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Einblicke in den Berufsalltag im LEB Weniger sichtbar, aber unverzichtbar – Professionen neben der Pädagogik

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Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung ist der kommunale Jugendhilfeträger in Hamburg. Seine aktuell 576 pädagogischen Fachkräfte gestalten das zentrale Geschäftsfeld des Betriebs: die Angebote für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Damit das reibungslos vor sich gehen kann, arbeitet eine Vielzahl von Professionen quasi im Hintergrund – wer sind diese „unsichtbaren Helferlein“ und was sind ihre Aufgaben? Die LEB-ZEIT hat sich einmal in der Küche und beim Begleitdienst des Kinder- und Jugendnotdienstes umgehört. 

KJND, Kinder- und Jugendnotdienst, Hamburg, LEB

Einblicke in die Küche und den Begleitdienst des Kinder- und Jugendnotdienstes (KJND)


Bereits um 9 Uhr früh riecht es appetitanregend in der Küche des Kinder- und Jugendnotdienstes (KJND). Das Team ist seit drei Stunden mit Vorbereitungen für den Tag beschäftigt. Heute auf dem Speiseplan: Afghanisches Kartoffelgulasch und Putenschnitzel. „Das Gericht stammt aus einem der afghanischen Kochkurse, die wir absolviert haben“, erklärt Küchenchef Jürgen Hauschildt. Gaumengewohnheiten aus anderen Ländern spielen in einem Notdienst, in dem junge Menschen aus vieler Herren Länder in Obhut genommen werden, eine große Rolle. 

„Die Küche ist das Herzstück des KJND, denn Essen vermittelt auch ein Stück Geborgenheit,“ weiß Jürgen Hauschildt. „Manche bekommen bei uns auch zum ersten Mal in ihrem Leben ein Mittagessen.“ Typische Lieblingsgerichte sind Spaghetti Bolognese, Lasagne und Hamburger, Currywurst und Pommes. „Sowas gibt es bei uns gern freitags.“ In der afghanischen Küche spielen kräftige Gewürze eine Rolle und „alles, was rot ist – wie Tomaten.“ 

Gekocht werde täglich frisch, betont er. Und: „Wenn die Jungs etwas nicht kennen und es deswegen ablehnen, ermuntern wir sie, es einfach mal zu probieren“, betont Jürgen Hauschildt. Das Resultat: „Inzwischen freuen sich auch die ausländischen Jungs auf Gerichte mit Kartoffeln oder Fisch.“ Und woran merkt man, dass es geschmeckt hat? „Dann nehmen sie gern einen Nachschlag und bedanken sich, indem sie den Daumen heben.“  

Unterschiede zwischen Nationalitäten zeigen sich nicht nur bei Vorlieben für Speisen: „Einige Hamburger Jugendliche haben keine Lust, in der Kantine zu essen oder sind noch in der Schule“, schildert Jürgen Hauschildt. Für sie gibt es Brot oder die Betreuer nehmen das Essen mit in die Gruppenräume und erwärmen es später für sie. Die Flüchtlingsjugendlichen hingegen kommen gern als Gruppe zum Essen in die Kantine. Ihre Tischgewohnheiten unterscheiden sich von den deutschen: „Sie essen ohne Messer, verzehren den Pudding mit der Gabel oder ihr Schnitzel mit dem Löffel“, schmunzelt der Küchenchef. „Wir akzeptieren das.“ Wert werde hingegen darauf gelegt, dass die Jungen höflich bitten, wenn sie etwas haben möchten. 

Zu Hochzeiten des Flüchtlingszuzugs wurden in der Küche des KJND 255 Personen verköstigt – das war auch eine logistische Herausforderung, denn die Kantine verfügt über gut 50 Sitzplätze. „Wir haben in unserem Zeitfenster von eineinhalb Stunden für die Kantinenöffnungszeiten Gruppen eingeteilt.“ Damals war das Küchenteam noch um zwei Kräfte stärker; heute hat das fünfköpfige Team etwa 65 Personen zu bekochen. Gearbeitet wird sieben Tage in der Woche. 

In den Vorratsräumen stehen rund ein Dutzend Kühlschränke und Gefriertruhen, denn Gemüse muss bei geringerer Temperatur gekühlt werden als Fleisch. So gibt es einen Kühlschrank, in dem ausschließlich Bananen gelagert werden. „Die werden dunkel, wenn sie zu kalt aufbewahrt werden.“ Dazu kommen zahlreiche Regale mit Gewürzen, Kartoffeln, Zwiebeln, Reis, Nudeln, aber auch Getränken, Süßigkeiten und Knabberkram. Portionierte Proben von allen täglich verarbeiteten Lebensmitteln werden eingefroren und nach Hygiene-Richtlinie aufbewahrt für den Fall, dass das Essen einmal jemandem nicht bekommen sollte. Dies sei bisher aber nicht vorgekommen, versichert der Küchenchef. 

Begleitdienst des KJND 

Zu Ämtern, Ärzten, zum Allgemeinen Sozialen Dienst – täglich chauffieren die drei Fahrer vom Begleitdienst Betreute im Auftrag des KJND. Zuweilen legen sie große Strecken zurück: „Meine weiteste Fahrt führte mich bis an die tschechische Grenze“, erinnert sich Ahmet Oguz. „Bei den Fahrten an Ziele außerhalb von Hamburg handelt es sich zumeist um junge Flüchtlinge, die im Rahmen der bundesweiten Verteilung an anderen Orten untergebracht werden sollen“, erklärt Karim Bidou. „Manchmal sind es auch sogenannte Rückkehrer oder Ausreißer aus anderen Städten.“ 
Ein Automobil ist auch eine Art Mikrokosmos, da kommt man leicht ins Plaudern. Dabei ist es hilfreich, dass Karim Bidou unter anderem arabisch und französisch beherrscht. „Was uns ein Jugendlicher erzählt, ist Vertrauenssache. Wenn es um etwas Gravierendes geht, müssen wir natürlich handeln.“ 

Ihre Aufträge lesen die Fahrer aus ihrem Computerprogramm ab, aber wie so oft im Leben kommt es immer mal wieder anders als gedacht. „Wir werden manchmal gebucht, aber im Laufe des Tages ergeben sich andere Prioritäten, dann müssen wir flexibel sein.“ Und manchmal wirft auch einfach der Hamburger Straßenverkehr die Planung über den Haufen. 

„Wichtig bei unserer Arbeit ist, dass wir Ruhe ausstrahlen“, betont Karim Bidou. Wenn ein Jugendlicher aggressiv wird, weil er zum Beispiel im Auto nicht rauchen darf, müsse man sich auch durchzusetzen wissen. „Wir sind aber alle in Deeskalationstechniken geschult.“ Sofern schwierige oder aggressive Jugendliche an Bord sind, seien jedoch eine pädagogische Fachkraft und eine Sicherheitskraft mit dabei.                                          bo


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 47 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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