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Hinter den Kulissen des Miniatur Wunderland

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Schauen Sie mit hamburg.de hinter die Kulissen des Miniatur Wunderlandes. In unserer Serie erfahren Sie mehr über die größte Modelleisenbahn der Welt und die Menschen dahinter.

Miniatur Wunderland Hamburg Geschichte

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Teil 1 : Wie alles begann

Miniatur Wunderland - Frederik Braun Frederik Braun - Miniatur Wunderland

Im Jahre 2000 hatten die erfolgreichen Hamburger Geschäftsleute Gerrit und Frederik Braun die Idee, eine große Modellbahnanlage für den Publikumsverkehr zu bauen. Zuvor betrieben die Zwillinge die Diskothek „Voilà“ und ein eigenes Plattenlabel. Auch auf der Love-Parade waren sie mit einem eigenen Truck vertreten. Im Sommerurlaub in der Schweiz stand Frederik Braun durch Zufall das erste Mal seit 20 Jahren in einem Modellbaugeschäft, was ihn auf die Idee für das Mammutprojekt brachte. Bruder Gerrit war schnell überzeugt und so ging es an die Planung. 300 Quadratmeter Fläche wurden veranschlagt, geeignete Räumlichkeiten in der Speicherstadt schnell gefunden. 2 Millionen DM sollte das übergroße Spielzeug kosten. Um sicher zu gehen, ob sich das ganze überhaupt jemand anschauen würde, startete Freddy Braun eine Internet-Umfrage mit fiktiven Sehenswürdigkeiten. Bei den Männern landete auf Platz 1 das „Bier-Museum“, gefolgt von der Modelleisenbahn, die bei den Frauen auf den hinteren Rängen landete.

Miniatur Wunderland - Gerrit Braun Gerrit Braun (Foto: Miniatur Wunderland)

Aber der Zuspruch immerhin der Hälfte der Bevölkerung, war den Brauns genug Ansporn, das Projekt zu verwirklichen. Nächste Hürde war die Geldbeschaffung: Keiner der Beteiligten glaubte wirklich daran, dass eine Bank tatsächlich 2 Millionen DM für eine Modelleisenbahn locker machen würde. Doch mit seinem guten Ruf als erfolgreicher Geschäftsmann konnte Frederik Braun auch die Banker von der Idee überzeugen. Zur Personalrekrutierung schaltete man eine Anzeige in der Bildzeitung „Modellbauer gesucht!“. 160 Bewerber mussten wenig später in einem improvisierten Casting auf der Tanzfläche des „Voilà“ ihr Können beweisen. Die 15 besten erhielten eine Anstellung. Gerhard Dauscher, in der Modellbauszene kein Unbekannter, wurde als Anlagenplaner verpflichtet.

Miniatur Wunderland - Gerhard Dauscher Gerhard Dauscher (Foto: Miniatur Wunderland)

Zusammen mit ihrem Partner Stephan Hertz und Vater Jochen gründeten die Braun-Zwillinge die „Miniatur Wunderland Hamburg GmbH“. 9 Monate Bauzeit wurden für die ersten drei Abschnitte „Harz“, „Knuffingen“ und „Österreich“ eingeplant. 24 Stunden täglich werkelte man in den Räumen der Speicherstadt, bis zur feierlichen Eröffnung am 16. August 2001.

Der Eröffnungstag geriet trotz zahlreicher geladener Gäste zum Desaster: Keine 300 Leute besuchten am ersten Tag das Wunderland. Eine herbe Enttäuschung für alle Beteiligten. Schnell machte sich die Befürchtung breit, bald nach der Eröffnung wegen des Besuchermangels wieder schließen zu müssen. Doch so kam es bekanntlich nicht. Dank eines kleinen Fernseh-Berichtes und der Mund-zu-Mund-Propaganda der ersten Besucher, rannten die Leute den Gebrüdern Braun schon am zweiten Tag die Bude ein. Seit diesem Tag wurde die Geschichte des Miniatur Wunderlandes immer mehr zur Erfolgsstory.

Teil 2 : Die Erfolgsstory geht weiter

Speicherstadt Eine Brücke über den Fleet ist der Traum der Miwulaner.

Mittlerweile besuchen knapp eine Million Menschen jährlich die kleine Wunderwelt des Miniatur Wunderlandes. Damit ist das Wunderland innerhalb weniger Jahre zu einer DER Touristen-Attraktionen im Großraum Hamburg avanciert. Immer mehr Menschen kommen auch aus dem Ausland, so ist seit der Eröffnung des Schweiz-Abschnittes auch ein Anstieg der Besucher aus der Schweiz zu verzeichnen. Auch immer mehr Schweden zieht es seit der Eröffnung des Skandinavien-Abschnittes in ihre Miniatur-Heimat. Im Mai 2007 kam der 4 Millionste Gast ins Miniatur Wunderland.

Zwischen Juli und August 2008 begrüßten die Miwulaner dann bereits ihren 5 Millionsten Besucher.

Bis 2014 hat man bereits grobe Themen für neue Abschnitte festgelegt. So sollen u.a. noch Abschnitte mit den Themen Mittelmeerraum, England und Afrika folgen. Auch ein „Zukunfts-Abschnitt“ ist angedacht. Der Fantasie der Modellbauer sind dabei nur räumliche Grenzen gesetzt. Der Platz in den bisherigen Räumen dürfte in absehbarer Zeit erschöpft sein und so wurden bereits Flächen auf der anderen Seite des Fleets angemietet, die eines Tages durch eine Brücke mit den alten Abschnitten verbunden werden sollen. Doch das ist erst mal noch Zukunftsmusik.

Zunächst soll Ende 2009 der große Verkehrsflughafen fertig gestellt werden. Aber auch die Schweiz wurde erst ein halbes Jahr später als geplant vollendet. Daher ist man im Wunderland mit der Festlegung auf Fertigstellungstermine äußerst vorsichtig. Als Vorbild für den neuen Mini- Flughafen dienen die Flughäfen Innsbruck, Stuttgart und natürlich Hamburg. Die Modellbauer picken sich für dieses neue Highlight jeweils die interessantesten Aspekte der drei Vorbilder heraus.

Wirklich abheben und durchs Wunderland fliegen werden die Flugzeuge jedoch nicht, lediglich Start und Landung, sowie natürlich das bunte Treiben auf dem Rollfeld und in den Terminals etc. soll simuliert werden.

Nicht nur die Hamburger Tourismusbranche profitiert ungemein von der Mini-Welt, auch die Modellbahnindustrie erreicht neue Kundenschichten. Galt die Modelleisenbahn bis vor wenigen Jahren noch als ein Hobby der Generation Ü-50, so interessieren sich immer mehr Kinder und Jugendliche nach einem Wunderland-Besuch für Opas Hobby. Die Folge: Die Hersteller erweitern ihr Standard-Angebot aus Fachwerkhäusern und Dampfloks um Bordelle und Fantasie-Züge.

Auch andere Schauanlagen profitieren vom Wunderland-Hype. Erste Nachahmer des Erfolgsrezeptes fanden sich in Berlin, wo seit einigen Jahren eine ähnliche Anlage steht. Konkurrenz sehen die Miwulaner in der Berliner Miniaturwelt allerdings nicht, denn schließlich ist jede Modellbahn anders und jede hat ihre Highlights. Ein Besuch der Berliner Anlage hält also nicht unbedingt von einem Besuch auch des Miniatur Wunderlandes ab.

Teil 3 : Die "Miwulaner"

Miniatur Wunderland  Dabei wird viel Fingerfertigkeit verlangt...

Die mittlerweile cirka 185 Mitarbeiter des Miniatur Wunderlandes sind ein äußerst buntes Volk. Gut 100 von Ihnen sind festangestellt. Klassische Modellbauer sind aber überraschenderweise in der Minderheit. Stattdessen arbeiten hier gelernte Zahnärzte, Goldschmiede und Tischler.

Regelmäßig wird Verstärkung gesucht. Zuletzt wurden sogar mit Hilfe des Fernsehens Leute gecastet. Hobby-Modelleisenbahner haben es aber schwer: Vorher nichts mit Modelleisenbahn zu tun zu haben ist ein wichtiges Kriterium um im Wunderland mitwerkeln zu dürfen, denn erfahrene Hobby-Schaffner haben häufig ein zu vorgefertigtes Bild, wie eine Modellbahn auszusehen hat.

Und die Individualität ist schließlich eines der Erfolgsgeheimnisse der Mini-Welt im Maßstab 1:87.

Ein gewisser Mindestgrad an Verrücktheit ist ebenfalls Pflicht. Neulinge, deren Schrauben noch nicht locker genug sitzen, werden spätestens nach einigen Stunden Verkabelungsarbeiten ihren gesunden Menschenverstand abgelegt haben.

Teil 4 : Ein Projekt der Superlative

 

Miniatur Wunderland Die Storebeltbrücke, das größte Bauwerk der Miniatur-Welt.

Das Miniatur Wunderland ist eine Attraktion der Superlative. Zahlreiche Rekorde stellten die Miwulaner bereits auf. Mit einer normalen Modelleisenbahn hat die Anlage mittlerweile kaum noch etwas gemein. Für die bisherigen Abschnitte einschließlich der Schweiz und des Flughafens wurden bislang gut 10 Millionen Euro verbaut. 5-6 Kredite musste man zur Realisierung der Bauten bislang aufnehmen. Die laufenden Kosten im Jahr 2007 betrugen etwa 7 Millionen Euro. Darin enthalten sind das Gehalt für die 185 Mitarbeiter, die Miete für die 6400 qm Fläche, von denen 1150 qm bebaut sind und natürlich die Energiekosten. 800.000 Kilowattstunden Biostrom zeigen die Zähler jedes Jahr an.

12 Kilometer Gleise wurden bislang verlegt, gut die Hälfte davon unter Tage in den sogenannten Schattenbahnhöfen. 890 Züge fahren kreuz und quer durchs Wunderland, der längste davon ist 14,51 Meter lang, was einer Vorbildlänge von 1,2 Kilometern entspricht. Im alten Elbtunnel stellte das Team der Miniatur-Welt sogar einen Weltrekord mit einem 107 Meter langen Modellzug auf. 300.000 LEDs bringen die Wunderwelt zum leuchten, allein 33.000 davon wurden in Las Vegas verbaut. 6000 Kilometer Kabel wurden bislang verlegt. Die Bauzeit für die einzelnen Abschnitte dauert immer länger.

Waren für die ersten drei Abschnitte Harz, Knuffingen und Alpen noch 9 Monate eingeplant gewesen, brauchte schon der Hamburg-Abschnitt ganze vier Monate länger als die ersten drei zusammen.

Amerika benötigte wiederum 11 Monate Bauzeit, für Skandinavien waren es 12, für die Schweiz sogar ganze 18 Monate. Die verlängerten Bauzeiten sind ein Tribut an den immer höheren Qualitätsanspruch und die immer aufwendigeren Techniken, die verwendet werden. So baute man in Skandinavien ein Echtwasserbecken, mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Litern und simuliert sogar Ebbe und Flut. Sollte das Becken ein Leck haben, wird dies von den zahlreichen Sensoren erkannt und das gesamte Wasser automatisch innerhalb von 8 Minuten in das Fleet gepumpt.

Die Schiffe, die über die Miniatur-See kreuzen, haben in etwa den Wert eines Kleinwagens. Skandinavien bietet noch weitere Superlative: Die Stabkirche in Norwegen, wohl eines der schönsten Gebäude im Wunderland, verschlang alleine gut 250 Arbeitsstunden. Die Storebeltbrücke, das größte Bauwerk der Miniatur-Welt hat eine Gesamtlänge von ganzen 10 Metern. Auch hinter dem Car-System steckt einiges an Investitionen. Die handelsüblichen Fahrzeuggehäuse kosten nicht mehr als 10 Euro. Wenn die Miwula-Bastler mit den kleinen Autos fertig sind, stecken ca. 800 bis 1000 Euro drin. Und der Wahnsinn geht weiter. Neue Superlative sind spätestens mit der Fertigstellung des Flughafens zu erwarten, die für Anfang 2010 ansteht.

Teil 5 : Technik die begeistert

Knuffingen im Miniatur Wunderland Hamburg Auf den Wunderland-Straßen ist jede Menge los.

Hinter dem Miniatur Wunderland steckt nicht nur viel Gips und Plastik, sondern auch eine ganze Menge modernster Technik, die zum großen Teil von den Machern selbst entwickelt wurde. Die bekannteste technische Meisterleistung ist wohl das Car-System, das besonders in der Fantasie-Stadt Knuffingen die Zuschauer begeistert.

800-1000 Euro stecken in jedem der kleinen Fahrzeuge. Ein Draht in der Fahrbahn dient den Autos als Leitsystem. 18 Mal pro Sekunde ortet sie der Computer. Warnblinkanlage, Bremslicht und Blinker gehören zur Standart-Ausstattung. Natürlich beachten die Fahrer auch die Vorfahrtsregeln und lassen der Feuerwehr den Vorrang, wenn diese einen Einsatz fährt. Wohin die Reise geht, bestimmt der Rechner per Zufallsprinzip. Bevor die Fahrzeuge aber auf ihre erste große Fahrt gehen können, bedarf es 15-45 Arbeitsstunden pro Modell um aus einem einfachen Plastikauto ein High-Tech-Gefährt für die Wunderland-Straßen zu machen.

In das kleine Gehäuse werden Getriebe, Motor, Akkus, Mikrochips, LEDs und ein Digitaldecoder eingebaut.

Noch aufwendiger als das Car-System ist die Schiffssteuerung. Bis heute werden die Schiffe per Fernsteuerung von den Mitarbeitern gesteuert. Der Traum von Ober-Tüftler Gerrit Braun ist es jedoch, eines Tages die Schiffe vom Computer vollautomatisch fahren zu lassen. Ein Draht, an dem sich die Schiffe orientieren, wie beim Car-System ist im Wasser nicht möglich. Das Hauptproblem liegt in der Ortung, denn das Element Wasser ist absolut unberechenbar.

Viele Variablen, wie Strömung, Ebbe und Flut und vor allem die durch die Besucher veranlassten Bewegungen müssen beachtet werden. Gerrit Brauns Plan war es, ein Programm zu schreiben, das die Schiffe über Ultraschall mit 0,0mm Präzision steuert, um Anlegemanöver zu simulieren und Autos auf die Fähre fahren lassen zu können. Er schaffte immerhin eine Genauigkeit von 0,6mm. Zu Testzwecken lief die Steuerung ganze zwei Tage, bis Gerrit eine Funkfernbedienung fallen lies. Seitdem funktioniert die automatische Schiffssteuerung nicht mehr. Bis der Schaden repariert ist, müssen die Mitarbeiter selber Kapitän spielen. Vorrang für Tüftler Gerrit Braun haben aber zunächst die Entwicklungen für den Flughafen-Abschnitt.

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