Bewegte Geschichte

Tag des Fahrrads

Am 3. Juni wird der Tag des Fahrrads gefeiert. Hamburg blickt auf eine buchstäblich bewegte Geschichte des Zweirads, auf ein lebendiges Vereinswesen und zahlreiche Sportveranstaltungen zurück.

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Frau mit Fahrrad
Frau mit Fahrrad Staatsarchiv Hamburg

Es ist das erklärte Ziel des Hamburger Senats, den Weg Hamburgs zur Fahrradstadt zu ebnen und die Mobilitätswende unter anderem durch den Ausbau des Radwegenetzes und die Verbesserung der velomobilen Infrastruktur voranzutreiben.

Damit schließt sich die Stadt Zielen an, die sich zahlreiche deutsche und europäische Kommunen gesetzt haben. Der auf den 3. Juni fallende Europäische Tag des Fahrrads und der an demselben Tag begangene Weltfahrradtag rücken das praktische, preiswerte und umweltfreundliche Fahrzeug, dessen Erfindung auf das 19. Jahrhundert zurückgeht, ins Bewusstsein der automobilen Gesellschaft.

Mit der Weiterentwicklung des von Karl Drais 1817 vorgestellten Laufrads über das Veloziped zum modernen Niederrad mit Luftreifen und Kettenantrieb trat das Fahrrad um die Wende zum 20. Jahrhundert seinen Siegeszug an und wurde ein fester Teil des Stadtbildes. Neu gebaute Radwege durchzogen nun die Stadt. Zahlreiche Institutionen praktizierten, was Viele als Phänomen unserer Zeit wahrnehmen: der Einsatz von Zwei- oder Dreirädern für Kurierfahrten im Auftrag von Behörden und Unternehmen. Doch nicht nur zu beruflichen und gewerblichen Zwecken wurden Fahrräder genutzt. Eine zunehmend wichtige Rolle spielte das neue Fortbewegungsmittel auch in der Freizeit der Hamburger – und der Hamburgerinnen: Für deren fast bodenlange Röcke wurde das Damenrad mit niedrigem Durchstieg entwickelt.

So wie sich das Fahrrad der Kleidung anpasste, so veränderte sich umgekehrt die Mode mit der Verbreitung der neuen Mobilität. Immer mehr Frauen trugen während der Fahrt Pumphosen oder Hosenröcke. Und schließlich bahnte sich die neue Mode ihren Weg in den Alltag, legten Frauen das beengende Korsett und den langen Rock ganz ab. Überhaupt war (und ist in vielen Ländern noch heute) das Fahrrad ein Motor der Frauenemanzipation.

Hamburgs Radsportlerinnen waren im „St. Georg Radfahr-Verein Wanderlust“ organisiert. Zu ihnen zählte Gertrude Rodda, eine aus England stammende junge Frau, die zunächst als Radrennfahrerin von sich reden machte, bevor sie sich unter Einfluss ihres Ehemannes, des Fahrrad- und Autohändlers Max Eisenmann, dem Motorsport zuwandte. 1900 berichtete der „Generalanzeiger für Hamburg-Altona“ über die Teilnahme von „Miß Rodda“ an der Fahrradfernfahrt Hadersleben-Hamburg und lobte ihre „für eine Dame wohl einzig dastehende Leistung“.

Für die Belange von Radsportlern, aber auch für alle anderen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit auf zwei Rädern fortbewegten, setzte sich Gregers Nissen ein. Der Altonaer Lehrer und einflussreiche Radsportfunktionär engagierte sich für eine bessere Radfahrinfrastruktur und veröffentlichte den später mehrfach neu aufgelegten Reiseführer „Von Hamburg auf dem Rade nordwärts“. Gemeinsam mit dem Topografen und Verleger Robert Mittelbach gab er zwischen 1886 und 1897 spezielle, in 82 Blättern erschienene Radwanderkarten heraus mit Darstellung von Steigungen und der Befahrbarkeit der Radwege.

Mit der Verbreitung des Fahrrads entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hamburg zahlreiche Vereine. Sie trugen sportliche Namen wie  „Rapid“, „Pfeil“ oder „Endspurt“ und veranstalteten unter anderem Radrennen.

1885 wurde auf Initiative des Renn-Vereins der Hamburg-Altonaer Radfahrer die Grindelbergbahn eröffnet. Dort wurden Rennen, auch unter Beteiligung von Fahrern aus anderen Städten veranstaltet. Anlässlich der Eröffnung der Bahn am 26. Juli 1885 wurde eine Reihe von Radrennen veranstaltet, deren Sieger attraktive Preise winkten. Zu den Veranstaltern und Wettkampfhelfern zählten namhafte Vertreter vorwiegend Hamburger Vereine, darunter auch der nach eigener Aussage erste Fahrradhändler Deutschlands, Harro Feddersen. Er war Mitbegründer des Altonaer Bicycle-Clubs, der 1869 als „Eimsbütteler Velocipèden-Reit-Club“ ins Leben gerufen worden war und der als ältester Fahrradverein der Welt gilt. Der bereits erwähnte Gregers Nissen war zeitweise Erster Vereinsvorsitzender.

Bis zur Einstellung des Betriebes am Grindelberg im Jahre 1906 zog das Velodrom zahlreiche interessierte Hamburgerinnen und Hamburger an. Danach verging mehr als ein halbes Jahrhundert, bis 1961 in Stellingen erneut eine Radrennbahn eröffnet wurde, die nicht nur für Radrennen, sondern auch für andere Sportevents, unter anderem als Eisbahn genutzt wurde. Wegen Einsturzgefahr ist die Anlage derzeit gesperrt.

Dass auch Hamburg einst eine Fahrradstadt war, geriet nach dem Zweiten Weltkrieg und der rasanten Verbreitung des Autoverkehrs in Vergessenheit. Erst mit den vor dem Hintergrund der aktuell diskutierten Mobilitätswende, in der der Radverkehr einen wichtigen Baustein darstellt, erobert das Fahrrad weite Teile der Stadt für sich zurück.

Die Eröffnung der neu erbauten Rennbahn
Eröffnung der neu erbauten Rennbahn Staatsarchiv Hamburg
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Mittelbach`s Radfahrerkarte Staatsarchiv Hamburg
Fernfahrt Hadersleben
Fernfahrt Hadersleben Staatsarchiv Hamburg

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