Geschichte und koloniales Erbe

Neue Rundgänge am Bismarck-Denkmal starten

20. Februar 2026 Pressemitteilung

Freie Kulturvermittler:innen werden ab 1. März am Bismarck-Denkmal Rundgänge zur Kolonialgeschichte und Geschichte des Denkmals durchführen. Die neun Guides arbeiten selbstständig und bringen vielfältige Erfahrungen in Vermittlung und Forschung zur städtischen Erinnerungskultur mit. Die neuen Angebote sind ab sofort über den Museumsdienst Hamburg buchbar und starten am 1. März.

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Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Dank einer breiten gesellschaftlichen Debatte sind in den letzten Jahren rund um das Bismarck-Denkmal neue Perspektiven sowie bislang vernachlässigte Aspekte – insbesondere die koloniale Dimension des Denkmals – in den Mittelpunkt gerückt worden. Die Rundgänge und Informationstafeln am Bismarck-Denkmal sind zwei Bausteine, um den Dialog über das historische Erbe dieser Stadt weiter zu fördern. Diese Diskussionen sind noch lange nicht abgeschlossen – und das ist auch gut so. Mit vielfältigen Vermittlungsformaten, wie jetzt dem neuen Angebot der Führungen, wollen wir den bewussten Umgang mit unserer Geschichte weiter aktiv vorantreiben.“

Infos zu den zwei neuen Führungsformaten am Bismarck-Denkmal

Rundgang „Geschichte und Perspektiven“

Der Rundgang „Geschichte und Perspektiven“ findet rund um das Denkmal statt. Im Mittelpunkt stehen Entstehungs- und Kunstgeschichte des 1906 eingeweihten Monuments, seine architektonische Gestaltung, seine Nutzung und Umdeutungen in verschiedenen politischen Systemen sowie die Auseinandersetzungen mit dem Denkmal in der jüngeren Vergangenheit. In die Führung fließen unterschiedliche Expertisen der beteiligten Guides ein, etwa kunsthistorische Perspektiven, Erfahrungen aus der Gedenkstättenpädagogik zur NS-Geschichte oder Fachwissen aus der Restaurierungspraxis. Das Format ist dialogisch angelegt und lädt dazu ein, eigene Fragen einzubringen und gemeinsam zu diskutieren, welche Rolle die Statue heute in einer demokratischen, diversen Stadtgesellschaft spielt.

Rundgang „Koloniale Schatten – Das Bismarck-Denkmal im postkolonialen Blick“

Der Rundgang „Koloniale Schatten – Das Bismarck-Denkmal im postkolonialen Blick“ versteht das Denkmal als koloniales Erinnerungszeichen und als Ort aktueller Konflikte um Rassismus und Geschichtsbilder. Ausgehend von der Entstehungsgeschichte des Denkmals werden die deutsche Kolonialpolitik unter Reichskanzler Otto von Bismarck, die Rolle Hamburgs als Kolonialmetropole sowie Verflechtungen von Handel, Mission und Gewalt beleuchtet, ebenso wie antikoloniale Widerstände und zivilgesellschaftliche Initiativen der Gegenwart. Der Rundgang knüpft an das stadtweite Erinnerungskonzept „Hamburg dekolonisieren!“ an, das die langfristige Kontextualisierung kolonial belasteter Orte und die Beteiligung der Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt stellt.

Informationstafeln am Bismarck-Denkmal

Seit August 2025 geben Informationstafeln am Bismarck-Denkmal Besucher:innen vertiefende Hinweise zur kolonialen Dimension der Entstehungsgeschichte, zur Nutzung im Nationalsozialismus sowie zu den sich wandelnden Deutungen des Monuments. Die Tafeln sind mehrsprachig angelegt und verweisen über digitale Angebote auf weitere Informationen und auch auf Inhalte in einfacher Sprache. Sie bilden zusammen mit den neuen Rundgängen einen zentralen Baustein der fortlaufenden Kontextualisierung des Denkmals.

Hohlraum im Sockel bleibt vorerst geschlossen

Perspektivisch soll auch der im Zweiten Weltkrieg zu einem Luftschutzbunker umgebaute Innenraum im Sockel des Denkmals für Besucher:innen zugänglich gemacht werden. Hierfür sind jedoch noch weitere Wartungs- und Sicherheitsprüfungen notwendig und dies setzt ein tragfähiges Konzept für eine verantwortungsvolle Kontextualisierung und Vermittlung der dort sichtbaren nationalsozialistischen Symbolik voraus. Bis dahin beziehen die Rundgänge die Geschichte der Bunkernutzung und die damit verbundenen Fragen nach Kontinuitäten nationalistischer und kolonialer Bildwelten inhaltlich in die Führung im Außenraum ein.

Buchung und weitere Informationen

Die neuen Angebote beginnen am 1. März 2026 und sind ab sofort über den Museumsdienst Hamburg als 90- oder 120-minütige Rundgänge buchbar. Sie richten sich an Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene. Informationen zu Terminen, Konditionen und Buchung finden sich online beim Museumsdienst Hamburg unter „Rundgang: Geschichte und Perspektiven (90 Minuten)“ sowie „Rundgang: Koloniale Schatten – Das Bismarck-Denkmal im postkolonialen Blick“. 

Ergänzende Hintergründe zu Hamburgs Umgang mit dem kolonialen Erbe stehen auf den Themenseiten der Behörde für Kultur und Medien zur Verfügung.