1991 landete Crystal Waters mit „Gypsy Woman (She’s Homeless)“ einen internationalen Hit und machte damit auf ein wachsendes gesellschaftliches Problem aufmerksam: die zunehmende Obdachlosigkeit, die auch in Deutschland Anfang der 1990er Jahre stärker wahrgenommen wurde. Kirchliche Träger reagierten mit strukturellen und innovativen Projekten, deren bauliches Zeugnis heute teilweise als Denkmal gilt.1994 schlug die Hamburger Journalistin und Kunsthistorikerin Gisela Schiefler dem Leiter des Diakonischen Werks, Stephan Reimers, vor, einfache Holzbauten an Kirchen als kostenlose Wohnungen für Obdachlose zu errichten. Reimers griff die Idee auf und organisierte Unterstützer*innen. Entwürfe lieferten Wolfgang Gross und Karl-Heinz Hansen, die Produktion einer Kleinserie von 30 Katen übernahm eine dänische Fertighausfirma. Es handelt sich um kleine Holzbauten mit Pultdach auf einem Betonfundament, sie enthalten auf 18 Quadratmetern eine Loggia, eine Diele mit Kochnische, ein Bad sowie ein Zimmer. Den Obdachlosen sollte so gleichermaßen ein Schutz- und Rückzugsraum in den eigenen vier Wänden wie die Gelegenheit zu sozialen Kontakten und Unterstützung durch die Gemeinde geboten werden, ohne letztere aufzudrängen. Der Preis betrug 38.000 DM je Einheit zuzüglich der Anschlusskosten, er wurde über Spenden, kirchliche Fonds und Darlehen sowie die vom Sozialamt übernommene Miete finanziert. Während Konzeption und Beschaffung beim Diakonischen Werk lagen, waren für die Umsetzung und Finanzierung die einzelnen Gemeinden verantwortlich.
Ab 1996 wurden die ersten Katen aufgestellt; insgesamt beteiligten sich 15 Gemeinden. Zwei Exemplare sind bis heute an der Auferstehungskirche Hamburg-Lurup erhalten. Parallel entstanden weitere Hilfsprojekte, initiiert von Reimers, darunter die Straßenzeitung Hinz & Kunzt (1993) und der Mitternachtsbus (1996). Auch die Alimaus in Hamburg-Altona (1993) und das Krankenmobil der Caritas (1995) gehören in diesen Kontext.
Die Kirchenkaten waren als Übergangslösung gedacht, meist für etwa ein Jahr. Rückblickend lassen sie sich jedoch als Vorläufer des späteren „Housing First“-Ansatzes verstehen, da sie eine individuelle und voraussetzungslose Wohnmöglichkeit boten.