Gemeinsame Abläufe für besondere Lagen trainieren
Mit der Übung Red Storm Charlie bereitet sich Hamburg auf mögliche Krisen- und Verteidigungslagen vor. Unter Leitung des Landeskommandos Hamburg trainieren Einheiten der Bundeswehr gemeinsam mit zivilen Partnern, wie militärische Maßnahmen und notwendige Unterstützungsleistungen ziviler Stellen koordiniert werden können.
Ein wesentliches Ziel der Übung ist es, gemeinsame Abläufe und Abstimmungen praktisch zu erproben, Verantwortlichkeiten zu klären und die beteiligten Organisationen weiter miteinander zu vernetzen. Red Storm Charlie knüpft an die Übungen Red Storm Alpha im Jahr 2024 und Red Storm Bravo im Jahr 2025 an und entwickelt das Übungskonzept weiter. Erstmals werden dabei auch Kolonnen aus anderen Bundesländern nach Hamburg verlegt.
Die Bundeswehr hat auf einer Sonderseite alle wichtigen Informationen zusammengestellt und gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Deutschland als logistische Drehscheibe
Das Manöver findet vor dem Hintergrund eines fiktiven Szenarios statt: Politische Entwicklungen und Spannungen an den Grenzen der baltischen Staaten machen eine vorsorgliche Verlegung verbündeter militärischer Kräfte an die Ostflanke des NATO-Bündnisgebiets erforderlich.
Für Hamburg bedeutet dies im Rahmen der Übung, dass Truppen mit Ausrüstung in der Stadt eintreffen, aufgenommen und anschließend über Straßen und Autobahnen in Richtung Osten weiterverlegt werden. Die Transporte führen auch durch Teile des Hamburger Stadtgebiets. Einen besonderen Schwerpunkt bildet der Hamburger Hafen, der aufgrund seiner Verkehrs- und Logistikinfrastruktur eine wichtige Rolle innerhalb der sogenannten Drehscheibe Deutschland einnimmt.
Der Operationsplan Deutschland beschreibt, wie militärische Maßnahmen der Landes- und Bündnisverteidigung mit zivilen Unterstützungsleistungen zusammengeführt werden können. Er soll dazu beitragen, Zuständigkeiten, Verfahren und Abläufe frühzeitig festzulegen, damit staatliche und zivile Stellen in besonderen Sicherheitslagen abgestimmt handeln können.
Verkehrsbehinderungen und Fluglärm möglich
Die Übung ist so geplant, dass der Hafenbetrieb, der Verkehr und das tägliche Leben in Hamburg möglichst wenig beeinträchtigt werden. Die Bewegungen der Fahrzeuge und Kolonnen finden überwiegend in den Nachtstunden statt.
Dennoch kann es im Zeitraum der Übung zeitweise zu Verkehrsbehinderungen und erhöhtem Lärmaufkommen kommen. Auch Hubschrauber werden eingesetzt, unter anderem zur Begleitung und Überwachung von Bewegungen aus der Luft. Die Bundeswehr und die beteiligten Stellen treffen nach eigenen Angaben die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen, um Auswirkungen auf die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.
Viele Partner aus Hamburg beteiligt
An Red Storm Charlie nehmen rund 500 Soldatinnen und Soldaten mit zahlreichen Fahrzeugen und Hubschraubern teil. Darüber hinaus beteiligen sich zahlreiche Behörden, Blaulichtorganisationen, Unternehmen und weitere Institutionen an einzelnen Übungsabschnitten oder unterstützen diese.
Zu den beteiligten Akteuren gehören unter anderem die Feuerwehr Hamburg, Polizei Hamburg, das Technische Hilfswerk, die Bundespolizei, das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter-Unfall-Hilfe, die Malteser und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Hinzu kommen Hamburger Behörden sowie Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Hafen, Logistik, Verkehr, Handel, Gesundheit und kritische Infrastruktur. Dazu zählen beispielsweise Airbus, Blohm+Voss, die Hamburger Hafen und Logistik AG, die Hamburg Port Authority, der Flughafen Hamburg, die Hamburger Hochbahn, HADAG und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Hamburg unterstützt die Bundeswehr im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit soll dazu beitragen, dass militärische und zivile Akteure bei besonderen Lagen abgestimmt handeln und die Funktionsfähigkeit wichtiger Infrastruktur, Verkehrswege und Versorgungsstrukturen gesichert werden kann.
Nachbereitung der Übung
Im Anschluss an Red Storm Charlie werden die Übungsabläufe umfassend ausgewertet. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Zusammenarbeit der Beteiligten, Kommunikationswege und Abstimmungsprozesse. Auch Rückmeldungen der teilnehmenden Behörden, Organisationen und Unternehmen fließen in die Nachbereitung ein.
Die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg soll die Übung wissenschaftlich begleiten und analysieren. Vergleichbare Übungen sind auch für die kommenden Jahre vorgesehen; erste Überlegungen für eine Fortsetzung unter dem Namen Red Storm Delta im Jahr 2027 bestehen bereits.