Bezirk Hamburg-Mitte

St. Pauli Esso-Häuser: Gutachten stellt schwere Schädigung der Gebäudesubstanz fest

Bezirksamt Mitte ordnet Sofortmaßnahmen zur Gebäudesicherung an.

Esso-Häuser: Gutachten stellt schwere Schädigung der Gebäudesubstanz fest

Das vom Bezirksamt Hamburg‐Mitte beauftragte Gutachten zum baulichen Zustand der sog. Esso‐Häuser am Spielbudenplatz belegt eine weit vorangeschrittene Schädigung der Stahlbetonkonstruktion und einen sofortigen Handlungsbedarf zur Gewährleistung der Standsicherheit. Eine konkrete Gefahr für die Standsicherheit in Teilbereichen der Tiefgarage und damit der darauf stehenden Wohngebäude ist nach den Feststellungen der Gutachter nicht auszuschließen.

Das Bezirksamt Hamburg‐Mitte als zuständige Bauaufsichtsbehörde wird deshalb heute für die betroffenen tragenden Bauteile die sofortige Durchführung von Abstützungsmaßnahmen verfügen. Die Nutzung der Tiefgarage wird bis auf weiteres untersagt.

Die Gutachter (Büro DR Architekten) haben in der bisher gründlichsten Untersuchung der Esso‐Häuser bei nahezu allen entnommenen Proben eine weit fortgeschrittene Schädigung des Stahlbetons festgestellt. Die Durchdringung des Betons durch Carbonat (CO 2 der Luft) und Chloride (Tausalze) führt zur Zersetzung des innen liegenden Stahls und reduziert Standfestigkeit und Brandsicherheit des Gebäudes. Eine wesentliche Ursache hierfür ist die jahrzehntelang vernachlässigte Instandhaltung. Das entscheidende Problem liegt in der angegriffenen Tragfähigkeit der Tiefgaragenkonstruktion, auf der sämtliche übrigen Gebäudeteile lasten. Unabhängig von den erforderlichen Sofortmaßnahmen sind deshalb ohne eine Grundinstandsetzung der gesamten tragenden Betonkonstruktion der Tiefgarage (50% der Gebäudefläche) auch die übrigen Gebäudeteile nur noch für einen begrenzten Zeitraum nutzbar.

Die erforderliche Instandsetzung der Tiefgarage hätte den Charakter einer „Restaurierung“, da alle tragenden Bauteile einzeln untersucht und mit meist erheblichem Aufwand instandgesetzt bzw. ausgetauscht werden müssten. Es ist davon auszugehen, dass der Gesamtaufwand den eines Neubaus deutlich übersteigt. Während der Sanierung der Tiefgarage wären die Wohngebäude nicht bewohnbar. Mit der Restaurierung der Betonsubstanz würde lediglich der Ursprungszustand aus den 60er Jahren wieder hergestellt. Investitionen in Modernisierung, Haustechnik, Dämmung, Brandschutz, Schallschutz etc. kämen hinzu. Da die Statik der Gebäude nahezu vollständig ausgeschöpft ist, könnten zeitgemäßer Schallschutz, Brandschutz und teilweise auch Wärmedämmung in den Wohngebäuden nicht umgesetzt werden, da das Gebäude keine zusätzlichen Lasten tragen kann. Daher ist auch die ergänzende Bebauung oberhalb der Tiefgarage nicht umsetzbar.

Dazu Andy Grote, Bezirksamtsleiter Hamburg‐Mitte: Der bauliche Zustand der Esso‐Häuser ist deutlich schlechter als befürchtet. Im Vordergrund steht jetzt unsere Verantwortung für die Sicherheit der Bewohner und übrigen Nutzer. Ein realistischer Spielraum für den Erhalt der Häuser ist selbst bei gutem Willen kaum noch gegeben. Für die Sanierung wäre ein immenser Aufwand in die Wiederherstellung des 60er‐Jahre‐Betons zu investieren, ohne dass ein Verbleib der Mieter, bezahlbare Mieten, moderner Wohnstandard oder auch nur zeitgemäßer Brandschutz gesichert wären. Die Ziele der Kritiker, wie der Erhalt bezahlbarer Mieten, der Vielfalt St. Paulis, der gewachsenen Milieus teile ich ausdrücklich und sind der entscheidende Maßstab für jede Neubebauung.“

Zum Hintergrund der Gutachtenbeauftragung:

Das Gutachten war vom Bezirksamt HamburgMitte in Abstimmung mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt(BSU) beauftragt worden, um für die zu treffenden Entscheidungen neutrale, verlässliche, fundierte und fachlich nicht angreifbare Grundlagen zu haben. Das Gutachten ist daher auch Voraussetzung für eine transparente und sachliche öffentliche Diskussion, für die Begründung von Argumenten und für die Akzeptanz von Ergebnissen.

Um das Ausmaß der Schädigung und Sanierungsfähigkeit der Gebäude hat es einen Konflikt zwischen den Grundeigentümern und der Initiative ESSOHäuser gegeben.

Für Rückfragen:

Bezirksamt Hamburg-Mitte
Pressestelle
Sorina Weiland
Tel.: +49 40 42854-2877
E-Mail: pressestelle@hamburg-mitte.hamburg.de

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