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Einblicke in den Berufsalltag im LEB Typisch Mann – typisch Frau? Rollenbilder hinterfragen und Sinn in der Arbeit finden

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Es gibt sie immer noch, die typischen Frauenberufe und die typischen Männerberufe. Allerdings gibt es auch gute Gründe, sich bei der Berufswahl nicht von Stereotypen und Vorurteilen leiten zu lassen. Denn der einmal gewählte Beruf ist etwas, womit man sich in der Regel für lange Zeit beschäftigt. Besser, man wählt weise. So wie Michael Jagorska es gemacht hat: Nachdem er ein paar Jahre im Logistikbereich tätig war, hat er eine Umschulung zum Erzieher absolviert. Zwei Jahre hat er in der Flüchtlingseinrichtung Stargarder Straße des Landesbetriebes Erziehung und Beratung (LEB) gearbeitet. Heute ist die Babygruppe im Kinderschutzhaus Lerchenfeld sein Einsatzort. Sein Fazit: „Das ist eine schöne Arbeit, in der man sich immer weiter entwickelt.“ Und: „Es ist gut, Kindern auch andere Männerbilder zu zeigen.“ 

Erzieher Rollenbilder Kinderschutzhaus LEB Hamburg

Erzieher im Kinderschutzhaus


„Ich wollte eine sinnvolle Arbeit machen“, sagt Michael Jagorska. „Und ich wollte mit Menschen arbeiten.“ So kam es, dass er sich im Alter von 39 Jahren für eine Umschulung zum Erzieher entschied – auch ermutigt von der Hamburger Kampagne „Vielfalt Mann“, die vor einigen Jahren alternative Berufe für Männer ins Blickfeld rückte. 

Auch in seinem Freundeskreis gab es damals Verwunderung über seine Berufswahl, die nicht gerade typisch ist. „Nur rund zehn Prozent der Beschäftigten im Erzieherberuf in Hamburg sind Männer“, weiß Michael Jagorska. Aber: „Ich war in meiner Haltung gefestigt, denn nach Praktika in einer Kita und einer Grundschule war ich mir sicher, dass das für mich das Richtige ist.“ Heute werden seine Fachkenntnisse und seine Beratungskompetenz längst auch im privaten Rahmen gern nachgefragt. 
„Der Erzieherberuf hat ein sehr breites Spektrum“, erklärt der 44-Jährige. „Da gibt es immer wieder neue Herausforderungen.“ Seinen beruflichen Einstieg beim Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) hatte er in der damaligen Erstversorgungseinrichtung Stargarder Straße. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet er in der Babygruppe im Kinderhaus Lerchenfeld des LEB. „Hier ist man immer im Prozess und entwickelt sich weiter.“ 

Die Eltern akzeptieren ihn. „Manchem Vater hilft es vielleicht sogar, das eigene Rollenverständnis zu hinterfragen“, schmunzelt Michael Jagorska. Er erinnert ein Erlebnis beim Spazierengehen: Eine fremde Frau sprach ihn an und bat: „Könnten Sie meinem Mann mal sagen, dass es auch seine Aufgabe ist, den Kinderwagen zu schieben?“ Übrigens ist in allen Gruppen im Kinderschutzhaus Lerchenfeld jeweils ein männlicher Erzieher beschäftigt. 

„Es ist schön, die Entwicklungsschritte der Kinder zu sehen“, findet Michael Jagorska. „Emotionen bekommt man eins zu eins zurück – zum Beispiel ein Lächeln, wenn man den Raum betritt.“ Die Arbeit im Kinderschutzhaus ist geprägt von den Bedürfnissen der Kinder: Sie müssen rundum versorgt werden – gewaschen, gewickelt, gefüttert. Sie brauchen Wärme, Nähe, Beschäftigung, Schlaf – es gilt, aus ihrem Verhalten herauszulesen, was sie brauchen. Dabei ist jedes Kind anders und hat seine eigene Persönlichkeit. 

„Ein Baby auf dem Arm zu haben, macht Freude, ist aber auch Arbeit“, betont Michael Jagorska. Vor dem Hintergrund der Schicksale der Kinder sei es darüber hinaus wichtig, Arbeit und Privates abzugrenzen. Ruhephasen seien notwendig, gerade auch in Situationen, in denen es Personalengpässe gibt. 

Seine eigenen Kinder sind inzwischen 21, neun und sechs Jahre sowie zwei Monate alt. „Heute bin ich meinen Kindern gegenüber entspannter“, stellt Michael Jagorska fest. „Meine Kenntnisse und mein Verhaltensrepertoire sind größer geworden durch die Ausbildung und durch die tägliche Erfahrung in meinem Beruf als Erzieher.“ Sein ältester Sohn hat die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten absolviert und arbeitet bereits in dem Beruf. 

„Unsere Aufgabe ist es, die Babys liebevoll auf eine neue Phase in ihrem Leben vorzubereiten. Unsere Professionalität besteht vor allem darin, sie in ihrer sozialen, kognitiven und psychischen Entwicklung zu begleiten.“                                           bo


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 48 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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