24. Februar 2012 Matthiae-Mahlzeit 2012

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Europa, Schuldenkrise, Banken - das große politische Thema dieser Zeit. Die Ehrengäste der Matthiae-Mahlzeit 2012 passten dazu: José Manuel Barroso ist Präsident der Europäischen Kommission, Jürgen Fitschen Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Vor allem aber ist die Matthiae-Mahlzeit das gesellschaftliche Ereignis in Hamburg: Rund 380 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft nahmen am ältesten noch begangenen Festmahl der Welt im Hamburger Rathaus teil.

Matthiae-Mahlzeit 2012 im Hamburger Rathaus

Gegen 19:10 Uhr begrüßte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz zunächst den Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso oberhalb der Senatstreppe. Die protokollarischen Regeln reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück und schreiben Hamburgs Bürgermeister vor, seine Ehrengäste am oberen Absatz der Senatstreppe, dem sogenannten "Spiegel", zu empfangen. 

Barroso hatte ein umfangreiches Tagesprogramm hinter sich: Redaktionsbesuch beim SPIEGEL am Morgen, Besichtigung der Baustelle der Elbphilharmonie am Vormittag, Vortrag und Diskussion mit Studierenden der Bucerius Law School am Nachmittag. Dazwischen ein einstündiges Gespräch mit dem Ersten Bürgermeister.

Kurz nach dem 55-jährigen Portugiesen kam der deutsche Ehrengast der Matthiae-Mahlzeit 2012, Jürgen Fitschen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Nach einem Gespräch der Ehrengäste mit Bürgermeister Scholz im Bürgermeisteramtszimmer, trugen sich Barroso und Fitschen im Phönixsaal ins Goldene Buch der Freien und Hansestadt Hamburg ein.

Matthiae-Mahlzeit: Regionale Küche und europäische Politik

Um 20 Uhr begann dann die Matthiae-Mahlzeit, wie immer arbeitsreich vorbereitet vom Protokoll der Senatskanzlei unter Chefin Juliane Scholz-Foth. Allein die Sitzordnung der 380 Gäste ist eine schwierige Aufgabe. Festgelegt ist: Am Haupttisch sitzen die Ehrengäste mit dem Bürgermeister, der Bürgerschaftspräsidentin und den Ehrenbürgern der Stadt. An den Kopfenden der anderen Tische nimmt jeweils ein Senatsmitglied Platz.

Das Matthiae-Mahl ist allerdings auch immer eine Veranstaltung, in der es um Politik geht. Dies kommt in den Reden des Bürgermeisters und der Ehrengäste zwischen den Menügängen zum Ausdruck. "Europa und die Schuldenkrise" - die Auswahl der Gäste legte dieses Thema nahe.

Scholz: Hamburgs Blick ist auf Europa gerichtet

Bürgermeister Scholz stellte Hamburg als "große Stadt" vor, als "Ankunftsstadt". Dort ziehe es viele Menschen hin, weil sie mit diesen Städten "die Hoffnung auf ein besseres Leben" verbänden. Der Blick Hamburgs sei stets auf Europa gerichtet, betonte der Bürgermeister: "Was in Barcelona und Budapest geschieht, oder in Athen, interessiert uns nicht weniger als aktuelle Ereignisse in Berlin und Saarbrücken", sagte Scholz.

Hamburgs Bürgermeister mahnte die Unterstützung der Europäischen Union für Hamburger Interessen an, insbesondere in der Verkehrs- und Hafenpolitik: "Eine erfolgreiche europäische Verkehrspolitik muss mit einer Hafenpolitik einhergehen, die die Anbindung und Kapazität der Seehäfen weiter entwickelt."

Und auch auf Griechenland kam der Bürgermeister zu sprechen. Mit Blick auf das südosteuropäische Land und andere besonders hoch verschuldete Länder sagte Scholz: "Wir brauchen sie alle und dürfen niemanden zurücklassen."

Hamburg wisse, dass es in Sachen Schulden seine Hausaufgaben machen müsse: "Wir haben den Fuß auf der Schuldenbremse", sagte der Erste Bürgermeister.

Barroso: Ein stärkeres Europa in stürmischen Zeiten

José Manuel Barroso gab sich optimistisch: Mit einer starken Strategie und klaren Vision könne Europa stärker aus der Krise hervorgehen als die Gemeinschaft zuvor gewesen sei. In Bildung, Wissenschaft und Innovation müsse investiert werden. Europa brauche eine gemeinsame Wirtschaftspolitik - und man brauche eine dauerhafte Lösung für Griechenland.

Die Länder Europas seien voneinander abhängig, betonte der EU-Kommissar. Europa durchlaufe gegenwärtig eine historische Prüfung, ob man als gemeinsames Europa weiterbestehen wolle. In einer Welt mit vielen starken Mächten müsse Europa entscheiden, ob es einer der Spieler in dieser neuen Weltordnung sein wolle.

Und dann kam Barroso auf Hamburg zu sprechen. Er sei sicher, dass eine Stadt mit so vielen internationalen Verbindungen - 1500 Unternehmen in und um Hamburg mit Beziehungen zu China beispielsweise  -  ein besonderes Verständnis für die neue Weltordnung habe.

Die USA, Brasilien und andere starke Staaten wollten wissen: "Werden die Europäer alles tun, um den Euro zu retten und in der EU zusammen zu bleiben?". Auf diese Frage dürfe es keine zweifelnde Antwort geben.

Der Hamburger Hafen sei ein Hafen Europas, nicht nur der Stadt und Deutschlands. "Wenn Europa leidet, leidet auch Hamburg", sagte Barroso.

Der EU-Kommissionspräsident dankte Deutschland für seine Rolle bei der Schuldenkrise. Vor allem müsse es jetzt darum gehen, Vertrauen wiederherzustellen. Dabei sei die Zeit für Reden vorbei: "Butter bei die Fische!" - mit dem norddeutschen Imperativ mahnte Barroso konkrete Schritte an.

Das erste Element einer Strategie gegen die Krise müsse eine dauerhafte Lösung für Griechenland sein.

Und dann kam Barroso auf die Hamburger Sturmflut vor 50 Jahren zu sprechen und verglich sie mit der Griechenland-Krise. Damals wie heute hätten sich die Gemeinwesen ungenügend auf stürmisches Wetter vorbereitet. Hamburg habe allerdings seine Lehren aus der Flut gezogen und sei heute besser geschützt als damals. So müsse man auch mit Europa handeln. Barroso erinnerte an Helmut Schmidt und seine unorthodoxen Handlungen damals. Auch heute müsse man oft über Nacht Entscheidungen treffen, um Europa zu retten. 

Fitschen: Vertrauen verloren

Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen sagte: "Wir haben gemeinsam das kostbarste Gut verloren, das man verlieren kann: das Vertrauen." Deshalb sei ein Dialog zwischen Banken und der Politik nötig. Fitschen wandte sich dagegen, die Banken für die Schuldenkrise verantwortlich zu machen. Auch sei es nicht sinnvoll, den Finanzmärkten allzu enge Fesseln anzulegen.

Matthiae-Mahlzeit: Das älteste Festmahl der Welt

Die Matthiae-Mahlzeit ist seit 1356 historisch belegt und damit das älteste noch begangene Festmahl der Welt. Die traditionellen Elemente werden noch heute zelebriert. So wird zum Beispiel jedes Jahr der wohl gehütete Silberschatz des Rathauses geöffnet. Seine Tafelaufsätze und Schalen zieren die langen, festlich gedeckten Tische. Herausragendes Stück dieses Schatzes ist ein stattlicher Pokal, ein Geschenk von König Edward VII. von England aus dem Jahre 1904.

Der Name des historischen Ehrenmahls bezieht sich auf das Datum, an dem es traditionell stattfindet. Der Matthias-Tag am 24. Februar galt im Mittelalter als Frühlingsbeginn und war Auftakt des Geschäftsjahres. Die Senatoren erhielten ihre neuen Aufgaben und wählten den Ersten Bürgermeister. In diesem Jahr fällt die Matthiae-Mahlzeit wieder einmal genau auf dieses Datum. Es entwickelte sich zu einem Brauch, "Vertreter der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte" aus diesem Anlass zu einem großen Festmahl einzuladen. Auch wenn wie in diesem Jahr Bürgermeister und Senat schon ein Jahr im Amt sind.

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