Die umfangreichen Maßnahmen, die der Senat bisher unter dem Dach der „Allianz sicherer Hauptbahnhof“ getroffen hat (Einführung der „Quattro-Streife“, der Videoüberwachung sowie eines Waffen- und eines Alkoholkonsumverbots), haben die Lage unmittelbar am Hauptbahnhof spürbar beruhigt. In den vergangenen Monaten wurden polizeiliche Maßnahmen bereits schrittweise im umliegenden Stadtteil St. Georg ausgeweitert. So wurde auch die Polizeipräsenz schrittweise immer weiter ausgebaut, mit dem Ziel sehr niedrigschwellig gegen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten vorzugehen, potenzielle Straftäter und Ordnungsstörer abzuschrecken und das Sicherheitsgefühl der Menschen vor Ort zu stärken.
Dabei setzt die Polizei auf ein Streifen- und Postenkonzept, das eine sichtbare Präsenz rund um den Hansaplatz gewährleistet. Die Polizei überwacht nicht nur die Einhaltung des Glasflaschen- und Waffenverbots, sondern führt täglich niedrigschwellige Kontrollen insbesondere zur Bekämpfung von Gewalt- und Drogenkriminalität durch. Unterstützend kommt dabei auch die KI-gestützte intelligente Videoüberwachung im Bereich Hansaplatz und Hachmannplatz zum Einsatz. Zuletzt wurde die Zahl der KI-gestützten Kameras Ende Juni von 16 auf 28 an beiden Standorten erweitert, davon 15 am Hachmannplatz und weitere 13 am Hansaplatz.
Zur Entlastung des Stadtteils wurde zudem die seit Jahren erfolgreiche „Weckstreife“ in 2026 neu ausgerichtet, u. a. mit einem Schwerpunkt auf die Bereiche Steindamm und Steintorweg. Ziel der frühmorgentlichen Weckstreife ist es, schlafende Personen in Hauseingängen zu wecken, bevor Anwohnende das Haus verlassen.
Durch diese Maßnahmen sind allein im ersten Halbjahr mehr als 33.000 Personen überprüft sowie Tausende Aufenthaltsverbote und Platzverweise ausgesprochen worden. Insgesamt ist die Polizei Hamburg in keinem anderen Stadtteil mit einer Vielzahl eingesetzter Polizeikräfte so präsent wie in St. Georg.
Das zeigt Wirkung: Im letzten Jahr sank die Zahl der Straftaten in St. Georg um mehr als 1.800 Fälle, was einen im Vergleich zum gesamten Hamburger Stadtgebiet überproportionalen Rückgang von 5,9 Prozent bedeutet. Die Aufklärungsquote betrug knapp 74 Prozent (Hamburg gesamt: 49,1 Prozent).
Trotzdem stellt sich die Belastung für den Stadtteil St. Georg und die dortigen Anwohnenden weiterhin sehr hoch dar. Deshalb sind weitere Maßnahmen erforderlich.
Verstärktes behördenübergreifendes Vorgehen gegen wiederholt auffällige Straftäter und Ordnungsstörer
Im Rahmen der bestehenden Maßnahmen und der kontinuierlich hohen Zahl von Personenüberprüfungen hat die Polizei festgestellt, dass die derzeitige Situation im Umfeld des Hamburger Hauptbahnhofs wesentlich durch Menschen geprägt ist, die wiederholt durch Ordnungsstörungen und Straftaten in Erscheinung treten. Nur ein geringer Teil dieses Personenkreises verfügt über einen festen Wohnsitz in Hamburg. Häufig handelt es sich um Menschen, die in Deutschland kein gefestigtes Aufenthaltsrecht haben oder für die innerhalb Deutschlands andere Ausländer- oder Leistungsbehörden zuständig sind. Hier soll deshalb in Zukunft verstärkt ein personenbezogener Ansatz verfolgt werden.
- Soweit es sich um ausländische Straftäter und erhebliche Ordnungsstörer handelt, wird durch die neu eingerichtete Koordinierungsstelle für ausländische Risikopersonen und Straftäter (KOSTARS) gezielt eine Aufenthaltsbeendigung verfolgt. Bei KOSTARS handelt es sich um eine gemeinsame Koordinierungsstelle von Polizei Hamburg, Amt für Migration und Bundespolizei mit dem Ziel, Straftäter und besonders auffällige Ordnungsstörer, die kein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben, priorisiert zurückzuführen. Seit November 2025 wurden durch KOSTARS bereits 30 Straftäter und Ordnungsstörer aus dem Bereich Hauptbahnhof/St. Georg zurückgeführt.
- Soweit es sich um wohnungslose EU-Bürger handelt, die ihr Freizügigkeitsrecht verloren haben, wird auch hier die Rückführung in das Herkunftsland verfolgt. In enger Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ausländerbehörde wurden seit Anfang 2025 41 Personen aus dem Bereich Hauptbahnhof in ihr Heimatland zurückgeführt. Durch die Rückkehrberatung PLATA konnten ergänzend 348 unterstützte freiwillige Rückkehren herbeigeführt werden.
- Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgen im Bereich Hauptbahnhof / St. Georg ein „Vielfachtäterkonzept“, um für wiederholt straffällige Personen verlässlicher Zuführungen und Verurteilungen zu erreichen. Ziel ist es, sämtliche anhängige Verfahren zu einzelnen Personen aus dem örtlichen Kontext Hauptbahnhof jeweils in einem zuständigen Sonderdezernat der Staatsanwaltschaft zusammenzuführen und hierdurch anstelle vielfacher Verfahrenseinstellungen eine effektive Strafverfolgung insbesondere Verurteilungen zu Gesamtstrafen zu ermöglichen.
- Darüber hinaus arbeiten Polizei und Amt für Migration gemeinsam daran, Ausländer, die in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Kommune fallen bzw. dort leistungsberechtigt sind und einer Aufenthaltsverpflichtung oder Wohnsitzauflage unterliegen, vermehrt dorthin zurückzuverweisen bzw. zu überstellen.
Lebenslagen von Suchtkranken und Obdachlosen nachhaltig verändern
Die Hilfen rund um den Hauptbahnhof richten sich an suchtkranke und obdachlose Menschen. Welche Unterstützung möglich ist, hängt maßgeblich davon ab, ob für sie in Hamburg ein sozialrechtlicher Leistungsanspruch besteht.
Für Menschen mit sozialrechtlichem Leistungsanspruch verfolgt der Senat einen aktivierenden Ansatz. Ziel ist eine frühzeitige gesundheitliche und soziale Stabilisierung sowie die konsequente Vermittlung in Beratung, Therapie, Unterbringung und weiterführende Hilfen. So verbessert sich ihre Lebenslage und der öffentliche Raum wird entlastet.
Besteht kein sozialrechtlicher Leistungsanspruch, rückt die Rückkehrberatung in den Mittelpunkt. Das Rückkehrberatungsangebot PLATA berät zu Perspektiven im Herkunftsland und begleitet freiwillige Rückkehren.
Straßensozialarbeit, Visite Sozial und das Streetwork-Mobil sprechen Menschen direkt im öffentlichen Raum an. Sie vermitteln sie in weiterführende Hilfen.
Ein Schwerpunkt der Neukonzeption der Straßensozialarbeit liegt auf Hamburg-Mitte. Das Bezirksamt übernimmt die Straßensozialarbeit und baut sie auf fünf Vollzeitstellen aus. Ziel der Neukonzeption ist eine aktivierende und beharrliche Ansprache. So werden obdachlose und suchtkranke Menschen früher erreicht und schneller in Beratung, Versorgung, Unterbringung und weiterführende Hilfen vermittelt.
Das Drob Inn ist der zentrale niedrigschwellige Zugang in das Hilfesystem rund um den Hauptbahnhof. Dort arbeiten medizinische, soziale und suchttherapeutische Angebote eng zusammen. Das Drob Inn erreicht die Betroffenen früh und vermittelt sie Schritt für Schritt in weiterführende Hilfen. Ziel ist, suchtkranke und obdachlose Menschen an das Drob Inn und den August Bebel Park zu binden und damit die Wohnquartiere zu entlasten.
Der Social HUB vernetzt Behörden und Träger rund um den Hauptbahnhof. Er koordiniert komplexe Hilfeprozesse und bringt Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf schneller in die passenden Hilfen.
Die Repsoldstraße 27 ergänzt das Hilfesystem rund um den Hauptbahnhof. Dort wurden in einem ersten Schritt 30 betreute Übergangsplätze für suchtkranke und obdachlose Menschen sowie die psychiatrische Schwerpunktambulanz PIER27 eingerichtet. Beide Angebote richten sich an Menschen mit sozialrechtlichem Leistungsanspruch.
Die Übergangsplätze sind die Voraussetzungen für weiterführende Hilfen. Sie stabilisieren Menschen gesundheitlich, sozial und psychisch. Anschließend vermitteln sie in Leistungen der Eingliederungshilfe, der medizinischen Rehabilitation sowie in Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche.
Die Psychiatrische Schwerpunktambulanz/PIER27 ergänzt das Hilfesystem für psychisch und suchtkranke Menschen. Ein zentraler Bestandteil der Behandlungsplanung ist die Klärung der weiteren Perspektive. Dazu gehört auch die Prüfung, ob sozialrechtliche Leistungsansprüche in Hamburg bestehen oder wiederhergestellt werden können. Sind diese Ansprüche vorhanden, bildet die Ambulanz die Brücke in die reguläre psychiatrische Versorgung. Sie stabilisiert die Betroffenen medizinisch und sozial und bindet sie dauerhaft an die Regelversorgung sowie weitere Hilfsangebote an. Die Ambulanz ist damit auch ein Anlaufpunkt für Menschen, die aufgrund einer psychiatrischen Grunderkrankung im öffentlichen Raum auffällig geworden sind. Bestehen keine sozialrechtlichen Leistungsansprüche in Hamburg, unterstützt Psychiatrische Schwerpunktambulanz/PIER27 die Vermittlung in zuständige Hilfesysteme oder die Rückkehr in die Herkunftsregion.
Die Repsoldstraße 27 wird schrittweise weiterentwickelt. Weitere Unterstützungs- und Beratungsangebote ergänzen den Standort.
Wohnquartiere in St. Georg stärker entlasten
Die Verbesserung der Lebenslagen und die Entlastung des öffentlichen Raums gehören zusammen. Deshalb verzahnt der Senat Sicherheitsmaßnahmen, Hilfsangebote und Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Raums.
Seit März 2024 sind Sozialraumläuferinnen und Sozialraumläufer rund um den Hauptbahnhof unterwegs. Sie sprechen Menschen auf problematisches Verhalten an, vermitteln in Hilfen und setzen Regeln im öffentlichen Raum durch. So entlasten sie die angrenzenden Quartiere. Täglich – auch an Sonn- und Feiertagen – sind drei Teams von 6:00 bis 22:00 Uhr im Einsatz. Bezirksamt, Polizei, Sozialbehörde und der beauftragte Dienstleister stimmen ihre Einsatzschwerpunkte laufend auf die aktuelle Lage ab.
Der umgestaltete August-Bebel-Park unterstützt diesen Ansatz. Er schafft bessere Voraussetzungen dafür, dass suchtkranke Menschen im unmittelbaren Umfeld des Drob Inn bleiben. So erreichen sie die Hilfsangebote schneller und bleiben besser an das Hilfesystem angebunden. Gleichzeitig geht der öffentliche Konsum in den angrenzenden Quartieren zurück.
Hinzu kommen die Angebote in der Repsoldstraße, verstärkte Reinigungsmaßnahmen, zusätzliche öffentliche Toiletten sowie der regelmäßige Austausch mit Anwohnerinnen und Anwohnern, Gewerbetreibenden, Stadtteil- und Quartiersbeiräten sowie den sozialen Einrichtungen vor Ort.
Die bereits umgesetzten Maßnahmen zeigen Erfolge:
- Social HUB: Seit seiner Einrichtung im April 2024 vermittelte der Social HUB bereits 85 Menschen erfolgreich in weiterführende Hilfen. Bei weiteren 33 Menschen erzielte er konkrete Fortschritte auf dem Weg in weiterführende Hilfen. Insgesamt konnten so bei 118 Menschen positive Veränderungen der Lebenslage angestoßen werden (Stand: 31. Mai 2026).
- Drob Inn: Im Jahr 2025 fanden rund 83.000 Konsumvorgänge in den Drogenkonsumräumen statt – und damit unter hygienischen Bedingungen sowie außerhalb des öffentlichen Raums.
- Repsoldstraße: Seit der schrittweisen Inbetriebnahme der Übergangsplätze im September 2025 nahm die Einrichtung bereits 67 Menschen auf. 18 Menschen konnten bereits in weiterführende Hilfen vermittelt werden. Weitere Klientinnen und Klienten wurden gesundheitlich und sozial stabilisiert und auf den Übergang in weiterführende Hilfen vorbereitet.
- Psychiatrische Schwerpunktambulanz PIER27: Seit der schrittweisen Inbetriebnahme am 1. April 2026 behandelte die Ambulanz bereits 103 Patientinnen und Patienten. Sie erreicht damit Menschen, die bislang große Schwierigkeiten hatten, Zugang zu einer psychiatrischen Versorgung zu finden.
- Rückkehrberatung PLATA: Im Jahr 2025 beriet PLATA 479 Menschen. 348 Menschen nahmen eine freiwillige Rückkehrhilfe in Anspruch.
Ausweitung der Alkoholkonsumverbotszone rund um Hauptbahnhof
Ergänzend wird in einem nächsten Schritt zudem die bereits bestehende Alkoholkonsumverbotszone im Bereich Hauptbahnhof/Hachmannplatz voraussichtlich zum 1. August 2026 auf den angrenzenden Bereich des Stadtteils St. Georg erweitert.
Die Regelung ist zunächst auf ein Jahr befristet. Begleitend sind Befragungen von Anwohnenden, Gewerbetreibenden, Institutionen und Einrichtungen vorgesehen. Zuletzt hatte der Senat das Alkoholkonsumverbot unmittelbar am Hamburger Hauptbahnhof nach erfolgreicher Erprobung um drei Jahre verlängert. Die geplante Erweiterung im Bereich St Georg basiert auf einer umfassenden Analyse der bisherigen Erfahrungen und der aktuellen Lage in dem betreffenden Gebiet. Ziel ist es, die alkoholkonsumbedingten Belastungen für die Menschen im Stadtteil spürbar zu reduzieren und damit die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Darüber hinaus arbeitet die Innenbehörde an einer gesetzlichen Einführung der im Koalitionsvertrag vorgesehen Alkoholverkaufsverbote, die dann insbesondere auch in dem besonders belasteten Bereich von St. Georg zur Anwendung kommen sollen.
Rückfragen der Medien
Sozialbehörde
Wolfgang Arnhold | Pressesprecher
Telefon: 040 42863 2889
E-Mail: pressestelle@soziales.hamburg.de
Behörde für Inneres und Sport
Daniel Schaefer | Pressesprecher
Telefon: 040 42839 2673
E-Mail: pressestelle@bis.hamburg.de