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Fragen & Antworten FAQ zu Nutrias in Hamburg

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Häufig gestellte Fragen zu Nutrias und Antworten darauf.

Eine Nutria mit Stück Brot in der Hand. Ein Nutria mit Brot aus einer - verbotenen - Fütterung. Auffällig sind die Hinterfüße mit Schwimmhäuten, die weißen Tasthaare und die orangenen Schneidezähne.

FAQ zu Nutrias in Hamburg

Kapitelübersicht

Was sind Nutrias eigentlich?

Die Nutria (Myocastor coypus) ist eine aus Südamerika stammende und in Deutschland eingebürgerte (Neozoon) Nagetierart.

Sie ist kleiner als der einheimische Biber (Castor fiber) und größer als die aus Nordamerika stammende Bisamratte (Ondatra zibethicus). Nutrias haben einen runden Schwanzquerschnitt, Biber haben einen flachen, breiten Schwanz (Biberkelle), Bisamratten haben einen linsenartigen Schwanzquerschnitt. An den Hinterfüßen haben Nutrias Schwimmhäute. Große Tiere können eine Länge von über 60 cm (ohne Schwanz) erreichen. Auffällig ist bei erwachsenen Tieren die orange Färbung (hervorgerufen durch Eiseneinlagerungen) der Nagezähne. Die natürliche braune Fellfarbe und die Fellstruktur ähneln optisch sehr der Farbe und Struktur der Felle unserer einheimischen Biber. Unter günstigen Bedingungen kann ein Nutriaweibchen bis zu 40 Nachkommen jährlich haben. Das ist der Grund für die zeitweise starke Vermehrung der Tiere.
In ihrer ursprünglichen Heimat (Südamerika) erstreckt sich das Verbreitungsgebiet vom südlichen Brasilien bis nach Feuerland. In ihrer Heimat wurden sie wegen ihres Pelzes so intensiv bejagt, dass sie fast ausgerottet waren.

Um den Bedarf an ihren Pelzen zu decken, wurden sie seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Farmen gezüchtet. Auch in Deutschland wurden Nutrias zur Pelzproduktion schon vor dem 2. Weltkrieg gehalten. In der DDR wurde die Pelzproduktion als wichtiger Devisenbringer und zur Selbstversorgung intensiviert. Dadurch entstanden in der DDR bis zur Wiedervereinigung viele Farmen. Diese waren nach den neuen wirtschaftlichen Bedingungen unrentabel. Durch gezieltes Freilassen der Tiere aus den unrentablen Pelztierfarmen und durch "Tierbefreiungsaktionen" ist eine sehr große Zahl von Tieren in die Natur gelangt. Diese bildeten die Basis der jetzigen freilebenden Nutriapopulationen, die auch Hamburg erreicht haben.

Kapitelübersicht

Wem "gehören" die Nutrias, wer kommt für die verursachten Schäden auf?

Nutrias sind wildlebende Tiere und gelten als herrenlos (§ 960 Bürgerliches Gesetzbuch, BGB). Es gibt also weder Eigentümer*in noch Besitzer*in. Deshalb gibt es weder natürliche noch juristische Personen, die für die Schäden aufkommen oder gegen die Tiere vorgehen müssen (auch nicht die Freie und Hansestadt Hamburg). Generell ist also festzuhalten, dass Grundstückseigentümer*innen für die evtl. entstandenen Schäden selbst aufkommen müssen. Dies gilt demnach auch bei einer Bekämpfung. Die Freie und Hansestadt Hamburg ist nicht verpflichtet Maßnahmen gegen Nutrias durchzuführen, steht aber gerne beratend zur Seite.

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Darf ich Nutrias füttern?

Nein, in Anbetracht der Tatsache, dass mit dem Füttern von Nutrias auch Ratten mit gefüttert werden und dadurch ein Beitrag zur Vermehrung dieser Schädlinge geleistet wird, appelliert die Umweltbehörde an dieser Stelle mit Nachdruck an alle Bürger*innen der Stadt, das Füttern zu unterlassen.

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Was kann ich an meinem Grundstück tun?

Besitzer von Grundstücken am Wasser sollten potentielle Wurf- und Aufzuchtplätze sowie Unterschlupfmöglichkeiten (z. B. alte Tonröhren, Höhlen usw.) beseitigen bzw. verschließen. Hierbei muss allerdings darauf geachtet werden, dass auch Fischotter solche Höhlungen nutzen. Ihnen muss auch in Zukunft noch ein Angebot an Rückzugsmöglichkeiten erhalten bleiben.

Ansonsten liegt es in der Verantwortung der jeweiligen Grundstücksnutzer die Tiere durch geeignete, stabile Umfriedungen (z. B. Drahtzäune mit Untergrabenschutz, Mauern usw.) vor ihrem Grundstück fernzuhalten, um Schäden zu verhindern.

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Kann ich Nutria bekämpfen lassen

Grundsätzlich liegt eine mögliche Beseitigung von Nutria auf Grundstücken, beispielsweise aufgrund von Schäden im Garten oder an der Böschung, in der Verantwortung der Eigentümer*innen bzw. Verantwortlichen.

Die Nutria unterliegen in Hamburg nicht dem Jagdrecht, weder nach dem Bundesjagdgesetz (BJagdG) noch nach Hamburgischem Jagdgesetz (HmbJagdG). Sie können in Hamburg jedoch im Rahmen des Jagdschutzes bekämpft werden. Eine Verpflichtung auf Seiten der Jägerschaft besteht nicht.

In befriedeten Gebieten gemäß § 2 Hamburgischem Jagdgesetz, zu denen beispielsweise Wohngebäude, Hausgärten und Friedhöfe gehören, ruht die Jagd. In begründeten Einzelfällen sind Ausnahmen möglich. Nähere Informationen erteilen die örtlich zuständigen Hamburger Jägermeister (Kontaktdaten).

Eine ständige, flächendeckende Bejagung der Tiere in befriedeten Gebieten erfolgt in der Stadt Hamburg nicht. Die einzige realistische Möglichkeit, die Tiere hier in ihrer Zahl zu reduzieren liegt darin, den Lebensraum zu entziehen (z.B. durch Zäune) und die Fütterung der Tiere zu unterlassen.

Der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsfirmen erfordert in einem befriedeten Gebiet den Auftrag des Grundstückseigentümers und in Jagdbezirken die Zustimmung der Jagdausübungsberechtigten. Um eine Bekämpfung durchführen zu können, benötigen professionelle Schädlingsbekämpfungsfirmen neben der entsprechenden Sach- und Fachkunde auch eine Schießerlaubnis, einen Jagdschein, eine Genehmigung für die Ausübung der Fallenjagd nach sowie eine Erlaubnis nach Tierschutzgesetz.

Kapitelübersicht

Gehen Gefahren von Nutrias aus und was habe ich zu beachten?

Obwohl die Nutrias bei uns von Farmtieren abstammen, sind es mittlerweile echte Wildtiere und auf keinen Fall Streicheltiere, wenngleich sie auch sehr zutraulich sein können. Es ist deshalb grundsätzlich auf Abstand zu achten.
Werden Nutrias in die Enge getrieben oder provoziert, wehren sie sich energisch, auch gegen Hunde. 

Gefahren können den Grundstücksnutzern durch die Wühltätigkeit der Tiere insbesondere im gewässernahen Bereich und die damit verbundenen Einsturzmöglichkeiten entstehen.
Es gilt besonders:

  • Abstand halten!
  • Nicht füttern!
  • Bei der Bewirtschaftung von Feldern, Abstand zum Gewässer wahren (siehe auch Gewässerrandstreifen nach § 9 Abs. 2 HmbBNatSchAG)!
Kapitelübersicht

Können Nutria gegessen werden?

Das Wildbret von Nutrias ist schmackhaft und für den menschlichen Verzehr geeignet. Gemäß der Durchführungsverordnung (EU) 2015/1375 müssen Nutrias von Veterinären auf Trichinen untersucht werden, um eine Kontamination ausschließen zu können.

Kontakt

Christian Hach / Tobias Langguth

Referat Arten- und Biotopschutz, Invasive Arten

Freie und Hansestadt Hamburg
Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft
Neuenfelder Straße 19
21109 Hamburg
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