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Einblicke in den Berufsalltag im LEB „Ein großes Herz für kleine Kinder“

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Die Jugendhilfeabteilung Flüchtlinge im Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) ist weiterhin in Bewegung: Einrichtungen werden geschlossen, Konzepte an die veränderte Bedarfslage angepasst, Betreute finden andere Lebensorte, Personal andere Einsatzorte – zum Teil auch in anderen Abteilungen des LEB. Die beiden Hauswirtschaftlichen Fachkräfte Marina Oster und Andrea Ocker haben den Schritt von der Arbeit in Einrichtungen für Jugendliche hin zur Arbeit mit den Jüngsten getan: Im Kinderschutzhaus Nord sorgen sie jetzt für die richtige Wohlfühlatmosphäre, denn hier sollen sich die Kinder eine Zeit lang zu Hause fühlen und die Ruhe und Aufmerksamkeit genießen. 

Hauswirtschaft Kinderschutz Hamburg Landesbetrieb Erziehung und Beratung

Arbeit im Kinderschutzhaus


„In Einrichtungen für junge Flüchtlinge muss man sich als Frau schon mal durchsetzen“, sagt Andrea Ocker. „Vor allem wenn man dazu auch noch blond ist!“ Die Hauswirtschaftliche Fachkraft (HWF) wirkt allerdings keine Sekunde so, als wäre ihr das schwer gefallen. Jedoch haben die konzeptionellen Veränderungen die Arbeit der HWF überflüssig gemacht: „Die Betreuten sollen sich nun im Rahmen der Verselbstständigung selbst um ihren Haushalt kümmern.“ 

Mit dem Satz, „Sie haben so ein großes Herz, da ist doch auch Platz für kleine Kinder“, brachte 
Bereichsleiter Friedhelm von Czettritz und Neuhaus, ihr damaliger Vorgesetzter, den Stein ins Rollen. „Wenn das mal gut geht, dachte ich spontan, denn ich habe keine eigenen Kinder“, erinnert sich Andrea Ocker. Darum rief sie spontan ihre Mutter an und holte sich bei ihr Rat und Tipps. „Ich musste auch erst einmal lernen, wie man Windeln wechselt, denn dabei muss man schon mal einspringen.“  

Drei bis vier Wochen habe sie gebraucht, um sich im Kinderschutzhaus Nord des LEB einzugewöhnen, nachdem sie vorher in Flüchtlingseinrichtungen des LEB gearbeitet hat. Denn die Umstellung ging ihr auch nahe: „Man muss die Schicksale der Kinder vom Arbeitsalltag trennen – so kleine Seelen, die schon so viel erlebt haben.“ Bei den jungen Flüchtlingen sei es anders, „die sind alle geflüchtet und haben damit alle das gleiche Schicksal“. 

Jetzt ist sie etwa seit einem Dreivierteljahr im Kinderschutzhaus Nord – und längst angekommen: „Wir haben dafür zu sorgen, dass es den Kindern gut geht, und das hat auch viel mit Essen zu tun.“ Ihre Kollegin, Marina Oster, pflichtet ihr bei: „In der Küche kommen doch immer alle zusammen!“ Leicht sei die Arbeit allerdings nicht, geben beide zu bedenken. „Das ist hier nicht nur Knuddeln und Brötchen schmieren“, stellt Andrea Ocker klar. 

Marina Oster hat selbst drei erwachsene Kinder und ist sogar schon Oma: „Kinder waren immer um mich herum!“ Sie ist seit einigen Wochen als Hauswirtschaftliche Fachkraft im Kinderschutzhaus Nord beschäftigt, zuvor war sie rund drei Jahre in der Küche des Kinder- und Jugendnotdienstes tätig. Im Kreis der Kolleginnen habe sie sich schnell gut aufgehoben gefühlt. Auch sie gibt zu: „Ich muss noch lernen, Arbeit und Privates zu trennen.“ Gespräche im Team helfen dabei, sagt sie. 

An ihren ersten Tag in der neuen Einrichtung kann sich Marina Oster gut erinnern: „Es war so laut“, lacht sie. Und: „Mit den Kindern dauert einfach alles länger als sonst, denn wenn wir die Räume reinigen, dann klettern die Kinder manchmal auf den Staubsauger und spielen damit.“ 
Die Hauswirtschaftlichen Fachkräfte prägen die Atmosphäre im Haus: „Wir machen es für die Kinder schön!“ Dazu zählt, das Haus in Ordnung zu halten und für die Kinder zu kochen. „Gegessen wird zusammen mit allen an einem Tisch, wie in einer Familie“, betont Andrea Ocker. Alles wird frisch gekocht und lebt von der Abwechslung, denn die Kinder sollen auch unterschiedliche Geschmackserlebnisse haben. „Wir führen sie an Ernährung heran“, erklären die beiden Frauen. „Wichtig ist uns hier auch, dass die Kinder Porzellan benutzen dürfen und Kindergabeln, denn sie sollen diese Kultur kennenlernen.“

Einen hohen Stellenwert nimmt der Körperkontakt mit den Kindern, die Wärme ein. „Kleine Kinder kommunizieren stark nonverbal, daher wird hier viel geknuddelt.“ Gezankt werde hingegen wenig im Haus, findet Marina Oster. „Ich glaube, die Kinder genießen die Ruhe und Aufmerksamkeit, die sie hier bekommen.“ Rührend sei es auch, wenn ein neues Kind ins Kinderschutzhaus komme: „Die anderen gucken dann ganz gespannt und es ist bei Tisch ruhiger als sonst.“ 

Beide Frauen sind sich einig: „Ich möchte nicht die ganze Geschichte der Kinder kennen, je weniger ich weiß, desto einfacher ist es für mich.“ Andrea Ocker: „Für uns ist nur wichtig, dass sich die Kinder hier wohl fühlen!“  
Würden Sie denn noch einmal den Schritt ins Kinderschutzhaus machen? „Ich würde auf alle Fälle wieder hierher wechseln“, entgegnet Marina Oster. „Allerdings habe ich beschlossen, dass ich jetzt angekommen bin und langsam zur Ruhe kommen möchte.“ Andrea Ocker pflichtet ihr bei: „Für mich ist das hier eine schöne neue Erfahrung; auch ich hoffe, dass dies meine letzte berufliche Station ist.“                                               bo


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 46 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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