Ursachen, Tipps und Links Lebensmittelverschwendung

Lebensmittel erhalten uns am Leben - daher sollten sie wertgeschätzt und respektiert werden.

Hamburg gegen Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung
​​​​​​​Laut einer Studie der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) aus dem Jahr 2015 landen über 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel in Deutschland pro Jahr im Abfall, davon wären bereits heute 10 Millionen Tonnen vermeidbar. Die Verluste entstehen entlang der gesamten Lebensmittelkette und verteilen sich prozentual wie folgt:

  • 5 Prozent Ernteverluste,
  • 9 Prozent Nachernteverluste,
  • 14 Prozent Prozessverluste,
  • 14 Prozent Verteilungsverluste im Groß- und Einzelhandel,
  • 19 Prozent Großverbraucher und
  • 39 Prozent Endverbraucher.

Die WWF-Studie weist aus, dass von den rund 7 Millionen Tonnen Verlusten in Privathaushalten 4,9 Tonnen vermeidbar wären. Die Einschätzung, dass rund zwei Drittel der Lebensmittelabfälle in Privathaushalten ganz oder zumindest teilweise vermeidbar wären, zeigte eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebene und veröffentliche Studie der Universität Stuttgart bereits im Jahr 2012. Danach haben jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger jährlich 81,6 Kilogramm Lebensmittel im Wert von circa 235 Euro weggeworfen.

Die Ursachen für die Verschwendung sind unterschiedlich. Hauptursachen sind:

In Privathaushalten:

  • Mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln bedingt durch niedrige Preise und ständige Verfügbarkeit
  • Fehlende Haushaltsplanung, Fehlkauf, mangelnder Überblick über Vorräte
  • Falsche Aufbewahrungsbedingungen
  • Ablauf von Mindesthaltbarkeitsdatum/Verbrauchsdatum

Bei Großverbrauchern:

  • Fehlendes Wissen über Abfallmengen
  • Nicht sachgemäße Lagerung
  • Schwierigkeiten bei der Kalkulation aufgrund schwankender Nachfrage
  • Hygiene- /Lebensmittel-Sicherheitsvorschriften
  • Zu wenig differenzierte Portionsgrößen in der Gastronomie

Bei der Lebensmittelindustrie:

  • Abweichung von Produkt-Spezifikation/geforderter Qualität
  • Überproduktion/Fehlplanung

Im Handel:

  • Volle Regale bis Ladenschluss bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Brot, Obst und Gemüse
  • Beschädigung verderblicher Lebensmittel (Druckstellen bei Obst)
  • Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums beziehungsweise Verbrauchsdatums
  • Überbestände infolge nicht kalkulierbaren Einkaufsverhaltens.

Ein Mädchen betrachtet einen Apfel
Die vermeidbare Entstehung von Lebensmittelabfällen ist aus ethischer, ökologischer, ökonomischer und sozialer Sicht problematisch und steht dem Konzept der Nachhaltigkeit in der heutigen Gesellschaft entgegen. Es gibt bereits Initiativen auf verschiedenen Ebenen, so zum Beispiel die Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft „Zu gut für die Tonne“ sowie Informationen durch die Verbraucherzentralen. Aber die Initiative zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen sollte nicht der Politik oder anderen Initiativen allein überlassen werden.


Was kann ich tun, um Lebensmittelabfälle zu vermeiden?
Sieben Tipps für Verbraucher

1: Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)

Das MHD ist kein Wegwerfdatum, sondern eine Gütegarantie. Das Lebensmittel ist bis dahin „mindestens haltbar“. Das MHD gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften wie Geruch, Farbe und Geschmack behält. Bei richtiger Lagerung sind Lebensmittel meist weiterhin auch ohne Einschränkung zum Verzehr geeignet. Also anschauen, riechen und kosten – das kann viele Lebensmittel vor der Tonne retten und hilft Geld sparen.

Vertrauen Sie Ihren Sinnen beim abgelaufenen Joghurt, denn wenn er normal riecht, aussieht und schmeckt, ist er auch noch gut. Oder pürieren Sie Erdbeeren zusammen mit Zucker, Joghurt, Milch zu einem Smoothie oder Milchshake.

Aber Achtung: einige besonders leicht verderbliche tierische Produkte, wie Hackfleisch oder  frisches Geflügel, tragen ein Verbrauchsdatum. Ist das Verbrauchsdatum überschritten, gibt’s leider nur noch eines: Ab damit in die Tonne. Sonst besteht die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung.

2: Gute Planung

Planen Sie Ihre Mahlzeiten und Einkäufe: Überlegen Sie genau, was Sie brauchen (Einkaufszettel nicht vergessen) und in einem absehbaren Zeitraum verbrauchen werden. Gehen Sie nicht hungrig einkaufen. So werden Sie nicht verführt, einfach nur das Leckerste und in zu großen Mengen einzukaufen.

3: Richtige Lagerung

Lagern Sie Ihre Lebensmittel richtig: Den Einkauf einfach in den Kühlschrank zu verfrachten, reicht leider nicht für eine gute Aufbewahrung. Denn auch Lebensmittel haben ihre Vorlieben: Hell oder dunkel, kühl oder bei Zimmertemperatur. Vor allem Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch nehmen es uns übel, wenn sie nicht richtig gelagert werden. Schieben Sie die vorhandenen Lebensmittel beim Neueinkauf nicht einfach nach hinten – dort werden sie übersehen und vergessen.

4: Kleine Portionen

Der Teller muss nicht immer randvoll sein. Jeder kann einen „Nachschlag“ bekommen, wenn sie/er noch Hunger hat. Was aber einmal auf dem Teller ist wird meistens nicht wieder verwertet.

5: Richtige Kühltemperatur

Damit Lebensmittel im Kühlschrank frisch bleiben und nicht schlecht werden, sollte der Kühlschrank eine Kühltemperatur von 1 bis 5 Grad Celsius haben.

6: Einfrieren

Reste können eingefroren werden, um sie später zu essen. Zum Beispiel lässt sich Brot in Scheiben gut einfrieren und scheibenweise bei Bedarf auftauen.

7: Resteverwertung

Zaubern Sie mit Resten: Wenn etwas übrig bleibt, können Sie es gleich oder später (dann einfrieren) weiter verwenden. Ein Rest Tomatensauce kann bei der nächsten Mahlzeit zum Pizzabelag werden. Restliche Kartoffeln werden zu Bratkartoffeln oder Bauernfrühstück. Restliche Nudel schmecken mit Ei, Gemüse, Käse ganz wunderbar aufgebraten oder als Auflauf. Mit ein wenig Phantasie und Spaß am Kochen lässt sich aus fast jedem Rest etwas Neues kreieren. Rezepte für die Reste finden Sie zum Beispiel auch im Klimakochbuch der Stadtreinigung Hamburg.

8: Schalen und Verdorbenes werden zu Energie und Kompost

Wer frisches Obst und Gemüse verarbeitet, hat unvermeidliche Reste. Aus Zubereitungsresten und Verdorbenem kann die Stadtreinigung Hamburg Biogas und Kompost gewinnen. Bitte nutzen Sie die Biotonne und werfen Sie die Gemüsereste nicht in den Restmüll!  Die Stadtreinigung hilft mit kostenlosen Biotüten aus umweltfreundlichem gewachstem Papier. 

Was macht Hamburg?

Auf Initiative der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz findet seit 2015 jährlich ein Runder Tisch zum Thema Lebensmittelverschwendung statt. Teilnehmer sind Vertreterinnen und Vertreter von Initiativen (Slow-Food, Hamburger Tafel), die Verbraucherzentrale Hamburg, Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, von Verbänden (Dehoga und Bäckerinnung) und von anderen betroffenen Behörden (BUE, BWVI, BSB). Ziel der Zusammentreffen ist es, weiter für das Thema zu sensibilisieren, von Best-Practice-Beispielen zu lernen und Planungen für weitere Initiativen zu beginnen. Wichtige Bausteine sind der Austausch von Informationen zur Bedeutung der Wertschätzung von Lebensmitteln sowie das Anbieten von konkreten Möglichkeiten zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen entlang der gesamten Lebensmittelkette.

Links und weitere Informationen

Best-Practice-Beispiele für Unternehmen

Externe Links

Veterinärwesen