Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Die große Flut 1962 in Finkenwerder

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Meine Erinnerungen an den letzten Deichbruch – Freitag, den 16. Februar 1962!

Rettung von Rudolf Meier am Norderdeich 32 Rudolf Meier (im Boot), Rettung am Norderdeich 32, Finkenwerder

Die große Flut 1962 in Finkenwerder


Gegen 19 Uhr meldete das Hydrographische Institut eine Springflut von 3-3,5 m über dem mittleren Hochwasser. Da die Höhe unserer Deiche etwa 3,70 m betrug – zumindest auf dem Papier – war ein Überlaufen der Deiche zu befürchten.

Mein Freund Hinni Mewes und sein Vater Rudi, der Fliesenleger, halfen mir, mein Schlauchboot einsatzbereit zu machen. Stechpaddel, ein Außenbordmotor, Seile, aber auch trockene Ersatzkleidung wurden auf einem Auto-Anhänger verstaut. Während wir uns noch etwas schlafen legten, hatte Rudi die erste Wache. Wir erwarteten den höchsten Wasserstand gegen 3 Uhr morgens. Es war gegen Mitternacht, als Rudi mich durch Klopfen mit einem Stein an meine Hauswand weckte, da der elektrische Strom ausgefallen war.

Die Katastrophe war bereits eingetreten, gespenstisch klang die Sturmglocke der Finkenwerder Kirche im heulenden Wind durch die Nacht. Das Wasser im Binnendeich stieg unaufhörlich weiter. Die Flut hatte inzwischen fast die Deichhöhe innen erreicht, folglich musste der Deich irgendwo gebrochen sein.

Unser Einsatz begann am Norderdeich 32, rechts neben Maler Horstmann. Wir ließen das Boot zu Wasser.
Eine alte Frau sollte an den Deich gebracht werden. Ihr Haus lag binnendeichs etwa 30 m vom Deich entfernt.
Ich musste mich mit dem Schlauchboot besonders vor Zäunen und Stacheldraht in Acht nehmen. Die Haustür stand offen. Im Zimmer rechts wartete die alte Frau. Auf der Treppe nach oben kauerte ein Schwein, das sich dorthin geflüchtet hatte. Mit gutem Zureden und viel Mühe verfrachtete ich die Frau und zwei große Koffer ins Boot und brachte uns an den trockenen Deich.

Beim nächsten Einsatz half Hinni mit. Um uns vor einem treibenden benagelten Brett zu schützen, warf er sich ruckartig auf meine Seite und wir kenterten. Mit dem Schrei „Hinni, leevst Du noch?“ stürzte sich sein Vater Rudi – ein guter Sportschwimmer – in die kalten Fluten, um uns zu helfen. Wir zogen das Boot gemeinsam an Land.

Fleißige Hände brachten es in Ordnung, während wir unsere Kleidung wechselten. Heißer Kaffee mit einem großen Schuss Rum, den uns eine Nachbarin reichte, wärmte unser Inneres wieder auf.

Wir fuhren zum „Durchgangslager Neßpriel“. Hier waren über 3.000 Personen vom Wasser eingeschlossen. Die Feuerwehr war bereits im Einsatz. Wir halfen mit, die Bewohner von den Dächern der Baracken zu holen, die sich den Fluchtweg durch die Zimmerdecke und dem Well-Eternit ins Freie gebrochen hatten.

So verging die erste Nacht.

Empfehlungen

Themenübersicht auf hamburg.de