Erste Station der Reise war Gdańsk (Danzig), einer der größten und modernsten Seehäfen Europas und Hauptstadt des polnischen Verwaltungsbezirks Pommern. Mit Gdańsk sowie den Nachbarstädten Gdynia und Sopot bildet Pommern eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen Polens. Bürgermeister Tschentscher betonte während des Besuchs in der Stadt die lange Verbundenheit Hamburgs und Norddeutschlands mit der Region: „Seit Jahrhunderten verbinden uns die Ostsee und ihre Wasserwege“, sagte er. Zudem kommt Gdańsk und Pommern aufgrund der Lage an der Ostsee und der Nähe zur russischen Exklave Kaliningrad heute eine besondere Bedeutung an der NATO-Ostflanke zu. In einer Welt, in der geopolitische Spannungen bewährte Sicherheitsstrukturen in Frage stellen und Lieferketten stören, ist eine enge Zusammenarbeit mit starken und verlässlichen Partnern wichtig, „die unsere Werte teilen“.
Die Lage verändere sich, doch der Wandel in der Welt biete auch neue Chancen. „Gemeinsam können wir die digitale Transformation in Wirtschaft und Verwaltung vorantreiben, die Cybersicherheit stärken, unsere wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen und unsere Energiesysteme unabhängiger und nachhaltiger gestalten“, sagte Bürgermeister Tschentscher während eines Empfangs in Gdansk. Darüber hinaus könne man gemeinsam neue Technologien im Bereich Sicherheit und Verteidigung entwickeln, die sowohl militärischen als auch zivilen Anwendungen zugutekommen.
Litauen und Lettland: Sicherheit, Verteidigung und Cybersicherheit
Ganz im Fokus von Verteidigung und Sicherheit stand die Station Vilnius, Hauptstadt Litauens. Hier besuchten Bürgermeister Tschentscher und Ministerpräsident Günther die Panzerbrigade 45 „Litauen“ der Bundeswehr am Standort Nemenčinė. Beide Regierungschefs nutzten den Besuch, um sich mit dem stellvertretenden Kommandeur der Brigade über den Einsatz an der NATO-Ostflanke auszutauschen. Darüber hinaus standen politische Gespräche insbesondere mit Litauens Minister für Verkehr und Kommunikation sowie dem Minister für Wirtschaft und Innovation auf dem Programm. Vilnius ist mit rund 890 Start-ups ein führender Technologie- und Gründungsstandort in der Europäischen Union. Die Delegation aus Hamburg und Schleswig-Holstein nutzte die Gelegenheit, sich aus erster Hand über Entwicklungen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie im IT-Sektor zu informieren.
Letzte Station der Reise in den Ostseeraum war Riga. Die Hauptstadt Lettlands ist die größte Metropole sowie der wichtigste Seehafen des Baltikums. „Dank ihrer geografischen Lage und ihrer Häfen fungieren Hamburg und Schleswig-Holstein als Brücke innerhalb der Ostseeregion und verbinden diese mit den globalen Märkten“, betonte Bürgermeister Tschentscher in der lettischen Hauptstadt die enge Verbindung der Regionen.
In Riga informierte sich die Delegation auch über Möglichkeiten der Digitalisierung. Lettland gilt als ein europäisches Vorbild für digitale Verwaltung. Der wirtschaftliche Schwerpunkt Rigas liegt heute vor allem in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Während eines Besuchs in der Technischen Universität Riga besichtigte die Delegation beispielsweise das UniLab Defence. Hier standen Lettlands Kompetenzen in autonomen Systemen und Drohnentechnologien im Mittelpunkt. Auch Themen wie Cybersicherheit und digitale Souveränität standen auf dem Programm. Politische Gespräche mit der lettischen Ministerpräsidentin und weiteren Kabinettsmitgliedern boten Einblicke in Lettlands Lage an der EU-Ostgrenze nach Russland.
Während eines gemeinsamen Empfangs mit der deutschen Botschafterin Gudrun Masloch betonte Tschentscher, dass die Delegation während der Besuchstage viel darüber erfahren habe, wie Polen und die baltischen Staaten auf die russische Bedrohung der europäischen Sicherheit reagieren. „Die Botschaft unserer Reise lautet: Wir sind bereit, die Zusammenarbeit mit unseren baltischen Nachbarn in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, insbesondere in den Bereichen Häfen und maritime Wirtschaft, Cybersicherheit und Verteidigung zu vertiefen,“ bekräftigte er. Gemeinsam mit den NATO-Partnern schütze man nicht nur europäisches Territorium, sondern auch die Werte von Demokratie und Freiheit. “Hamburg und Schleswig-Holstein setzen sich für die Stärkung ihrer Beziehungen zu Lettland und den baltischen Staaten ein und wollen zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Widerstandsfähigkeit unserer Länder beitragen“, versprach er.
Am Freitag kehrte die Delegation aus Hamburg und Schleswig-Holstein wieder nach Norddeutschland zurück.
Hintergrund: Hamburg, Schleswig-Holstein und der Ostseeraum
Hamburg und Schleswig-Holstein verbinden traditionell gute Beziehungen mit dem Ostseeraum, die bis in die Hansezeit zurückreichen. Durch ihre geografische Lage und ihre Häfen haben beide norddeutschen Bundesländer eine Brückenfunktion zwischen Skandinavien und Mitteleuropa sowie zwischen Ost- und Nordsee und stellen dadurch die Anbindung des Ostseeraums an die internationalen Märkte sicher. Angesichts der veränderten geopolitischen Lage in Europa gewinnt die Zusammenarbeit in den Bereichen wirtschaftliche Resilienz, Energieversorgung, digitale Souveränität und Innovation zunehmend an Bedeutung. Über Kooperationsformate wie die EU-Ostseestrategie, die Union of the Baltic Cities und die Baltic Sea States Subregional Cooperation unterhalten beide Bundesländer seit den 1990er Jahren sehr enge wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Verbindungen in den baltischen Raum.
Die beiden Regierungschefs wurden von einer hochrangigen Delegation begleitet. Neben Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke, Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, Hamburgs Staatsrätin Liv Assmann, Mitgliedern der Hamburgischen Bürgerschaft und des Schleswig-Holsteinischen Landtages nahm auch eine Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft teil.