Branche
Blohm+Voss ist eine deutsche Schiffswerft. Sie wurde 1877 gegründet und gilt als letzte der Großwerften im Hamburger Hafen.
Sitz, Umsatz, Anzahl Beschäftigte
Sitz: Hermann-Blohm-Straße 3, 20457 Hamburg-Steinwerder
Umsatz: keine Angaben
Anzahl Beschäftigte: rund 450 Mitarbeiter am Standort Hamburg (2025)
Übernahme durch Rheinmetall
Nach Jahren unter wechselnden Eignern (ThyssenKrupp, Star Capital) übernahm 2016 die Lürssen-Gruppe (NVL) die Werft.
Im März 2026 übernahm der Rüstungskonzern Rheinmetall Blohm + Voss. Seitdem gehört die Werft zur Rüstungssparte von Rheinmetall.
Portfolio
Die Traditionswerft Blohm+Voss erbringt als Komplettwerft Ingenieur- und Schiffbauleistungen. Der Fokus liegt auf dem Bau von Marineschiffen (wie Korvetten) und unbemannter Überwasserdrohnen (wie dem Typ Kraken). Die Werft fertigt zudem exklusive Mega-Yachten.
Hinzu kommen umfassende Schiffsreparaturen, Wartungen und Umbauten (unter anderem im Trockendock Elbe 17).
Vielfalt
Nach Angaben des Unternehmens werden in Zeiten eines beschleunigten technologischen und wirtschaftlichen Wandels Chancengleichheit und Vielfalt für unverzichtbar gehalten. Daher würden alle Menschen geschätzt, unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Identität, gesundheitlichen Voraussetzungen, ethnischer oder sozialer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Kultur oder Weltanschauung. In der Vielfalt seiner Mitarbeiter sieht das Unternehmen einen strategischen Erfolgsfaktor.
Nachhaltigkeit
Blohm+Voss (Rheinmetall) unterstützt mit Produkten und Technologien die Streitkräfte der NATO-Staaten und ihrer Partner. Nachhaltigkeit bedeutet für das Unternehmen, seine Rolle in der Gesellschaft verantwortungsbewusst wahrzunehmen und sich zukunftsfähig aufzustellen. Dazu wird in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert, die Resilienz der Lieferkette gestärkt und künftig nötige Anpassungen an den Klimawandel mitgedacht.
Umwelt
Mithilfe des Rheinmetall Energiemanagements will das Unternehmen seinen CO2-Ausstoß kontinuierlich senken. Die Anforderungen der ISO 14001-Norm werden auch auf kleinere Standorte ausgeweitet. Bodenverschmutzungen sollen durch präventive Maßnahmen verhindert werden. In der Lieferkette sorgt der Supplier Code of Conduct dafür, dass Partner sich an vergleichbare Standards halten.
Lieferanten
Nachhaltigkeit bildet das Fundament langfristiger Geschäftsbeziehungen. Die Achtung der geltenden Gesetze und Regeln im Sinne nachhaltiger Werte sind ein zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur und eine verbindliche Basis der Zusammenarbeit mit Lieferanten.
Jobs & Ausbildung
Ausbildung
Blohm + Voss bietet eine Ausbildung für folgende Berufe an:
- Anlagenmechaniker (m/w/d)
- Elektroniker für Betriebstechnik (m/w/d)
- Fachinformatiker (m/w/d)
- Industriekaufmann (m/w/d)
- Industriemechaniker (m/w/d)
- Konstruktionsmechaniker (m/w/d)
- Technischer Produktionsdesigner (m/w/d)
Duale Studiengänge
Blohm + Voss bietet folgende duale Studiengänge:
- Bachelor of Science Betriebswirtschaft (m/w/d)
- Bachelor of Science Elektrotechnik und Informationstechnik (m/w/d)
- Bachelor of Engineering Schiffs- und Anlagentechnik – Schiffsmaschinenbau (m/w/d)
- Bachelor of Engineering Schiffbau und Meerestechnik (m/w/d)
- Bachelor of Engineering Wirtschaftsingenieuwesen (m/w/d)
Praktikum
Blohm+Voss bietet regelmäßig Schülerpraktika in technischen Berufen an. Dazu gehören Praktikumsplätze für Konstruktionsmechaniker, Industriemechaniker, Anlagenmechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik.
Karriere
Rheinmetall sucht für seine Marine-Sparte mehr als 500 neue Mitarbeitende, vor allem für die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss. Gebraucht werden demnach Ingenieure, Mechantroniker, Physiker, aber auch Schweißer und andere Berufsgruppen. (Quelle NDR 24.04.2026)
Grundsätzlich werden bei Blohm+Voss folgende Jobs (m/w/d) häufig ausgeschrieben:
- Schiffbauingenieure: Konstruktion und Berechnung innovativer Marineschiffe.
- Schweißer / Konstruktionsmechaniker / Schlosser: Strukturarbeiten an Schiffsrümpfen und Bauteilen.
- Anlagenmechaniker / Rohrschlosser: Verlegen und Montieren komplexer Rohrleitungssysteme.
- Bootsbauer / Fachkräfte Metall: Arbeiten in der Serienfertigung moderner maritimer Systeme.
- Koordinatoren & Fertigungsplaner: Steuerung und Strukturierung der Produktionsabläufe.
- Lager- und Logistikfachkräfte: Durchführung von Wareneingang/-ausgang, Kommissionierung und Staplerfahrten.
- Projektmanager / Kalkulatoren: Kalkulation für Spezialbereiche wie den Tankbau und Optimierungsprojekte.
- Verwaltung & KaufmännischesProjektmitarbeiter. Verwaltung und Strukturierung von Projektdaten.
- Experten für Konsolidierung / Referenten Bilanzierung: Abwicklung von Steuern und Intercompany-Abstimmungen.
Historie
Gründungsphase
1877: (Gründung): Hermann Blohm und Ernst Voss eröffnen am 5. April die Werft auf Steinwerder.
1879: Mangels Fremdaufträgen baut die Werft den Dreimast-Frachtensegler Flora auf eigene Rechnung. Es wird das erste große Stahlschiff der Werft.
1882: Ernst Voss konstruiert das erste eigene Schwimmdock mit 3.000 Tonnen Hebekraft. Diese technische Innovation sichert der Werft das lukrative Reparaturgeschäft.
1892: Das erste Kriegsschiff, der Kreuzer IV. Klasse SMS Condor, läuft für die Kaiserliche Marine vom Stapel.
Aufstieg zur Weltwerft
1901: Inbetriebnahme des "Dock 3", dem damals weltweit größten Schwimmdock. Kurz darauf folgt der Bau riesiger, prägender Werftkräne (wie dem 150-Tonnen-Derrickkran), die technologische Maßstäbe im schweren Schiffbau setzen.
1911: Einbau der ersten serienreifen Schiffsdieselmotoren. Blohm + Voss treibt den technologischen Wandel weg von der Dampfmaschine voran.
1913: Stapellauf der Vaterland. Es ist damals das größte Passagierschiff der Welt (54.282 BRT)
1927: Der luxuriöse Schnelldampfer Cap Arcona läuft vom Stapel.
(Die Cap Arcona wird am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht (Ostsee) von britischen Kampfflugzeugen bombardiert und versenkt. Die SS hatte das Schiff als schwimmendes Gefängnis genutzt. Bei der Katastrophe sterben rund 7.000 KZ-Häftlinge.)
1929: Die Werft rüstet den HAPAG-Liner Europa mit einem innovativen Heinkel-Schwenk-Katapult aus. Postflugzeuge können so bereits 1.200 km vor der US-Küste starten, was den Postweg um einen Tag verkürzt.
1937: Stapellauf des berühmten KdF-Kreuzfahrtschiffs Wilhelm Gustloff.
(Nach Kriegsbeginn am 1. September 1939 werden alle KdF-Schiffe von der Kriegsmarine als Lazarett-, Wohnschiff und Truppentransporter verwendet und ab Ende Januar 1945 für Verwundeten- und Flüchtlingstransporte über die Ostsee eingesetzt.
Die mit Flüchtlingen und Wehrmachtsangehörigen überfüllte Gustloff wird am 30. Januar 1945 vor der Küste Pommerns vom sowjetischen U-Boot S-13 torpediert und versenkt. Wahrscheinlich waren rund 10.300 Menschen an Bord. Herbeieilende Schiffe können nur 1252 Menschen retten.)
Zweiter Weltkrieg & Rüstungsära
1939: Das Schlachtschiff Bismarck läuft am 14. Februar vom Stapel. Es gilt damals als das größte und kampfstärkste Schlachtschiff der Welt.
(Im Mai 1941 wird die Bismarck zusammen mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen in den Nordatlantik geschickt. Ihr gelingt die Versenkung des britischen Schlachtkreuzers Hood. Drei Tage darauf sinkt die Bismarck selbst, nach einem schweren Gefecht gegen Einheiten der Royal Navy. Ein Großteil ihrer Besatzung stirbt im Nordatlantik.
1939 bis 1945: Technologische Umstellung auf die Sektionsbauweise und Massenproduktion von U-Booten. Bis Kriegsende liefert die Werft insgesamt 238 U-Boote aus (hauptsächlich Typ VII C und den revolutionären Typ XXI).
Demontage & Wiederaufbau
1948: Die britische Besatzungsmacht lässt fast alle Werftanlagen und Docks komplett demontieren oder sprengen.
1955: Nach Aufhebung des Bauverbots fertigt die Werft das Seebäderschiff Wappen von Hamburg – es ist das erste große zivile Schiff nach dem Krieg.
1958: Das legendäre dreimastige Segelschulschiff der Deutschen Marine Gorch Fock läuft in Hamburg vom Stapel.
1967: Blohm + Voss revolutioniert den internationalen Marineschiffbau mit dem MEKO-Konzept (Mehrzweck-Kombination). Schiffe werden modular gebaut: Waffen und Elektronik lassen sich über standardisierte Container-Zellen einfach austauschen oder modernisieren.
2010: Ablieferung der Mega-Yacht Eclipse für den Milliardär Roman Abramowitsch. Mit 162,5 Metern Länge ist sie zu diesem Zeitpunkt die größte private Yacht der Welt.
Konsolidierung
2016: Nach Jahren unter wechselnden Eignern (ThyssenKrupp, Star Capital) übernimmt 2016 die Lürssen-Gruppe (NVL) die Werft.
März 2026: Der Rüstungskonzern Rheinmetall übernimmt Blohm + Voss. Die Werft treibt die digitale Transformation voran und beginnt mit der Produktion von ferngelenkten, hochmodernen Überwasser-Drohnenbooten (Typ Kraken) für die maritime Verteidigung.
Weitere Informationen: Webseite Rheinmetall/Blohm + Voss