Wir über uns Pädagogische Grundausrichtung für die Sozialarbeit in der Jugendhilfe im LEB

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Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung bezieht sich auf den systemischen Ansatz als Bezugsrahmen für das Denken und Handeln in der sozialen Arbeit. Diesem Ansatz entsprechend wird der Mensch als ein System verstanden, das im Rahmen seiner Möglichkeiten in seinem Denken und Handeln entwicklungsfähig ist und in Beziehung zu anderen Systemen seiner Umwelt steht: Er ist eingebunden in eine Gesellschaft mit sozialen Systemen - wie der Familie und anderen sozialen Gruppen - sowie Institutionen auf unterschiedlichen Ebenen und wird in seiner Entwicklung durch diese Systeme beeinflusst. Die soziale und materielle Umwelt als Ort des alltäglichen Handelns eines Individuums wird als dessen Lebenswelt verstanden.

Pädagogische Grundausrichtung für die Sozialarbeit in der Jugendhilfe im LEB

1- Systemischer Ansatz als Grundausrichtung

Menschen werden im systemischen Ansatz als Träger von Bedürfnissen verstanden, ihr Handeln wesentlich als bedürfnisbefriedigendes Verhalten gesehen. Die Bedürfnisse erscheinen allen Menschen gemeinsam, nicht jedoch ihre Gewichtigkeit und Befriedigungsweisen. Aus Sicht der sozialen Arbeit haben die sozialen Systeme die Aufgabe, die Befriedigung individueller Bedürfnisse zu ermöglichen. Befriedigungsmöglichkeiten und -weisen stoßen dabei jedoch an Grenzen, die die legitimen Ansprüche anderer Menschen setzen, aber auch Institutionen, die allen nutzen - wie bspw. Justiz oder Polizei. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich soziale Probleme, zu deren Lösung die Sozialarbeit einen Beitrag leisten soll.

Im Fokus stehen alle Bedürfnisse des Menschen, angefangen bei den existenziellen, sensorischen und materiellen Grundbedürfnissen nach Nahrung, Wohnen und körperlicher Unversehrtheit, über das Bedürfnis nach sexueller Aktivität, emotionaler Zuwendung, kognitiver Stimulation bis hin zu psychosozialen Bedürfnissen wie Orientierung in der Lebenswelt, Sinnstiftung und Gerechtigkeit, soziale Zugehörigkeit und Anerkennung sowie Identität und Autonomie.

Menschen werden als Mitglieder sozialer Systeme von Geburt an verstanden. Die soziale Entwicklung der Menschen ist daher davon geprägt, in diesen Systemen Funktionen zu übernehmen und in den mit den Funktionen verbundenen Rollen zu handeln. Sie müssen lernen, ihre Bedürfnisse in diesem Rahmen ohne soziale Konflikte zu befriedigen, Wege selbst zu finden und ggf. auf die Lebensumwelt Einfluss zu nehmen. Sie selbst entwickeln sich in Auseinandersetzung mit den sie umgebenden Systemen, insbesondere der Familie.

Aufgabe der dem systemischen Denken verpflichteten Sozialarbeit ist es, Menschen ggf. hierbei zu unterstützen - insbesondere durch Stärkung, Gewinnung oder Wiedergewinnung ihrer Selbststeuerungs- und Handlungskompetenz in ihrer Lebenswelt. Dieses geschieht über Aufklärung bzw. Bewusstseinsbildung mit dem Ziel, die eigene Situation und ihre Lebensumwelt zu verstehen, sowie sozial adäquate Handlungsformen zur Erreichung selbst gesteckter Ziele zu erlernen.

Grundsatz der systemisch orientierten Sozialarbeit sind die Ressourcenorientierung, die von vorhandenen, aber ggf. verborgenen Bedürfnissen bzw. Wünschen, Zielen und Kompetenzen im Individuum und intakten oder (wieder)herstellbaren sozialen Bezügen ausgeht, und die Lebensweltorientierung, die sowohl bei der Suche nach den Ursachen sozialer Probleme als auch bei der Suche nach Lösungen auf den sozialen Nahbereich des Individuums schaut.

Diesem systemischen Grundverständnis entspricht eine ethische Grundauffassung, die von der Achtung des Individuums und dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe geprägt ist. Sozialarbeit erfordert Empathie gegenüber den Bedürftigen und ein auf methodischen Grundsätzen beruhendes Verstehen der sozialen Situation sowie des Unterstützens und Schützens der Klienten.

Für den Landesbetrieb Erziehung und Beratung ist die freiheitlich demokratische Grundordnung mit dem Bekenntnis zu den Menschenrechten, der Rechtsstaatlichkeit, dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit und Schutz der Bedürftigen und einer auf Mitwirkung jedes Einzelnen ausgerichteten Gesellschaftsordnung Leitbild und Handlungsauftrag.

2- Methodeneinsatz und konzeptorientierte Arbeitsweise

Für die Sozialarbeit im LEB sind Methoden Handlungskonzepte zum beruflichen Umgang mit sozialen Problemen. Sie sollen einen planbaren, nachvollziehbaren und damit gezielt beeinflussbaren Hilfeprozess unterstützen. Die Wahl der Methoden soll die soziale Problemlage, die Bedürfnisse der Hilfesuchenden und die Rahmenbedingungen der sozialen Arbeit berücksichtigen.

Für den LEB ist der planvolle Einsatz von Methoden ein wesentlicher professioneller Anspruch. Der Einsatz von Methoden erfolgt prozessorientiert, indem einer Erhebung zur Situation (Anamnese), eine Formulierung des Problems (Diagnose) folgt, auf deren Basis das sozialarbeiterische Handeln konzipiert (Hilfeplanung) und durchgeführt (Intervention) wird. Die Adressatenorientierung im Sinne der pädagogischen Grundorientierung (s.o.) setzt voraus, dass die Klienten mit ihrer Sichtweise und Motivation zur Mitwirkung in allen Schritten einbezogen werden. Zur Prozessorientierung gehört auch die Evaluation, die Aussagen zum Erfolg der Intervention treffen soll. Sie steht nicht notwendigerweise am Ende des Hilfeprozesses, sondern wird bereits prozessbegleitend eingesetzt, um die Gültigkeit der Erkenntnisse aus Anamnese und Diagnose sowie die Angemessenheit des Handlungskonzeptes fortwährend zu überprüfen und ggf. zu modifizieren.

Der Ansatz der systemischen Sozialarbeit bedingt, dass sich die Wahl von Methoden an den diagnostizierten Problemen orientiert und daher Problemanalyse und Intervention sowohl auf den Klienten und seine Psyche bezogen sein können (Individuum als System) als auch auf seine soziale Umwelt bzw. Lebenswelt; sie gehen so weit in die Tiefe und Breite, wie das Problemverständnis und die Lösung es erfordern. Methoden werden daher vor dem Hintergrund ihrer Unterstützung für das Ziel und der Verträglichkeit mit den pädagogischen Grundsätzen auch aus anderen pädagogischen Denkrichtungen entlehnt. Hierzu gehören zum Beispiel verhaltenstherapeutische Methoden oder psychoanalytische Erklärungsmuster.

Pädagogisches Handeln im LEB hat den Anspruch eines professionellen Methodeneinsatzes. Neben der Prozessorientierung ist daher die Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns (durch Supervision, kollegiale Beratung) sowie der institutionellen Rahmenbedingungen (Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Kooperation und Vernetzung der Träger und Angebote) selbstverständlich. Die Dokumentation der Problemanalyse, der Hilfeplanung einschließlich der Hilfeziele und des Verlaufs des Hilfeprozesses dient einerseits als Nachweis für das Handeln, andererseits ist sie unabdingbar für eine Evaluation und selbstkritische Reflexion.

Der LEB fühlt sich der Sozialraumorientierung und damit auch Ansätzen der Gemeinwesenarbeit verpflichtet, da diese die räumliche und soziale Umwelt von Menschen in deren Interesse zu verbessern versucht. Als Träger der Jugendhilfe wirkt der LEB an der örtlichen Jugendhilfeplanung und Fortentwicklung der Angebotsstruktur mit. Seine Einrichtungen und Dienste bringen sich als Teil einer sozialen Infrastruktur kooperativ mit anderen Institutionen in das Gemeinwesen ein und sind selbst ein Teil der Lebenswelt der jungen Menschen, für die sie der Lebensort sind. In diesen Rollen gestalten sie die Stadtteilentwicklung mit.

Der Einsatz von Methoden erfolgt innerhalb eines Arbeitsrahmens, der jeweils als Angebotskonzept formuliert wird und folgende Aspekte in einen fachlichen Zusammenhang stellt:

  • Soziale Problemlage, zu dessen Lösung das Angebot beitragen soll, und die betroffene Zielgruppe. Dabei wird auf Basis der für den LEB geltenden, pädagogischen Grundausrichtung eine Analyse einer verallgemeinerten, für eine Zielgruppe bedeutsamen Problemlage als Ausgangspunkt formuliert und das Angebot damit hinsichtlich seiner Sinnhaftigkeit begründet.
  • Art der beabsichtigten Intervention mit Erläuterung ihrer Zielrichtung und ihres Zwecks.
  • Einzusetzende Methoden und Instrumente.
  • Der organisatorische Rahmen mit Angabe des eingesetzten Personals hinsichtlich Qualifikation und Menge, die räumlichen Bedingungen des Rahmens für die Gestaltung des pädagogischen Alltags.
  • Art und Inhalt der Kooperation mit anderen Institutionen bzw. Trägern und die sozialräumliche Einbindung, soweit für das Angebot relevant.
  • Die Art und Weise der Evaluation der Arbeit.

Die Angebotskonzepte im LEB greifen auf das in der Sozialarbeit etablierte Set von Basismethoden zurück:

  • Soziale Gruppenarbeit (Lernen in und mit der Gruppe)
  • Familienarbeit
  • Konfliktmoderation / Mediation
  • Case-Management (Vermittlung von Hilfen)
  • Soziale Beziehungsarbeit (Unterstützung bei der Konstituierung von Gruppen, „empowerment“)
  • Beratung
  • Betreuung

Diese werden konzeptionell im Hinblick auf die Zielgruppen, Problemlagen und Rahmenbedingungen verknüpft bzw. kombiniert und modifiziert und stellen dann die für einzelne Einrichtungen und Dienste charakteristischen Angebotskonzepte des Landesbetriebs Erziehung und Beratung dar.

November 2004

 

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