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Daten und Fakten Marseille als "La deuxième ville"

Marseille ist mit 850.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Frankreichs. Obwohl Marseille als "la deuxième ville" nach Paris die wichtigste Stadt des Landes ist, kämpft die Hafenmetropole am Mittelmeer nach wie vor mit ihrem Image einer verkannten Schönheit.

Marseille als "La deuxième ville"

Älteste Stadt Frankreichs

Marseille kann auf eine mehr als 2.600 Jahre alte Stadtgeschichte zurückblicken. Ca. 600 vor Christus von griechischen Kolonisten als Massalia gegründet, ist Marseille die älteste Stadt Frankreichs.

Das große Selbstbewusstsein gewannen die Bewohner von Marseille hauptsächlich durch den immer stärker blühenden Handel, der die Stadt im 17. Jahrhundert zu einer großen Handelsmacht werden ließ. Marseille wuchs in alle Richtungen und erlangte internationale Bedeutung. Die zahlreichen französischen Kolonien ließen den Welthandel florieren. Und so wurden im Marseiller Hafen sowohl Waren aus dem Orient und Afrika als auch Güter aus der Karibik umgeschlagen.

Deutsch-französische Aussöhnung

Im Zweiten Weltkrieg wurde Marseille von deutschen Truppen besetzt. Der Januar 1943 wurde zu einem rabenschwarzen Monat in der Stadtgeschichte: Die deutsche Armee evakuierte das komplette Hafenviertel und sprengte sämtliche Gebäude nieder, um flüchtigen Juden das Untergrundleben zu erschweren. Über 30.000 Menschen wurden von heute auf morgen obdachlos.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die deutsch-französische Aussöhnung ein erklärtes Ziel der Politik, unter das auch die Bemühungen um die Städtepartnerschaft mit Hamburg fiel. Es galt einige Ressentiments zu überwinden, doch gelang die Annäherung den Umständen zum Trotz.

Schmelztiegel der Kulturen

Neben dem Hafen prägen bis heute die Nachfahren von Zuwanderern aus den unterschiedlichsten Region die Identität der Stadt Marseille. Ob Italiener, Flüchtlinge der beiden Weltkriege aus ganz Europa oder - im Zuge der Entkolonisierung - Zuwanderer aus dem Maghreb: Marseilles Bevölkerungsstruktur ist ein Spiegel der bewegten Geschichte dieser Stadt als Zufluchtsort.

Gerade in den 1980er Jahren machte Marseille eher mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam: Als Einwanderungsstadt kämpfte die Stadt mit den zahlreichen Folgen sozialer Ungleichheit und kultureller sowie religiöser Diversität. Kriminalität und Rassismus waren zwei Schlagworte, mit denen die Mittelmeermetropole in Verbindung gebracht wurde. Doch die Politik reagierte und schaffte es in den letzten beiden Jahrzehnten, mit einer integrativen Stadtentwicklung die sozialen Spannungen zu entschärfen und die Kriminalität einzudämmen. Auch dank der Expansion des Hafen wurde verhalf ein wirtschaftlicher Aufschwung den Bewohnern Marseilles zu neuen Perspektiven.

Hafenmetropole

Obwohl Marseille über eine Vielzahl ein Reizen verfügt, wird es meist vor allem als Hafen- und Industriestadt wahr genommen. Marseilles Hafen - der größte Frankreichs - rangiert heute europaweit an dritter Stelle und somit nur einen Platz hinter dem Hamburger Hafen. Er wird hauptsächlich als Erdölhafen genutzt und spielt als Dreh- und Angelscheibe für den Mittelmeerverkehr eine zentrale Rolle. Einerseits als Warenumschlagplatz - neben Erdöl werden hier auch typische Produkte aus der Provence wie Wein, Oliven, Lavendel, Seife und Meersalz in alle Welt verschifft -, andererseits aber auch für den Personenverkehr als wichtiger Fährhafen. Marseille ist einer der bedeutendsten französischen Industriestandorte mit Schwerindustrie, Raffinerien, Petrochemie, Schiffbau, Agroindustrie und Fischerei.

Im Herzen der Provence

Neben seiner Bedeutung als Industriestadt ist Marseille, das katholischer Erzbischofssitz ist, auch das kulturelle und wissenschaftliche Zentrum Südfrankreichs. Der Verwaltungssitz des Départements Bouches-du-Rhône und die Hauptstadt der Region Provence-Côte d'Azur verfügt - seinem Ruf als Moloch zum Trotz - über zahlreiche Touristenattraktionen:

Die malerischen Gassen und belebten Boulevards rund um den Vieux Port verströmen südländisches Flair, vom Turm der Kathedrale Notre-Dame-de-la-Garde, dem Wahrzeichen der Stadt am südlichen Ufer, hat man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und die umliegende Küste und die vorgelagerte Insel Château d'If diente schon Dumas als Inspiration für seinen Graf von Monte Cristo. Museen, Galerien und Restaurants mit der berühmten provencalischen Küche runden das Bild der Mittelmeermetropole ab. Und nicht zuletzt seine Nähe zur beliebten Touristenregion Provence machen Marseille für Besucher als Ausgangspunkt, für Tagesausflüge oder Zwischenstopps interessant.