Bezirk Hamburg-Mitte

Bürgerpreis 2018 verliehen Bezirksversammlung würdigt Integrationsarbeit

Bereits zum zwölften Mal hat die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte den Bürgerpreis für herausragendes Engagement in der Integrationsarbeit verliehen.

Bezirksversammlung würdigt Integrationsarbeit

Für den Bürgerpreis 2018 wurden 45 Vorbilder vorgeschlagen, aus denen die Jury fünf herausragend Engagierte als Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt hat. Eine Person wurde zudem für ihr Engagement geehrt. Die Preise wurden bei einer Feierstunde mit geladenen Gästen am 11. November 2018 im Hotel Hafen Hamburg überreicht.

Die Preisträger 2018


AG Integration und Antirassismus am Gymnasium Finkenwerder
Die AG Integration und Antirassismus wurde 2013 von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Finkenwerder gegründet und besteht aktuell aus neun regelmäßigen AG Mitgliedern der Klassen 8 bis 11. An Projekttagen wird die AG durch jüngere Schülerinnen und Schüler erweitert. Der Anstoß zur Gründung der AG war die Erkenntnis, dass Diversität und Vielfalt bereichernd sind. Durch die AG arbeiten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Jahrgängen zusammen, welche sonst wenig bis gar keinen Kontakt miteinander hätten.

In regelmäßigen Treffen wird über aktuelle Probleme, auch solche die im Schulbetrieb auftreten diskutiert, und gemeinsam nach Lösungsvorschlägen gesucht. Raum für Begegnungen werden durch die Ausflüge mit der Internationalen Vorbereitungsklasse der Partnerschule geschaffen. In diesem Jahr wurde zum zweiten Mal eine Projektwoche selbst organisiert und ein eigener Film mit dem Titel „Andere Zeiten – Gleiche Fehler?“ produziert.

Die AG Integration und Antirassismus erhält für ihr Engagement ein Preisgeld von 2.000 Euro, welches zur Organisation einer außerordentlichen Projektwoche zum Thema Integration verwendet werden soll.

Anima Awudu-Denteh
Frau Awudu-Denteh berät und unterstützt als Kulturmittlerin afrikanische Eltern bei Schwierigkeiten im deutschen Schul- und Erziehungssystem. Sie leistet somit herausragende Dienste in der Integrationsarbeit für die afrikanische Community in Mümmelmannsberg und anderen Hamburger Stadtteilen. Sie selbst als Christin ist durch ihre muslimische Familie ein Verbindungsglied zur afrikanischen muslimischen Gemeinde und Vorbild im interreligiösen Zusammenleben.

Neben ihrer Tätigkeit in der sozialpädagogischen Familienhilfe und als Kulturberaterin in Schulen, unterstützt sie ehrenamtlich Familien auch noch nach Jahren, wenn formale Hilfesysteme nicht greifen. Zusätzlich ist sie als 2. Vorsitzende im Verein Stadtteilkantorat Mümmelmannsberg e.V. für die interreligiöse und interkulturelle Begegnung durch Singen im Stadtteil aktiv. In der Partnerschaft für Demokratie in Mümmelmannsberg ist sie ein festes und sehr geschätztes Mitglied im Begleitausschuss. Ziel ihrer Arbeit ist es, die Familien mit Migrationshintergrund dabei zu unterstützen, sich angekommen, verantwortlich und akzeptiert zu fühlen, um aktiv am gesellschaftlichen und schulischen Leben teilzuhaben.

Das Preisgeld von 1.500 Euro soll voraussichtlich zur Unterstützung wichtiger Integrationswerkzeuge wie zum Beispiel dem Youth Education Award oder dem Nachhilfeprogramm „EduKids“ verwendet werden.

Tanja Antonia Heine und Christine Simon-Noll
Frau Heine und Frau Simon-Noll engagieren sich ehrenamtlich für die Flüchtlingshilfe HafenCity e.V. Die unabhängige Initiative von Ehrenamtlichen, die sich seit März 2016 für Geflüchtete in der Hafencity einsetzt, bietet Leistungen wie Deutschkurse, ein Begegnungscafé oder Unterstützung bei der Suche nach Arbeits- und Praktikumsplätzen an.

Frau Simon-Noll als 1. Vorsitzende des Vereins kümmert sich um die Vernetzung mit anderen Akteuren im Stadtteil, rekrutiert neue ehrenamtliche Helfer und Helferinnen und initiiert neue Projekte. Die Motivation und Energie mit der Frau Simon-Noll sich in der HafenCity für Integration und den Bedürfnissen der Flüchtlinge einsetzt ist vorbildlich. Durch ihre positive Einstellung und anpackende Art gewinnt Sie nicht nur die Unterstützung Dritter, sondern erreicht auch die Teilhabe der Bewohnerinnen und Bewohner aus der Unterkunft an Aktivitäten im Stadtteil.

Frau Heine hat das Projektes Hex House initiiert und entscheidend zur Realisierung beigetragen. Das Hex House, als Prototyp eines mit einfachen Mitteln zu bauendes Holzhaus, wurde am 30.08.2018 fertiggestellt. Es ist ein Begegnungsraum für Geflüchtete, in dem verschiedene Aktivitäten unabhängig von der Öffnungszeit der Wohnunterkunft angeboten werden.

Das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro wird in die Ausstattung des Hex Houses mit Musikinstrumenten für die Nutzung durch Kinder und Erwachsene sowie Materialien für eine Nähwerkstatt fließen.

Susanne Groth
Frau Groth ist die Erstellerin des Bildbandes „Abseits - Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburgs Mitte“ zugunsten des CaFée mit Herz in Hamburg St. Pauli. Anhand von berührenden, emotionalen Interviews mit Porträtfotos und schonungslos ehrlichen Bekenntnissen wird ein Einblick in das Leben obdachloser und sozial schwacher Menschen gewährt. Weiterhin ist Frau Groth die Gründerin des Vereins „Leben im Abseits e. V.“. Sie organisiert zusätzlich Ausstellungen, Lesungen und Seminare zum Thema Bedürftigkeit und Obdachlosigkeit und legt dabei ein überdurchschnittliches Engagement in der Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Armut und Davidwache an den Tag. Der Verein Leben im Abseits e.V. will die Situation von Hilfsbedürftigen durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit verbessern und ist bestrebt die bestehenden Institutionen besser zu vernetzen. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins führen dabei Kampagnen und Projekte zur Sensibilisierung für die Lebenssituation von bedürftigen Menschen durch.

Das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro soll für Equipment wie zum Beispiel Beamer und Laptop zur Durchführung weiterer Ausstellungen und Veranstaltungen verwendet werden.

Ehrung


Peter Schuldt
Herr Schuldt ist Gründer des Chors Gospel Train und Modulleiter des Projektes The Young ClassX.

Der Gospel Train ist 1999 aus dem Mittelstufenchor der Goethe Schule Harburg hervorgegangen. Die kulturelle Vielfalt des Hamburger Südens, als „Schmelztiegel“ vieler Kulturen, spiegelt sich auch in der Besetzung des Gospel Train mit aktuell 110 Sänger und Sängerinnen aus rund 30 Nationen wider. In der Musik werden grundlegende Werte wie Liebe, Freundschaft, Toleranz und Hilfsbereitschaft behandelt. Die unterschiedlichen Klangfarben der Nationen und stilübergreifenden Arrangements ihres Chorleiters Herrn Schuldt haben dem Chor zu einem unverwechselbaren Profil und vielen Auszeichnungen verholfen. Der Gospel Train ist heute international gefeiert und bringt in diesem Jahr die mittlerweile vierte CD heraus. Der Chor hat Gastauftritte in ganz Deutschland und dem Ausland und gilt damit längst als einer der bekanntesten Kulturbotschafter Hamburgs.

The Young ClassX ist ein Projekt, welches sich vor allem an junge Menschen aus prekären Stadtteilen richtet und diese frühzeitig für gemeinsames Singen und Erlernen von Instrumenten begeistern soll. Das Projekt wurde gemeinsam von der Otto Group, dem Ensemble von Salut Salon und Herrn Schuldt initiiert und bieten jedem Schüler kostenlos die Möglichkeit zu musizieren. The Young ClassX hat bereits über 8.400 Schülern an 67 Hamburger Schulen für Musik begeistern können.

Herrn Peter Schuldts Engagement trägt dazu bei, dass Werte wie Toleranz und Hilfsbereitschaft mit Leben und Musik gefüllt werden. Die Kulturlandschaft der Stadt Hamburg wird durch Herrn Schuldts Wirken außerordentlich bereichert.


Der Bürgerpreis der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte war in diesem Jahr mit 5.500 Euro dotiert. Von der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte wurden 3.250 Euro zur Verfügung gestellt,die zum wiederholten Mal durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) und die WALL GmbH um jeweils 1.000 Euro aufgestockt wurden. Die IFB Hamburg unterstützt zum fünften Mal den Bürgerpreis Hamburg-Mitte und fördert die Würdigung herausragender, engagierter Menschen. Die WALL GmbH ist seit 2009 Teil der internationalen JCDecaux-Gruppe und seit 1982 Partner der Freien und Hansestadt Hamburg in der Außenwerbung.

In Hamburg leben über 650.000 Menschen mit Migrationshintergrund, davon allein etwa 147.000 im Bezirk Hamburg-Mitte. Die Hälfte der unter 18-jährigen Hamburgerinnen und Hamburger hat einen Migrationshintergrund.

Vor diesem Hintergrund ist das Thema Integration für den Bezirk von besonderer Bedeutung. Viele Menschen in Hamburg-Mitte engagieren sich mit dem Ziel, die gesellschaftliche Teilhabe aller zu ermöglichen. Sie geben damit ein Beispiel für andere. Integration braucht solche engagierten Vorbilder, die Verantwortung für gesellschaftliches Miteinander übernehmen.