Am 26. Mai 1982 hatte sich Semra Ertan aus Protest gegen die wachsende Ausländerfeindlichkeit nahe des neu nach ihr benannten Platzes selbst verbrannt. Ihr Tod erschütterte die Öffentlichkeit und machte auf die Diskriminierung von Migrant*innen und die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderung aufmerksam. Die Benennung ist das Ergebnis eines jahrelangen zivilgesellschaftlichen Engagements von Angehörigen, der Initiative zum Gedenken an Semra Ertan sowie weiterer Akteur*innen aus dem Stadtteil.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Semra Ertan hat mit ihren Gedichten und politischen Texten ihre Stimme für all jene erhoben, die in unserer Gesellschaft oft nicht gehört wurden. Ihr Werk ist bis heute wichtig und ein beeindruckendes Zeugnis politischer Haltung, poetischer Kraft und gesellschaftlicher Verantwortung. Viele Menschen haben sich in Erinnerung an Semra Ertan für die Benennung dieses Platzes eingesetzt. Der Semra-Ertan-Platz im Herzen von St. Pauli setzt künftig in Erinnerung an die Schriftstellerin ein wichtiges und dauerhaftes Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung."
Über Semra Ertan
Semra Ertan wurde 1956 in Mersin, Türkei, geboren und zog im Alter von 15 Jahren nach Hamburg, wo ihre Eltern als Gastarbeiter*innen lebten. Sie arbeitete als Dolmetscherin und technische Zeichnerin und verfasste mehr als 300 Gedichte und Satiren, die die Lebensrealität von Migrant*innen in Deutschland eindringlich beschreiben. Sie thematisieren Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Fragen der Geschlechtergerechtigkeit. Ihr bekanntestes Gedicht „Mein Name ist Ausländer" wird bis heute an Schulen und Universitäten behandelt.
Die Benennung wird nun vom Bezirk Hamburg-Mitte offiziell umgesetzt.
Der aktuelle Beschluss zur Straßenbenennungen ist im Amtlichen Anzeiger unter www.luewu.de/wp-content/uploads/2026/06/AANZ_HH_2026-48.pdf veröffentlicht.