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Einblicke in den Berufsalltag im LEB Sich behutsam der Führungsrolle nähern

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Einen sanften Einstieg in Führungsverantwortung bietet die Position „Koordination mit Leitungsanteilen“. Zu den wesentlichen Aufgaben gehören unterstützende Tätigkeiten für die Leitung wie die Organisation der Zusammenarbeit im Team und die Sicherstellung des Informationsflusses für den betrieblichen Alltag. Die enge Begleitung durch die eigene Leitung eröffnet die Chance, in einem geschützten Rahmen Führung zu üben und sich persönlich weiterzuentwickeln. Ein reizvolles Konstrukt, findet Janina Bettencourt. 

Leitungsverantwortung Führungsrolle Landesbetrieb Erziehung und Beratung Hamburg


Koordination mit Leitungsanteilen


Interview mit Janina Bettencourt aus der Jugendwohngemeinschaft Bötelkamp 

„Das Wichtigste, was man als Leitungskraft mitbringen muss, ist Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft, sich kritisch zu reflektieren“, betont Janina Bettencourt. Seit einem knappen Jahr ist sie Koordinatorin mit Leitungsanteilen in der Jugendwohngemeinschaft für psychisch belastete junge Menschen im Bötelkamp. Zuvor war sie als Betreuerin tätig, zunächst in der Erstversorgung, später in der Betreuten Einrichtung für Flüchtlinge im Bötelkamp, dann in der Folgeeinrichtung als Jugendwohngemeinschaft mit spezieller Zielgruppe. „Die Position der Koordination mit Leitungsanteilen ist für mich Chance und Herausforderung zugleich – ich kann Führung üben und habe den Raum, mich in die Rolle einzufinden.“ 

Zu ihren Aufgaben gehört es, die Bereichsleitung zu unterstützen, indem sie die Zusammenarbeit im Team organisiert und den Informationsfluss über alle relevanten Themen für den betrieblichen Alltag sicherstellt. Zudem kümmert sie sich um das Aufnahmemanagement und führt die Kennenlerngespräche.

„Ich bin aus dem Team heraus Leitung geworden, was eine besondere Herausforderung darstellt“, erklärt Janina Bettencourt. Mit diesem Seitenwechsel von der Rolle der Mitarbeiterin hin zur Leitung habe sich auch der Fokus und die Erwartung an sich selbst verändert: „Ich trage jetzt Verantwortung und frage mich eher: Wie unterstütze ich das Team?“ Dabei wertet sie es als Vorteil, dass sie das Team gut kannte und schon Vertrauen zu ihm hatte. „Den Rollenwechsel haben wir offen miteinander kommuniziert; ich habe auch deutlich gemacht, dass ich da hineinwachsen muss und um Feedback gebeten.“

Mit der neuen Aufgabe habe sich auch ihre räumliche Situation verändert. „Mein Arbeitsplatz grenzt sich jetzt vom Betreuungsalltag ab, auch das macht die andere Rolle sichtbar.“ Reizvoll sei es, den Blick aufs Ganze zu haben, aber auch die Mischung aus Verantwortung und Einbindung in pädagogisches Handeln im Rahmen von Unterstützung in bestimmten Einzelfällen begeistert sie. 

„Das Spektrum ist hier in der Jugendwohngemeinschaft Bötelkamp sehr breit: Wir haben verschiedene Berufsgruppen, verschiedene Nationalitäten beim Team und bei den Betreuten und wir haben eine breite Palette von Störungsbildern bei den Jugendlichen“, beschreibt Janina Bettencourt. Dies impliziere verschiedene Kulturen, Sozialisationen, Meinungen, Persönlichkeiten. „Und ich habe die Verantwortung, dass es in diesem Haus so gut wie möglich funktioniert.“ 

Dabei liege gerade in der Konzeption der Einrichtung eine besondere Herausforderung: „Oftmals kommt es bei unserer Zielgruppe, den psychisch belasteten jungen Menschen, zur Übertragung.“ Eine Dynamik, die sich auch auf das Team übertragen könne und umgekehrt. Janina Bettencourt: „Dann ist der Blick von außen hilfreich, um eine Teamspaltung aufzudecken. Wir kooperieren eng mit dem Uniklinikum Eppendorf (UKE), das einen großen Erfahrungsschatz mit psychischen Erkrankungen einbringt.“ 

Zum Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) ist Janina Bettencourt vor ein paar Jahren eher zufällig gekommen: „Ich habe Lehramt studiert und war dann als Honorarkraft für Deutschunterricht in der Erstversorgung Eiffestraße tätig.“ Dabei habe sie schnell gemerkt, dass sie sich mehr für pädagogische Prozesse interessiert als für die Vermittlung von Lerninhalten. Als sich die Chance bot, als Betreuerin in die damalige Erstversorgung Bötelkamp einzusteigen, griff sie zu. Auch die spätere konzeptionelle Entwicklung zur Betreuten Einrichtung für Flüchtlinge bis hin zur Jugendwohngemeinschaft, erst mit sechs, dann mit zwölf Plätzen für psychisch belastete junge Menschen, hat sie mit vollzogen. 

Als ihre Vorgesetzten ihr vorschlugen, sich für die Leitungsposition zu bewerben, habe dies einen Prozess angestoßen: „Ich habe mich gefragt, ob ich mir das zutraue“, gibt Janina Bettencourt zu. Ihre Vorgesetzen trauten es ihr jedenfalls zu. Letztlich galt es aber auch noch, die formalen Voraussetzungen zu erfüllen. Für die Gleichstellung absolvierte sie zertifizierte Einzelmodule im Rahmen des berufsbegleitenden Masterstudiums „Soziale Arbeit“. 

Die Unterstützung durch Vorgesetzte, der tägliche Austausch mit ihrer Bereichsleitung und die engen Absprachen sowie die Einbindung in die Leitungskonferenzen ihrer Abteilung helfen ihr, in die Rolle hineinzuwachsen. Eine weitere Quelle für ihre Orientierung liefern die Führungsleitlinien des LEB: „Ich identifiziere mich mit diesen hilfreichen Grundsätzen, die die Erwartung an alle Beschäftigten beschreiben“, sagt Janina Bettencourt. Denn diese sollen ihre Motivation und ihre Fachkompetenz einbringen. „Als Leitung ist es meine Aufgabe, die Rahmenbedingungen dafür zu gestalten“. Dabei habe die Leitungskraft auch eine besondere Vorbildfunktion: „Auch ich als Leitung muss motiviert und authentisch sein, denn die Beschäftigten orientieren sich an der Leitung.“ 

Ihr Fazit: „Diese Aufgabe passt zu meiner Persönlichkeit. Ich bin im Prozess und werde immer weiter in die Rolle hineinwachsen und mich weiterentwickeln. Ich habe definitiv auch noch Lust auf mehr!“                                                                                                                       bo

Info-Kasten: KOORDINATION MIT LEITUNGSTANTEILEN 

Die Position der Koordination mit Leitungsanteilen gibt es im LEB in Kinderschutzgruppen, Kinderschutzhäusern und in der Jugendwohngemeinschaft Bötelkamp. Zu den Aufgaben gehört es, die Verbund- oder Einrichtungsleitungen – abhängig von der Größe bzw. Leitungsspanne – zu entlasten, insbesondere wenn sie nicht vor Ort arbeiten. 

Die Koordination mit Leitungsanteilen stellt das Bindeglied zwischen Teams und Leitungen dar. Sie regelt den Dienstbetrieb vor Ort, stellt den Informationsfluss in beide Richtungen sicher. Neben den anteiligen Leitungsaufgaben ist sie mit Leitungsanteilen auch für Aufgaben im Rahmen der Betreuung sowie der Planung und Evaluation des Hilfeprozesses zuständig – zum Beispiel der Organisation und Durchführung der Aufnahme und Entlassung von Betreuten, der Vorbereitung von Hilfeplangesprächen, der regelmäßigen Überprüfung des Status und Abgleich mit den Hilfezielen gemäß Hilfeplan, der Koordination der Elternarbeit, dem Führen von Elterngesprächen, dem Herstellen und Pflegen von Kooperationsbeziehungen im Sozialraum.


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 53 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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