwicklungsphasen im Jugendhilfebereich Flüchtlinge miterlebt: Von der Erstversorgungseinrichtung zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise über die Umwandlung in eine Betreute Einrichtung für Flüchtlinge (BEF) bis hin zum Platzabbau und zur Vorbereitung auf die Schließung. Die Sozialpädagogin zeigte sich offen für Neues und wollte sich weiterentwickeln. „Aber es fiel mir auch schwer, das Team im Petunienweg und die Betreuten zu verlassen.“ 

Dann bot sich die Gelegenheit, vorübergehend als Vertretung im Mädchenhaus eingesetzt zu werden. Nach Ablauf der drei Monate wurde die Stelle jedoch frei, weil eine Kollegin nach Berlin ziehen wollte. „Ich habe mich für das Mädchenhaus entschieden, weil mir vieles gefallen hat“, betont Bibiana Diaz. Vor allem: „Aufgrund meiner Lebenserfahrung in Kolumbien, wo ich mit Frauen gearbeitet habe, setze ich mich aktiv gegen die Benachteiligung von Frauen ein. Hier im Mädchenhaus kann ich einen Beitrag dazu leisten.“ 

Das Besondere sei die Mischung der Klientel, findet Bibiana Diaz. Im Mädchenhaus gibt es Hamburger Mädchen, ab und an auch unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und ausländische Mädchen, die mit ihren Familien hier sind. „Sie alle haben eine innere Landkarte von Moralvorstellungen und Rollenerwartungen sowie Traditionen“, erklärt sie. „Wir helfen ihnen, ihre eigenen Kompetenzen zu erkennen und einen Plan von einem selbstbestimmten Leben zu entwickeln.“ Benachteiligung habe viele Gesichter. „Die Mädchen brauchen Hilfe, damit sie lernen, auch in Konflikten selbstbewusst ihre Interessen und ihre eigene Meinung zu vertreten.“ 

Der größte Unterschied zwischen der Arbeit in einer Flüchtlingseinrichtung und der Arbeit im Mädchenhaus: „In der BEF sind die Stärken, Fähigkeiten und Interessen der Jugendlichen der Ausgangspunkt für die pädagogische Unterstützung; es gilt, ressourcenorientiert die Grundelemente ihres Lebens aufzubauen – Wohnen, Schule, Finanzen, Freizeitgestaltung.“ Daran könne man kontinuierlich gemeinsam mit den Betreuten arbeiten. 

Im Mädchenhaus hingegen geht es um Krisenintervention. „Systemisch gesehen haben die Mädchen durchaus schon Ressourcen, ein soziales Umfeld, Familie – aber vielleicht liegen auch gerade da die Konflikte.“ Die eigentliche pädagogische Arbeit jedoch sei fokussiert auf die Krisenbewältigung und darauf, Ressourcen zu heben und tragfähige Lösungen zu erarbeiten, „als würde man Gold schürfen.“ Und manchmal sei die Krise auch bereits vorüber, wenn Bibiana Diaz zur nächsten Schicht komme. 

Das Schönste an der neuen Aufgabe sei die Kommunikation mit den Mädchen – zugleich das A und O in der Arbeit im Mädchenhaus: „Es braucht Einfühlungsvermögen und die richtige Atmosphäre, um Vertrauen entstehen zu lassen“, beschreibt Bibiana Diaz. Und das wiederum sei die Grundlage für eine realistische Einschätzung der Gefährdungslage sowie für die Planung des weiteren Vorgehens. „Wir helfen den Mädchen dabei, das innere Chaos zu klären und es zu strukturieren.“ 

Welchen Rat hat Bibiana Diaz für Kolleginnen und Kollegen im Landesbetrieb Erziehung und Beratung, die vielleicht auch in einen anderen Bereich des Betriebs wechseln möchten? „Auf alle Fälle sollte man die Entscheidung nicht vom Team abhängig machen“, entgegnet sie spontan. Denn: „Teamfindung braucht Zeit, die Geduld muss man aufbringen.“ Auch gehe es nicht darum, dass vielleicht eine Einrichtung schöner sei als eine andere. „Wir haben es uns damals auch im Container nett gemacht – die Betreuten haben Blumen gepflanzt und wir haben die Einrichtung mit Bildern dekoriert.“ 

Entscheidender sei, dass man die eigentliche Arbeit mit Leidenschaft und Freude mache. „Ich gehe jeden Tag happy zur Arbeit – und das merken auch die Betreuten!“                                     bo


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 45 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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