(For English version see below)
Wenn Lucas Oettinger forschen geht, hat er eine kurze Anreise. Er muss von der HafenCity Universität Hamburg (HCU) bloß einmal kurz übers Wasser, auf die andere Seite des Baakenhafens. „Da drüben“, sagt er und zeigt rüber auf die Kaimauer, über der ein verlassener Schuppen thront, „da wurden früher mal Handelsschiffe entladen. Von da wurden aber auch die kaiserlichen Truppen nach Deutsch-Südwestafrika verschifft, um dort den Völkermord an den Herero und Nama zu begehen.“
So ist das bei ihm. Er kann den Ort nicht ohne geschichtliche Zusammenhänge denken. Und warum auch, damit hat ja das zu tun, an dem er forscht: an den Pflanzen, die auf und in der Kaimauer wachsen. Und dort etwas mit dem Mauerwerk machen – und umgekehrt. Und die mit genau den Schiffen, die dort vor langer Zeit mal festgemacht haben, an diesen Ort gekommen sind.
Mehr Raum für die schwindende Artenvielfalt
Sie sieht wild aus, die Kaimauer drüben am Baakenhafen, irgendwie – verwahrlost. Und deshalb nennt Lucas Oettinger sein Projekt „Neglected Walls“, „verwahrloste Mauern“. Das klingt zunächst einmal ein bisschen schräg. Aber das, was er da macht, ist erstaunlich vielseitig: Kunst, Natur, kritische Auseinandersetzung mit der Art, wie wir leben und wie wir bauen.
Vor dem Hintergrund der globalen Biodiversitätskrise soll „Neglected Walls“ eine Perspektive aufzeigen, wie es anders, wie es besser geht. Indem Wechselwirkungen zwischen Architektur, Vegetation und Umweltkräften aktiv gefördert und stabilisiert werden, erhält die schwindende Artenvielfalt in der Stadt wieder mehr Raum. Im Gegensatz zu herkömmlicher, wandgebundener Begrünung wird dabei auf Pflege und künstliche Bewässerung verzichtet, dafür Offenheit, die Alterung der Materialien und eine fortwährende Veränderung der Wand auch in ästhetischer Hinsicht als Potenzial begriffen. Das Projekt ist Teil des Graduiertenkollegs „Urban Future-Making“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und gemeinsam von der HafenCity Universität Hamburg, der Universität Hamburg und der Technischen Universität Hamburg organisiert wird.
Ressourcenschonende Baustoffe aus Pflanzenfasern
Lucas Oettinger hat in Stuttgart Architektur und Stadtplanung studiert, sein Interesse galt besonders der Materialforschung. „Meist über einen künstlerischen, experimentellen Ansatz“, sagt Oettinger, „wir haben zum Beispiel versucht, aus Pilzmyzel Baustoffe herzustellen.“ Myzel, das ist der unsichtbare Teil des Pilzes, der unterirdisch stabile Netzwerke bildet. „Myzele verbinden Pflanzenfasern miteinander, das sieht am Ende ein bisschen aus wie die äußere Schicht eines Camemberts“, sagt Oettinger, „und ergibt einen vielseitigen Baustoff mit einer Festigkeit, die sich mit Styropor vergleichen lässt.“ Der Gedanke dahinter ist einer in die Zukunft: Baustoffe aus Pflanzenfasern sind ressourcenschonender, CO2-positiv und biologisch abbaubar – anders als erdölbasierte Materialien.
Bei Lucas Oettinger kommt dieses Interesse an naturnahen Baumaterialien nicht aus dem Nichts. Im Großraum Stuttgart wurde in den vergangenen Jahrhunderten nicht selten mit Kalktuff gebaut – ein Baustoff, der den Doktoranden schon früh fasziniert hat. „Das ist ein luftiges, poröses Gestein, das sich vor allem an Quellaustritten in Karstgebieten bildet“, erklärt er. Das funktioniert so: An Quellen siedeln sich Moose an, die wiederum dafür sorgen, dass sich der reichliche Kalk in Quellwasser ablagert und verfestigt. „Schicht für Schicht entsteht das neue Gestein, sehr langsam, mit etwa zwei Zentimetern im Jahr“, sagt Oettinger. „Aber das ist ein super Baustoff – dämmend, selbsttragend, natürlich.“ Tatsächlich gibt es in Schwaben ganze historische Häuser aus diesem Material – so wurde zum Beispiel das Untere Tor zum Schloss Hohentübingen in Tübingen aus Kalktuff errichtet, vor mehr als 400 Jahren.
Kritik an der Bauwirtschaft
Er machte diesen Kalkstein zu seinem Studienthema, mitsamt dem regionalen Aspekt – der Baustoff wird dort eingesetzt, wo man ihn gewinnt. „Das ist super für das Mikroklima“, sagt er, „und das ist auch als Kritik an der Bauwirtschaft zu verstehen, der die Umwelt mehr oder minder egal ist.“
Auf sein Masterthema, das auch seiner Promotion zugrunde liegt, stieß Oettinger in Valencia. Er war für ein Erasmus-Jahr dort und entdeckte eine Wand in einer Unterführung, „an der sich ungeplant ein kleines Ökosystem herausgebildet hatte“. Er stellte fest, dass durch einen Riss im Mauerwerk Grundwasser drückte, dadurch wurden Mineralien ausgeschwemmt, die sich an der Wand festsetzten. „Das hat total spannende Strukturen ergeben“, sagt Oettinger, dessen künstlerische Sicht auf die Dinge sofort erwachte. „Und auf der anderen Seite hat die Feuchtigkeit das Wachstum von Moosen und Algen befördert, lauter Schnecken hatten sich dort angesiedelt – es war ein kleines Biotop, das da entstanden ist.“ Er hat es „primär künstlerisch“ untersucht, er war fasziniert von der neuen Oberfläche.
Steinen beim Wachsen zuschauen
Für seine Masterarbeit hat er eine Tuffkalkgewinnungsversuchsanlage aufgebaut, Natur im Kleinen. Ein Quadratmeter Grundfläche, auf dem Oettinger Steinen beim Wachsen zuschaute. Es wurde auch eine Auseinandersetzung mit der Zeit. Wie lange nutzen wir Gebäude? Was machen wir mit ihnen, wenn wir sie nicht mehr brauchen?
Nach Hamburg kam Oettinger über den Job, ein Architekturbüro hat ihn nach dem Master in den Norden gelockt. Aber dann hat er die Stellenausschreibung für das Graduiertenkolleg „Urban Future-Making“ an der HCU gesehen. Wo er das machen kann, was ihn am meisten interessiert: das Arbeiten an den Schnittstellen mehrerer Fachbereiche. „Das Kolleg ist interdisziplinär aufgebaut und bietet mir damit die besondere Gelegenheit, die Perspektiven unterschiedlicher Fachbereiche mit einzubeziehen“, sagt er.
Ein einziger Biodiversitäts-Hotspot
Seit dem vergangenen Jahr arbeitet Oettinger an der HCU. Sein Projekt „Neglected Walls“ knüpft nahtlos an sein Studium an und besteht aus drei Bereichen. „Teil eins ist räumlich-analytisch gedacht: Welche Wand ermöglicht Pflanzenbewuchs, wie verändern die Pflanzen die Struktur des Mauerwerks?“ In einem zweiten Bereich überträgt er dann die Erkenntnisse des ersten in eine experimentelle architektonische Anwendung. Und dann gibt es noch einen sozialwissenschaftlich-analytischen Bereich. Da interviewt er Biolog*innen und Planer*innen, die sich mit diesen Wänden beschäftigen. Schaut sich an: Wie wird der Bewuchs von professionellen Akteur*innen diskutiert, wie im Kontext des innerstädtischen Natur- und Denkmalschutzes und der Bauleitplanung berücksichtigt? Und was hat der Handel Hamburger Kaufleute mit diesen Pflanzen zu tun?
Auch das ist eine spannende Geschichte. Und die bringt uns zu Oettingers „Neglected Wall“ gleich gegenüber der HCU. „Da wächst, neben geschützten endemischen Arten, das schmalblättrige Greiskraut aus der Hafenmauer“, sagt er. Über Handelsrouten ist dieses Gewächs wahrscheinlich nach Hamburg und den Rest der Welt gekommen, meistens als unbeabsichtigte Beimischung im Getreide, Saatgut oder Wasserresten im Schiffsrumpf. Und hat sich häufig direkt an der Kaimauer verbreitet. „Generell ist das Hafengebiet in Hamburg ein einziger Biodiversitäts-Hotspot“, so Lucas Oettinger und gibt zu bedenken: „Spontanvegetation, die auf Brachflächen und ungenutzten Bauwerken wächst, erfährt trotzdem kaum Beachtung. Nicht zuletzt durch die Pläne des Opernneubaus ist sie akut bedroht.“
Wände im Einklang mit der Umgebung begrünen
Mauern sind erstmal nicht dafür gedacht, dass sich Pflanzen auf ihnen ansiedeln. Und die wirken dort unterschiedlich. „Es gibt Pflanzen, die das Mauerwerk chemisch angreifen“, sagt Oettinger, „oder mechanisch, weil das Wurzelwerk die Wände aufsprengen kann.“ Aber es gibt auch Gewächse, die die Feuchtigkeit der Wand regulieren und dadurch eine schützende Funktion bekommen. Aber ganz ehrlich, sagt Oettinger: Wie die Wand profitiert, interessiert ihn dabei gar nicht so sehr. „Mir geht es darum, wie die Mauer das Wachstum der Pflanzen ermöglicht – und dadurch zur Biodiversität der Stadt beiträgt.“ Es gibt in Hamburg bestimmte Pflanzen, die ausschließlich auf Wänden wachsen, „und die sind sogar geschützt“.
Und da greift sein Projekt auch an: Nicht nur Mauern mit positivem Einfluss auf die Biodiversität sind sein Thema, sondern auch gleich deren Begrünung. Denn den Trend, Hausfassaden zu begrünen, sieht Oettinger nicht unkritisch – jedenfalls die Art, wie die Sache oft angepackt wird. „Das ist technisch aufwändig, verbraucht Unmengen von Ressourcen wie Wasser, und dann werden meist immergrüne Pflanzen verwendet, die hier gar nicht heimisch sind und mit denen die Insekten nichts anfangen können“, sagt er. Seinen Ansatz will er deshalb auch als Kritik an der Bauwirtschaft verstanden wissen. „Es gibt eben Pflanzen, die darauf spezialisiert sind, Wände ressourcenschonend zu begrünen“, sagt Oettinger: „Mein Projekt ist dafür modellhaft.“
Bauen und Natur zusammen denken
An drei Standorten forscht er an „Neglected Walls“. Neben dem Baakenhafen ist er an den Stützmauern in Övelgönne aktiv und an denen an der Schumacher-Alster zwischen Winterhude und Fuhlsbüttel. Voraussetzung für seine Forschung ist: Die Mauern sollten auf Kalkmörtelbasis errichtet worden sein. „Im 20. Jahrhundert hat sich Zementmörtel durchgesetzt“, sagt er. Schwierig für Pflanzen – die sind für ihr Wachstum auf Kalk angewiesen. Außerdem wirkt sich der pH-Wert von Zement negativ auf ihr Wachstum aus.
Irgendwann am Ende seines Projekts wird Lucas Oettinger also Doktor der verwahrlosten Mauern sein. Eine alles andere als brotlose Aussicht, da ist er sich sicher. „Die Berücksichtigung der lokalen Biodiversität wird bei Neubauprojekten immer öfter mit ausgeschrieben“, sagt er, „ich denke schon, dass ich mit den ‚Neglected Walls‘ Grundlagen schaffen kann für das Zusammengehen von Natur und Bauen.“
Info:
Das Graduiertenkolleg „Urban Future-Making: Professional agency across time and scale“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und gemeinsam von der HafenCity Universität Hamburg (HCU), der Universität Hamburg (UHH) und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Grubbauer organisiert. Ziel ist es, die Handlungsmacht zu erforschen, die Fachleute für ein gebautes Umfeld haben – in einer Zeit, in der tiefgreifende Veränderungen dringend nötig sind. Weitere Informationen finden Sie hier.
English:
Biodiversity on Neglected Walls
For some, it is annoying weeds in public spaces; for others, it is nature reclaiming masonry. For his doctoral project at HafenCity University Hamburg, Lucas Oettinger researches plants that grow in cracks in walls. These “wallflowers” have the potential to change the way we build.
When Lucas Oettinger goes out to do research, he has a short commute. From HafenCity University Hamburg (HCU), he only needs to cross the water once, to the other side of Baakenhafen. “Over there,” he says, pointing to the quay wall topped by an abandoned shed, “cargo ships used to be unloaded. But imperial troops were also shipped from there to German South West Africa to carry out the genocide of the Herero and Nama.”
That’s how he works: he cannot think about a place without its historical context. And why should he? It is directly connected to what he studies—plants that grow on and within the quay wall, interacting with the masonry and vice versa. Some of them even arrived at this place on the very ships that once docked there.
More Space for Declining Biodiversity
The quay wall at Baakenhafen looks wild somehow—neglected. That is why Lucas Oettinger calls his project “Neglected Walls.” At first, the name may sound a bit unusual. But what he does is surprisingly multifaceted: art, nature, and a critical reflection on how we live and build.
Against the backdrop of the global biodiversity crisis, “Neglected Walls” aims to offer a perspective on how things could be done differently—and better. By actively fostering and stabilizing interactions between architecture, vegetation, and environmental forces, declining urban biodiversity can be given more space again. Unlike conventional vertical greening systems, this approach avoids maintenance and artificial irrigation, instead embracing openness, material aging, and continuous transformation of the wall as aesthetic potential. The project is part of the Research Training Group “Urban Future-Making,” funded by the German Research Foundation (DFG) and jointly organized by HafenCity University Hamburg, the University of Hamburg, and Hamburg University of Technology.
Resource-efficient Building Materials from Plant Fibers
Lucas Oettinger studied architecture and urban planning in Stuttgart, with a particular interest in material research. “Mostly through an artistic, experimental approach,” he says. “For example, we tried to produce building materials from fungal mycelium.” Mycelium is the hidden part of fungi that forms stable underground networks. “Mycelium binds plant fibers together—it ends up looking a bit like the outer layer of a Camembert,” Oettinger explains, “and results in a versatile building material with a strength comparable to polystyrene.” The idea behind it points to the future: plant-based building materials are resource-efficient, carbon-positive, and biodegradable—unlike petroleum-based materials.
Oettinger’s interest in nature-based building materials did not come out of nowhere. In the greater Stuttgart region, tufa limestone has often been used for construction over the centuries—a material that fascinated him early on. “It’s a light, porous rock that forms mainly at spring outlets in karst regions,” he explains. The process works like this: mosses settle at the springs, which in turn cause the abundant lime in the spring water to deposit and solidify. “Layer by layer, new rock forms—very slowly, at about two centimeters per year,” says Oettinger. “But it’s an excellent building material—insulating, self-supporting, natural.” In fact, there are entire historic houses in Swabia made from this material; for example, the lower gate of Hohentübingen Castle was built from tufa more than 400 years ago.
A Critique of the Construction Industry
He made this limestone his subject of study, including its regional aspect—the material is used where it is sourced. “That’s great for the microclimate,” he says, “and it can also be understood as a critique of the construction industry, which tends to disregard environmental concerns.”
Oettinger found the topic for his master’s thesis—which also forms the basis of his PhD—while in Valencia during an Erasmus year. There, he discovered a wall in an underpass “where a small ecosystem had developed unintentionally.” He found that groundwater was seeping through a crack in the masonry, washing out minerals that then settled on the wall. “It created fascinating structures,” says Oettinger, whose artistic perspective was immediately sparked. “At the same time, the moisture encouraged the growth of mosses and algae; lots of snails had settled there—it was a small biotope.” He studied it “primarily from an artistic perspective,” fascinated by the newly formed surface.
Watching Stones Grow
For his master’s thesis, he set up an experimental tufa formation system—a miniature version of nature. On an area of just one square meter, Oettinger watched stones grow. It also became an exploration of time: how long do we use buildings? And what do we do with them when we no longer need them?
Oettinger came to Hamburg through a job—an architecture firm attracted him to the north after his master’s degree. But then he saw the job posting for the Research Training Group “Urban Future-Making” at HCU. There, he could do what interests him most: working at the intersection of multiple disciplines. “The program is interdisciplinary and offers me the special opportunity to integrate perspectives from different fields,” he says.
A Big Biodiversity Hotspot
Oettinger has been working at HCU since last year. His project “Neglected Walls” builds seamlessly on his studies and consists of three components. “The first is spatial-analytical: which walls allow plant growth, and how do plants change the structure of the masonry?” In a second step, he translates these findings into experimental architectural applications. And then there is a socio-analytical component: he interviews biologists and planners who deal with such walls, examining how vegetation is discussed among professionals, how it is considered in urban nature conservation, heritage protection, and planning regulations—and what role Hamburg’s merchant trade has played in the spread of these plants.
That, too, is a fascinating story—and it brings us back to Oettinger’s “neglected wall” right across from HCU. “In addition to protected endemic species, narrow-leaved ragwort grows out of the harbor wall,” he says. This plant likely reached Hamburg and other parts of the world via trade routes, often as an unintended admixture in grain, seeds, or residual water in ship hulls, and frequently spread directly along quay walls. “In general, Hamburg’s harbor area is a big biodiversity hotspot,” says Oettinger, adding: “Spontaneous vegetation growing on brownfields and unused structures still receives little attention. Not least because of plans for a new opera house, it is now under acute threat.”
Greening Walls in Harmony with their Surroundings
Walls are not originally designed to host plants—and plants affect them in different ways. “Some plants attack the masonry chemically,” says Oettinger, “or mechanically, as their roots can break apart the walls.” But there are also species that regulate moisture and thus provide a protective function. However, Oettinger admits that how the wall benefits is not his main concern. “I’m more interested in how the wall enables plant growth—and thereby contributes to urban biodiversity.” In Hamburg, there are certain plant species that grow exclusively on walls—and they are even protected.
This is also where his project comes in: not only studying walls that positively affect biodiversity, but also their greening. Oettinger views the trend of greening building façades critically—at least in the way it is often implemented. “It’s technically complex, consumes vast amounts of resources such as water, and typically uses evergreen plants that are not native and provide little benefit for insects,” he says. He sees his approach as a critique of the construction industry. “There are plants that are specialized in greening walls in a resource-efficient way,” he says. “My project serves as a model for that.”
Rethinking Construction and Nature Together
Oettinger conducts his research on “Neglected Walls” at three sites: in addition to Baakenhafen, he works on retaining walls in Övelgönne and along the Schumacher Alster between Winterhude and Fuhlsbüttel. A key prerequisite for his research is that the walls must have been built using lime mortar. “In the 20th century, cement mortar became standard,” he explains. This poses difficulties for plants, which depend on lime for growth; moreover, the pH level of cement negatively affects them.
At the end of his project, Lucas Oettinger will, in a sense, become a doctor of neglected walls. And he is confident that this is far from a dead-end career. “Consideration of local biodiversity is increasingly included in tenders for new construction projects,” he says. “I believe that ‘Neglected Walls’ can lay the groundwork for integrating nature and construction.”
Info:
The Research Training Group “Urban Future-Making: Professional Agency Across Time and Scale” is funded by the German Research Foundation (DFG) and jointly organized by HafenCity University Hamburg (HCU), the University of Hamburg (UHH), and Hamburg University of Technology (TUHH) under the direction of Prof. Dr. Monika Grubbauer. Its aim is to investigate the agency of built environment professionals at a time when profound transformation is urgently needed. Find more information here.