Vom 8. bis zum 10. Mai feiern die Hamburgerinnen und Hamburger in diesem Jahr den 837. Geburtstag ihres Hafens. Mit einem vielfältigen Programm zu Wasser und auf dem Land wird wieder über eine Million Gäste zu den Schiffsparaden und Musikdarbietungen, zu dem großen Feuerwerk über der Elbe und nicht zuletzt dem beliebten Schlepperballett erwartet.
Der 837. Hafengeburtstag weckt gleich in zweierlei Hinsicht falsche Erwartungen, denn zum einen ist das diesjährige Fest nicht das 837. in Folge, zum anderen stammt die rechtswirksame Geburtsurkunde nicht aus dem Jahr 1189. Während die Tradition des Festes viel jünger ist, liegen die Ursprünge des Hafens im Mittelalter.
Bereits zur Zeit der ersten Befestigungsanlage, der Hammaburg, im 9. Jahrhundert legten Handelsschiffe an einem Steg an dem Reichenstraßenfleet in der Altstadt an. Über die Elbe mit ihrem Zugang zum offenen Meer einer- und zum Hinterland andererseits erreichten Rohstoffe sowie Güter des täglichen Bedarfs die Stadt. Hamburg entwickelte sich nach und nach zu einem wichtigen Warenumschlagplatz und unterhielt Handelskontakte über Norddeutschland hinaus in weite Teile Europas. Hamburgs wichtigstes Exportgut war das Hamburger Bier, das die Fernhändler der Hanse nach Nordeuropa und in die Niederlande ausführten. Eine Reihe von Straßennamen rund um den (im 19. Jahrhundert zugeschütteten) Reichstraßenfleet erinnert an die große Biertradition Hamburgs.
Ein Meilenstein in der Entwicklung des Hamburger Hafens war die Gründung der Kaufmannssiedlung Neustadt durch Graf Adolf III. von Schauenburg und die Verleihung des Stadtrechts 1188/1189. Im Kontext des gemeinsamen Kreuzzugs nach Palästina mit Friedrich Barbarossa steht das kaiserliche Privileg für die Hamburger Neustadt, das als Gründungsurkunde des Hafens gilt. Der im Staatsarchiv Hamburg liegende Freibrief [Barbarossafreibrief im Staatsarchiv Hamburg - hamburg.de] Kaiser Friedrich Barbarossas, mit dem den Bürgern der Neustadt unter anderem Zollfreiheit auf der Unterelbe zugesichert wurde, stammt allerdings aus dem 13. Jahrhundert und wird heute als eine vom Hamburger Rat beauftragte Fälschung angesehen – auch wenn diese in ihrem Kern möglicherweise eine tatsächlich beabsichtige Privilegierung Barbarossas aufgreift.
Der Hamburger Hafen und mit ihm die Hamburger Wirtschaft jedenfalls florierten – durch geschickte Handelspolitik, durch Regulierung und Ausbau der Hafenanlagen und durch den in der Neuzeit aufkommenden Welthandel und die rasante technologische Entwicklung, die die Gründung von Reedereien und Schifffahrtslinien nach sich zogen. Die führenden Unternehmerfamilien trugen Wohlstand in die Stadt, der sich auch im Städtebau manifestierte, und forcierten aktiv den deutschen Kolonialismus. Die Stadt und ihr Hafen profitierten damit nicht nur vom Freihandel, sondern auch von der von Repression und Gewalt gekennzeichneten deutschen Kolonialherrschaft.
Immer war der Hamburger Hafen eine Drehscheibe. Für Waren, zunächst aus Europa, dann zunehmend aus Übersee, ebenso wie für Menschen, vor allem Auswanderern. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verließen Millionen, insbesondere aus Osteuropa, über den Hamburger Hafen das Land nach Übersee; die meisten emigrierten in die USA.
Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich der allmähliche Wandel hin zum internationalen Containerhafen. Die Containerisierung brachte nachhaltige Veränderungen nicht nur des baulichen Erscheinungsbildes, das heute von Containerterminals dominiert wird, sondern auch der beruflichen Lebenswelt der Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter mit sich. 2013 wurde der Hafen mit dem Wegfall seines Status‘ als Freihafen zollrechtlich in Europa integriert. Heute ist Hamburg nicht nur Europas drittgrößter Containerhafen, sondern auch ein wichtiger Anlaufpunkt für große Kreuzfahrtschiffe.
Beim Hafengeburtstag mit den Paraden alter Segelschiffe und Frachter und der Darstellung historischer Warenabfertigung wird eine Hafenwelt lebendig, die längst der Vergangenheit angehört. Jährlich gefeiert wird der Hafengeburtstag erst seit rund 50 Jahren. Bevor sich das nach eigener Aussage größte Hafenfest der Welt als jährlich wiederkehrendes Großereignis im Kalender der Hamburgerinnen und Hamburger etablierte, wurde von 1950 an mit dem Überseetag der vermeintliche Geburtstag begangen. Er wird – und wird noch heute – rund um den 7. Mai veranstaltet. Während das Fest des Übersee-Clubs hinter verschlossenen Türen stattfindet, war der Hafengeburtstag von Anfang an ein Fest für die ganze Bevölkerung.