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Einblicke in den Berufsalltag im LEB „Auch mal die eigene Denkzone verlassen, denn Betreute denken manchmal anders“

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In der Einzelbetreuung im KJND werden Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, die nicht gruppenfähig sind. Ziel ist es, sie zu stabilisieren und einen geeigneten dauerhaften Lebensort für sie zu finden. Nach Möglichkeit sollen sie auch wieder lernen, in Gruppen zurechtzukommen.

Kinder- und Jugendnotdienst KJND Einzelbetreuung LEB

Einzelbetreuung im Kinder- und Jugendnotdienst (KJND)


Oft liegen Jahre der Überforderung hinter den Familien, wenn ihre Kinder irgendwann in der Einzelbetreuung des Kinder- und Jugendnotdienstes (KJND) in Obhut genommen werden. Das Verhalten, das die Minderjährigen zeigen, hat manchmal das gesamte bisher beteiligte Hilfesystem ratlos zurückgelassen. „Multifaktorielle Belastungsstörung“ oder „herausforderndes Verhalten“ sind vornehme Formulierungen; dahinter stehen manchmal emotionale Ausbrüche, die sich gegen andere oder auch gegen die eigene Person richten können. 

„Die Spannung muss manchmal einfach raus“, bringt Sabrina Meyer, Leiterin der Einzelbetreuung im KJND, einen komplexen Sachverhalt auf einen einfachen Nenner. Dabei verliefen die Impulsdurchbrüche nicht immer bewusst: „Manchmal ist das Kind hinterher wieder ruhig und sogar verwundert, wenn man erzählt, was gerade passiert ist.“ 

Zielgruppe der Einzelbetreuung sind Minderjährige, die aktuell nur eingeschränkt oder auch gar nicht gruppenfähig sind. Oftmals zeigen sie ausgeprägte Störungsbilder, haben geistige oder körperliche Einschränkungen, weisen mehrfache Belastungen auf und verhalten sich ausgeprägt eigen- und fremdgefährdend. 
Ziel ist es, die Minderjährigen zu stabilisieren und sie wieder zu befähigen, an einem Gruppenleben teilzunehmen; denn sie sollen nicht dauerhaft isoliert leben. „Wir betrachten Ursachen und Verläufe, um Bedarfe und Ressourcen zu entdecken und Potentiale zu erkennen“, beschreibt Sabrina Meyer. „Wir betreiben quasi Detektivarbeit.“ 

Dabei zeige sich, dass „man auch mal die eigene Denkzone verlassen muss, denn Betreute denken manchmal einfach anders“. Beispielhaft führt sie an, dass einem Kind in der Akte eine eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit in Sätzen von nur einem Wort zugeschrieben wurde. Jedoch fand ihr Team aus der Einzelbetreuung heraus, dass das Kind mit eigenen Mitteln – wie Bildern und Gesten – durchaus komplex mit seiner Umwelt kommuniziert. 

Solche Erkenntnisse sind schöne Erfolge der pädagogischen Arbeit. Aber es gibt auch schwierige Momente, wie die Impulsdurchbrüche, die sich auch als Angriffe gegen Betreuerinnen und Betreuer äußern können. „Dann muss sich die Fachkraft kurz aus der Situation lösen, das Geschehene reflektieren und dann weitermachen“, erklärt Sabrina Meyer. Darum brauchen Menschen, die diese anspruchsvolle Tätigkeit ausüben wollen, „eine hohe Reflexionsfähigkeit und sie müssen die Betreuten jeden Tag aufs Neue wieder wertfrei annehmen können.“ Dabei steht ihnen die Leitungskraft zur Seite. „Gemeinsam reflektieren wir, was der Auslöser für einen Impulsdurchbruch war, und versuchen die Struktur dahinter zu erkennen, um weitere Ausbrüche zu minimieren.“ 

In ihrer Funktion als Leiterin der Einzelbetreuung obliegt Sabrina Meyer die fachliche Führung und Beratung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, etwa in Einzelgesprächen und Fallbesprechungen. Darüber hinaus berät sie das Hilfesystem der Betreuten, das das Jugendamt, Kooperationspartner, Vormünder, Eltern, freie Träger, Kinder- und Jugendpsychiatrie oder auch die Eingliederungshilfe umfasst. „Für mich ist die Arbeit eine schöne Mischung aus kollegialer Beratung im Team und fachlichem Anteil – mein Traumjob.“ 

Diese Form der Einzelbetreuung ist auch deutschlandweit ein besonderes Angebot. Es gibt also auch kaum Vorbilder, von denen man lernen könnte. Daher setzt Sabrina Meyer auf das Selbststudium und auf ihr multiprofessionell aufgestelltes Team. „So können alle gegenseitig an ihren Kenntnissen partizipieren.“ Und letztlich könne auch Kooperation und Beratung von außen eingekauft werden. Aktuell entwickelt sie ein Einarbeitungskonzept mit Modulen aus der klassischen Sozialpädagogik, der Eingliederungshilfe und dem psychiatrischen Bereich, das künftig alle Teammitglieder durchlaufen sollen. 
Die Einzelbetreuung im KJND verfügt über zwei Plätze für die Inobhutnahme von minderjährigen Mädchen und Jungen aus Hamburg. „Wir nehmen alle, ganz egal, wie hoch der pflegerische Aufwand ist. Bei uns zählt nur die Kindeswohlgefährdung“, betont Sabrina Meyer.                bo


Hinweis: Gern senden wir Ihnen die Ausgabe 55 unserer Zeitung LEB-ZEIT in Papierform oder als PDF-Datei zu. 
Kontakt: Landesbetrieb Erziehung und Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Bettina Bormann, Telefon: (040) 428 15 30 03.

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