Anarchisten

Anarchisten streben nach einer selbstverwalteten Gesellschaft ohne Hierarchien und Herrschaft. Jede Art von Hierarchie bedeute „Unterdrückung von Freiheit“, wird von ihnen abgelehnt und auch mit gewaltsamen Mitteln bekämpft.

Definition

Die Ablehnung von Hierarchie und Gesellschaft gilt insbesondere für die parlamentarische Demokratie mit ihren Repräsentanten und Institutionen, darunter vor allem die Sicherheitsbehörden und die Justiz. Diese Grundüberzeugung ist das verbindende Element innerhalb der zersplitterten anarchistischen Szene. Mit dieser Wunschvorstellung endet aber auch schon die ideologische Gemeinsamkeit der Anarchisten. Ihre Auffassungen reichen von der Verneinung jeglichen ordnenden Systems bis hin zur Forderung nach einer (vorübergehenden) "revolutionären Diktatur des Proletariats". Auch hinsichtlich der Anwendung von Gewalt sind sich Anarchisten uneins. Gegen Personen wird sie allgemein abgelehnt. Gewalt gegen Sachen (z.B. Fahrzeuge, Schienenanlagen) gilt hingegen nicht als Gewalt, weil Gegenstände keine „Gewalt empfinden" könnten.

Anarchistische Szene in Hamburg

Aufgrund ihrer ideologischen Differenzen organisieren sich Anarchisten vorwiegend in miteinander konkurrierenden Kleingruppen. In Hamburg trifft sich die anarchistische Szene überwiegend im "Libertären Zentrum" (LIZ) und im "Libertären Kultur- und Aktionszentrum" (LKA).

Während im LIZ überwiegend unorganisierte Anarchisten und Autonome verkehren, hat im LKA die "Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union" (FAU/IAA) ihren Sitz. Diese bundesweit agierende Gruppierung verfügt über festere und verbindlichere Strukturen. Sie versteht sich als "anarchistische Organisation mit gewerkschaftlichem Anspruch". Durch Mittel der "direkten Aktion" wie Besetzungen, Boykotts, Streiks und Sabotage soll eine "herrschaftsfreie Gesellschaft" begründet werden. Diese Spielart des Anarchismus ist auch unter dem Begriff "Anarchosyndikalismus" bekannt, der die Gesellschaft in revolutionären, selbstverwalteten Berufsverbänden (Syndikaten) organisieren will.

Ein weiterer anarchistischer Treffort ist die „Sauerkrautfabrik“ (SKF) in Harburg, die in ihrem Selbstverständnis „die Hierarchiefreiheit als Ideal“ beschreibt. Die SKF versteht sich als „offen politischer Raum“, in dem Menschen zusammenfinden, Veranstaltungen durchgeführt und „Ideen“ umgesetzt werden. So wird dort auch ein „Tresensport“ als „Solikneipe für antifaschistische Strukturen in der Provinz“ angeboten.
 

Aktuelle Informationen zu Anarchisten in Hamburg

Aktuelle Informationen zu Anarchisten in Hamburg finden Sie im Verfassungsschutzbericht ab Seite 88.

Verfassungsschutzbericht 2023