Bezirk Harburg

Der Süden Hamburgs

Südlich der Elbe bietet der Bezirk Harburg ein buntes Potpourri aus urbaner Großstadt, ländlichen Siedlungen, Obstplantagen im Alten Land, weiten Heideflächen und modernsten Container-Terminals im Hamburger Hafen.

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Petra Schumacher / hafen-fotos.de

Bezirk Harburg

Einwohner    160.211*
Einwohner pro km²    1.280*
Fläche    125,2 km²*

Harburg: Hamburgs Konkurrent

Hamburg und Harburg – der Unterschied liegt nur in einem winzigen Buchstaben. Lange war jedoch eine wesentlich tiefere Kluft zwischen den ehemaligen Konkurrenten. Harburg war einst – wie Altona  – eine eigenständige Stadt vor den Toren Hamburgs. Auch heute besteht neben dem Hamburger Bezirk Harburg noch der niedersächsische Landkreis Harburg, der sich bis weit in die Lüneburger Heide zieht.

Durch das Groß-Hamburg-Gesetz aus dem Jahre 1937 wurde die Stadt Harburg aus dem Kreis Harburg herausgelöst und an Hamburg angeschlossen. Darunter waren auch die zur Stadt Harburg gehörigen Ortsteile Heimfeld, Wilstorf und Eißendorf, die zur Stadt Harburg gehörten. Dem Bezirk wurde darüber hinaus Altenwerder, Francop, Hausbruch , Gut Moor, Langenbek, Marmstorf, Neuenfelde, Neuland, Rönneburg und Sinstorf sowie Neugraben und Fischbek (heute Neugraben-Fischbek aus dem Landkreis Harburg angeschlossen. Dazu kam Cranz aus dem Landkreis Stade. Der Stadtteil Moorburg gehörte bereits vorher zu Hamburg. 

Obstblüte im Alten Land

Seine ganz besondere Pracht zeigt der südlichste der Hamburger Bezirke im Alten Land. Die Harburger Stadtteile Neuenfelde, Francop, Cranz gehören zur Dritten Meile des Alten Landes, die sich zwischen Este und Alter Süderelbe erstreckt. Die Besonderheit dieser Kulturlandschaft ist ihr Obstanbau. Durch die Landschaft ziehen sich in weitläufigen Plantagen Reihen aus Apfel-, Kirsch- und Birnbäume. In der Obstblüte ist das Alte Land dann in ein rosa-weißes Blütenmeer getaucht und gibt zusammen mit den alten Reetdachkaten in diesem Gebiet ein wunderschönes und idyllisches Bild ab.

Urbanes Harburg

In Kontrast zum dörflichen Leben im Alten Land steht der Stadtteil Harburg mit urbanem Erscheinungsbild, großen Einkaufszentren und S-Bahn-Anschluss. In Harburg treffen sich schließlich Moderne und Historie: Am Harburger Binnenhafen, wo einst Frachtschiffe abgefertigt wurden, entstand ab den 1990er-Jahren ein attraktives Quartier, in dem einmal im Jahr das große Binnenhafenfest gefeiert wird. Weitere geschichtliche Zeugnisse sind das Rathaus Harburg, erbaut im Stil der Neorenaissance, und die Alte Harburger Elbbrücke.

Mit der Sammlung Falckenberg, die heute zu den Deichtorhallen gehört, befindet sich eine attraktive Privatsammlung moderne und avantgardistischer Kunst in Harburg. Eine weitere Kulturstätte ist das Archäologische Museum. Will man der Großstadt entfliehen, sucht man in Harburg den Weg in den Harburger Stadtpark mit dem großen Außenmühlenteich und dem Schulgarten. Dort findet man Entspannung im Grünen.

Natur versus Hafen

Noch mehr Natur erstreckt sich in Neugraben-Fischbek, wo sich an der Grenze des Bezirks zu Niedersachsen im Spätsommer ein besonderes Naturschauspiel zu beobachten ist. Über die sonst karge Landschaft legt sich ein in der Fischbeker Heide lilafarbener Teppich aus Heidekraut – ein wunderschöner Anblick und ein ideales Ziel für einen Tagesausflug. Süd-östlich der Fischbeker Heide, übrigens die zweitgrößte Heidelandschaft Deutschlands, wird es hügelig beziehungsweise bergig, wenn man Hamburger Verhältnisse zum Maßstab nimmt. Dort erheben sich die Harburger Berge mit dem 116 Meter hohen Hasselbrack – die höchste natürlich Erhebung Hamburgs.

Ähnlich idyllisch war auch der Stadtteil Altenwerder, bis der Hafen kam. Bis zu den 1960er-Jahren war Altenwerder ein kleines Dorf mitten im Grünen, ehe es zum Hafenerweiterungsgebiet erklärt wurde. Heute befindet sich dort mit dem Containerterminal Altenwerder einer der modernsten Umschlagplätze für Seegüter weltweit. Doch inmitten der Industrie, zwischen dem Terminal Altenwerder und einer großen Aluminiumfabrik, hat mit der St. Gertrud-Kirche ein Zeugnis des alten Altenwerders überlebt und bildet ein Mahnmal und eine Art Gedenkstätte für das verschwundene Dorf.

Geschichte Harburgs

Harburg war schon immer eng verknüpft mit seinem großen Nachbarn Hamburg – mal rechter, mal schlechter. Eigenständig war Harburg, das im Jahre 1297 erstmals das Stadtrecht erhielt, dennoch viele Jahrhunderte. Allerdings litt Harburg zunächst unter dem schlechten Wirtschaften der Oberen. Aus Geldmangel wurden Schloss und Stadt zwischen 1397 und 1517 an die beiden Hansestädte Hamburg und Lüneburg verpfändet, die jedoch kein wirkliches Interesse am kleinen Nachbarn hatten und sich lediglich der Ressourcen bedienten.

Danach ging es jedoch wieder aufwärts und 1644 mit dem Bau der Festung Harburg begonnen, der 1660 abgeschlossen wurde. Durch die Festung stieg Harburg schließlich zur Garnisonsstadt auf. Im Siebenjährigen Krieg fiel die Stadt schließlich von französischen Truppen eingenommen und Napoleon höchstselbst befahl den Bau einer Brücke über die Elbe nach Wilhelmsburg. Nach Ende der französischen Besatzung im Jahr 1814 wurde die Verbindung mit dem Nachbarn jedoch wieder abgerissen.

Aufschwung und Ende der Eigenständigkeit

Es folgte im Zuge der Industrialisierung ein rascher Aufschwung Harburgs. So wurde ab 1818 eine Dampfschiffverbindung mit Hamburg eingerichtet und als Harburg 1847 an die "Kreuzbahn", eine wichtige Eisenbahnverbindung, war die Stadt ein zukunftsträchtiger Industrie-Standort. Erst recht, als alte Festungsgräben zu einem Seeschiffhafen ausgebaut wurden. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Fabriken, zudem wurde zwischen 1870 und 1872 die neue Elbbrücke gebaut. Es war eine erste Annäherung an den Nachbarn, Wilhelmsburg mit dem Harburg 1927 zur Großstadt Harburg-Wilhelmsburg mit über 110.000 Einwohnern zusammengeschlossen wurde.

Damit war es endgültig vorbei mit der Harburger Eigenständigkeit, zumal die erst neu geschaffene Großstadt im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes nur zehn Jahre später nach Hamburg eingegliedert wurde. Die Geschichte Harburgs steht nicht nur in Büchern, sie ist auch im Wappen zu erkennen. Dieses zeigt ein Torhaus mit drei Türmen und darin den Braunschweiger Löwen. Hinzu kamen später zwei Lilien, die aus dem Wilhelmsburger Wappen entstammen. Das Harburger Wappen ist kein offizielles mehr, wird aber auch heute noch von der Bürgerversammlung verwendet.

*Quelle: Statistische Daten zu den Stadtteilen Hamburgs, Statistikamt Nord (Stand: Nov 2016)

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