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Altona Kapitän Schröder Park

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(Grünzug Neu-Altona) Am Sonntag, den 12. Mai 2019  erhielt die Grünfläche zwischen St.-Pauli Fischmarkt und der Kirche St. Trinitatis den Namen Kapitän-Schröder Park. Damit erinnert Hamburg an den Kapitän, der vor 80 Jahren aufbrach, um nach einer Irrfahrt auf dem Atlantik schließlich mehr als 900 Juden vor der NS-Verfolgung zu retten.

Kapitän Schröder Park

Wie ein grüner, langsam vor sich hin fließender Fluss windet sich der Grünzug Neu-Altona vom Bahnhof Holstenstraße, über die Max Brauer Allee, entlang von Hochhäusern, Spielplätzen, durch und vorbei an Friedhöfen, über die Königsstraße bis zum Fischmarkt im Süden und letztendlich bis an die Elbe. Nicht kreuzungsfrei. Nicht ohne dem Lärm der Großstadt, den Geräuschen des Verkehres immer wieder zu begegnen. Gute zwei Kilometer auf grünen, teils verwunschenen Wegen durch Altona.

Aber auf seinem Weg in Richtung Süden, in der Kette an Parkanlagen, wie dem Emil Wendt Park oder dem alten Friedhof an der Norderreihe, dem Jüdischen Friedhof Altona oder eben dem Kapitän Schröder Park, gibt es ebenso Momente der Ruhe, in denen man kaum glauben mag, dass rundherum fast zwei Millionen Menschen wohnen, leben und lieben. Das machen die alten, manche ehrwürdigen Bäume aus. Wenn man so will ist es ein einziger Landschaftspark mit Anleihen an englische Traditionen.

Der Grünzug Neu Altona gehört zum so genannten Grünen Netz Hamburg. Mit dem Ersten und dem Zweiten Grünen Ring, zwölf Landschaftsachsen, 1.300 Parkanlagen und ungezählten Grünzügen in und zwischen den Stadtteilen.

Deshalb ist die Namensgebung für den Kapitän Schröder Park genau hier, an städtebaulich bedeutendem Ort, mittelbar an der Elbe und in einem Grünzug erfolgt. Denn die Odyssee, die Gustav Schröder mit seinem Dampfer „St. Louis“ im Jahr 1939 erlebte, verlangt den vollen Respekt des Betrachters.

Eine Odyssee nach Europa über Kuba und die USA

Im Mai 1939 verließ Schröders Schiff mit 937 Juden an Bord den Hafen. Sie wollten Kuba erreichen. Die Passagiere wollten sich nicht der Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten hingeben. Aber sowohl Kuba als auch die USA wollten die jüdischen Flüchtlinge nicht aufnehmen. Selbst der US Präsident Roosevelt reagierte nicht auf die verzweifelten Anfragen, an Land gehen zu dürfen.

Die Stimmung an Bord sank immer weiter ab. Zu groß die Angst, doch wieder im Nazi-Deutschland und damit im KZ zu enden. Ein jüdischer Passagier kommentierte die Situation: „Wenn der Kapitän mit dem Schiff heil bis Cuxhaven kommt, dürfte er wohl etwa 100 Kabinen leer vorfinden, denn wir fürchten das KZ mehr als den Tod.“ Gustav Schröder gedachte sogar, sein Schiff an der englischen Küste auf Grund zu setzen, um so seine Passagiere vor dem NS Regime zu retten.

Yad Vashem ehrt Gustav Schröder

Am Ende nahmen Belgien, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande die Menschen bei sich auf. Es war nicht das Ende der Leiden dieser Juden. Gustav Schröder notierte in seinem Tagebuch: „Der Gedanke, dass es Menschen gegeben hat, die erst im KZ waren, dann die Passionsfahrt der ,St. Louis‘ mitmachten, um schließlich im KZ elendig zu verenden, ist mehr als bedrückend.“

Und man mag es kaum für möglich halten, Schröder war Mitglied der NSDAP. Aber seine Grundsätze waren in der Humanität verankert, sein Handeln ein Beispiel für Zivilcourage, in einer Zeit, in der Humanität ein weitgehendes Fremdwort im Nazi-Deutschland war. Deutlich nach Ende des Krieges wurde der Kapitän in Israel als "Gerechter unter den Völkern" in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geehrt.

Insbesondere Sonntags bietet sich vor oder nach dem Fischmarkt die Möglichkeit, auf kurzen Wegen, ohne größeren Aufwand, den Park in Gedenken an den Menschen unter Nazis, an Gustav Schröder, zu besuchen. Sich für Augenblicke auf den Parkbänken, den Treppenanlagen oder am Fuße der Großbäume niederzulassen und sich der Kontemplation hinzugeben. Oder sich an die Taten des längst verstorbenen Kapitäns zu erinnern - mit Blick auf den Hafen. Oder auf den großen gepflasterten Plätzen mit kleinen Ballspielen zu beschäftigen oder die eigenen Kinder, hier im Herzen St. Paulis, das Radeln zu lehren.

Gustav Schröder starb 1959 in Hamburg.

Karte

Zusatzinformation

Bezirk:Altona
Lage:zwischen Königstraße und Fischmarkt
ÖPNV:S1 / S3 Station Königstraße
Fläche:ca. 3,5 ha
Spielplatz:vorhanden
Hundeauslaufzone:ausgewiesen

Kontakt

Hajo Schaefer

Bezirksamt Altona
Fachamt Management des öffentlichen Raumes
Jessenstraße 1-3
22767 Hamburg
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