Das nachrichtendienstliche Aufklärungsinteresse der Volksrepublik China in Deutschland orientiert sich an der dortigen nationalen Innen- und Außenpolitik. Die Nachrichtendienste sind mit umfassenden Befugnissen ausgestattet, die dem Machterhalt der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) dienen sollen. Die zentrale Führungsfigur ist Staatspräsident Xi Jinping, der die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten aufhob und mehrere Ämter ausübt. Neben seinem Amt als Staatspräsident und Generalsekretär der KPCh ist er auch Vorsitzender der Zentralen Militärkommission.
Der vom Staats- und Parteichef Xi Jinping geführte autoritäre Ein-Parteien-Staat agiert unter dem Leitbild eines „Sozialismus chinesischer Prägung“ und setzt zunehmend auf ideologisierte Erziehung, Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung.
Mit der Überarbeitung des Anti-Spionage-Gesetzes hat der chinesische Staat am 1. Juli 2023 ein verschärftes Instrument zur Kontrolle und Überwachung geschaffen. Das Gesetz fasst dabei nicht nur traditionelle Akteure der Spionage ins Auge, sondern auch Personen, Organisationen und internationale Wirtschaftsunternehmen, die aus Sicht Chinas Spionagetätigkeiten begünstigen. Hierfür wurde auch die Definition von „Spionage“ angepasst und erweitert, sodass hierunter nicht nur der Verrat von Staatsgeheimnissen fällt, sondern auch die Sammlung „anderer Dokumente, Daten, Materialien oder Gegenstände, die mit der nationalen Sicherheit in Zusammenhang stehen“. Unter dem Deckmantel der „nationalen Sicherheit“ sichert sich die KPCh umfangreiche Befugnisse zur Bekämpfung sogenannter Staatsfeinde.
Insgesamt ist es das erklärte Ziel der Staats- und Parteiführung, eine globale Vorherrschaft in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Militär zu erreichen. Hierfür schafft der chinesische Staat mittel- und langfristige Masterpläne wie „Made in China 2025“, „Neue Seidenstraßen Initiative“, „Dual Circulation“, der unter anderem die Binnennachfrage in China ankurbeln und die Exportabhängigkeit zurückfahren soll.
Zur Umsetzung der Agenda der KPCh unter Xi Jinping dient auch der umfangreiche chinesische Nachrichtendienstapparat.
Das „Ministry of State Security“ (MSS) als ziviler In- und Auslandsnachrichtendienst nimmt eine zentrale Rolle unter den chinesischen Nachrichtendiensten ein. In Deutschland bezieht sich das Beschaffungsinteresse des MSS schwerpunktmäßig auf Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und oppositionelle Bewegungen.
Das sogenannte „Polizeiministerium“, das „Ministry of Public Security“ (MPS), ist ebenfalls mit nachrichtendienstlichen Einheiten ausgestattet. Im Inland ist es für die Zensur der Medien und des Internetverkehrs zuständig. Im Ausland geht das MPS verdeckten Aktivitäten nach.
Der militärische In- und Auslandsnachrichtendienst „Military Intelligence Directorate“ (MID) entsendet weltweit Militärattachés und ist für die Informationsbeschaffung zu sicherheitspolitischen Lagen verantwortlich. Das der Volksbefreiungsarmee unterstellte „Network Systems Department“ (NSD) betreibt technische Fernmeldeaufklärung, Cyberspionage und Telekommunikationsüberwachung.
Die KPCh erklärt zudem Angehörige der sogenannten „5 Gifte“ als Staatsfeinde und setzt vehement Propaganda, Repression und Verfolgung gegen sie ein. Zu diesen sogenannten „5 Giften“ gehören Angehörige und Unterstützer
- der Meditationsbewegung Falun Gong,
- der muslimischen Uiguren,
- eines autonomen Tibets,
- der Demokratiebewegung,
- und der Eigenstaatlichkeit Taiwans.
Infolge der zunehmenden Ambivalenz des Verhältnisses zwischen China und Deutschland beschloss die Bundesregierung im Juli 2023 eine umfassende China-Strategie, in der China gleichzeitig als „Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale“ betrachtet wird.