Grundlegende Informationen und Kontakt
Das Besuchsprogramms ist ein Angebot für jüdische ehemalige Hamburgerinnen und Hamburger, die zwischen 1933 und 1945 emigrierten oder die Konzentrationslager überlebten, sowie für deren Kinder und Enkel. Mit dem Programm bietet der Senat den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Stadt zu besuchen, in der sie oder ihre Vorfahren zu Hause waren. Es ist ein wichtiges Element der Hamburger Erinnerungskultur und ermöglicht Dialog und Begegnungen.
Neben der Durchführung des Besuchsprogramms versenden wir einen jährlichen Brief mit wichtigen Ereignissen jüdischen Lebens in Hamburg und eine Bücherliste, aus der die Empfängerinnen und Empfänger Titel auswählen können. Wenn Sie Vorfahren aus Hamburg haben oder weitere Informationen zu unserem Besuchsprogramm, dem Jahresbrief oder der Bücherliste erhalten möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail an weremember@bkm.hamburg.de.
Rückblick auf das Besuchsprogramm 2025
Im Jahr 2025 haben 43 Personen am Besuchsprogramms für jüdische ehemalige Bürgerinnen und Bürger teilgenommen. Mit dem Programm bietet der Senat den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Stadt zu besuchen, in der sie oder ihre Vorfahren zu Hause waren.
Die Woche startet mit einem Empfang mit Kultur- und Mediensenator Carsten Brosda im Rathaus. Im Mittelpunkt der darauffolgenden Tage stand das Erleben und Kennenlernen der Stadt Hamburg sowie die Möglichkeit, Einblicke in das aktuelle jüdische Leben zu gewinnen. Zudem haben die Teilnehmenden verschiedene Erinnerungs- und Gedenkstätten sowie das Staatsarchiv, die jüdischen Friedhöfe und wichtige Bildungseinrichtungen besucht. Auch in diesem Jahr liegt ein Fokus auf einem generationenübergreifenden Austausch. Hierfür sind unter anderem Gespräche mit Schülerinnen und Schülern geplant.
Historischer Hintergrund
Am 25. Oktober 1965, dem 24. Jahrestag der ersten Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Hamburg, präsentierte der Senat der Öffentlichkeit das erste Buch zur Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors der Stadt Hamburg. Dieses Buch sollte nicht nur an die Ermordeten erinnern, sondern auch die Verbundenheit der Stadt mit den Überlebenden manifestieren. Um das zu erreichen, schaltete der damalige Bürgermeister Dr. Herbert Weichmann Anzeigen in jüdischen deutschsprachigen Publikationen in Israel, Lateinamerika und den USA, um einen Kontakt zwischen der Senatskanzlei und den verfolgten ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern Hamburgs herzustellen.
Start des Besuchsprogramms
Aufgrund des wachsenden Interesses derer, die ihre Heimatstadt wiedersehen wollten, startete der Senat ein Besuchsprogramm für jüdische ehemalige Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 1933 und 1945 emigrierten, und lud Sie nach Hamburg ein. Von 1966 bis 1971 wurden individuelle Einladungen vom Bürgermeister ausgesprochen. Ab 1972 wurden Gruppen eingeladen. Seitdem haben viele jüdische ehemalige Bürgerinnen und Bürger ihre Heimatstadt Hamburg besucht.
Das Besuchsprogramm zeugt von der tiefen inneren Verbindung zu den Überlebenden und hält das Wissen über die schrecklichen Ereignisse als Warnung und Mahnung für die Zukunft lebendig. Die Kontaktherstellung erfordert einen behutsamen Ansatz, gegenseitige Akzeptanz und Empathie, sowie das bewusste Erinnern an die Vergangenheit. Auf diese Weise können wir das notwendige Vertrauen für weiteren Kontakt aufbauen.
Inhalte des Programms
Seit Beginn war ein zentraler Bestandteil des Besuchsprogramms das Treffen mit Schülerinnern und Schülern aus Hamburger Schulen. Die Begegnung mit jüdischen ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern bietet die Chance eines Dialogs zwischen den Generationen. Darüber hinaus ermöglicht der Besuch den Gästen die Gelegenheit, ihre ehemalige Heimat kennenzulernen und persönliche Informationen über das heutige Hamburg zu sammeln.
Öffnung des Programms für zweite Generation
Im Jahr 2010 ebnete die Hamburger Bürgerschaft den Weg für einen breiteren Ansatz, wodurch in Zukunft auch Angehörige der zweiten Generation, d. h. die Kinder jüdischer ehemaliger Bürgerinnen und Bürger, eingeladen werden können. Die Öffnung des Programms für die zweite Generation führte dazu, dass zunehmend Familiengruppen, die mehrere Generationen umfassten, am Besuchsprogramm teilnahmen und die gemeinsame Erfahrung machten, Orte aus der Vergangenheit ihrer Eltern zu besuchen.
Durch genealogische Forschung gelang es häufig Informationen über Vorfahren oder das Schicksal von Familienmitgliedern der teilnehmenden Gäste zu ermitteln. Das Besuchsprogramm trägt dazu bei, eine Tür zum Leben und den Erfahrungen der Eltern, Großeltern und anderer Familienmitglieder der Gäste zu öffnen.
Es freut uns, dass viele der Gäste von diesem Angebot Gebrauch machen, denn dieses Interesse an der eigenen Familiengeschichte und den eigenen Wurzeln hält das Besuchsprogramm am Leben. Mit dem Programm stellen wir uns gegen das Vergessen und fördern Begegnungen und Austausch.
Studie über die Geschichte des Besuchsprogramms
Eine 2011 durchgeführte Studie über die Geschichte des Besuchsprogramms konzentrierte sich auf das Leben und die Erfahrungen von vier ehemaligen Hamburger Bürgern und ihren Kontakten zur Senatskanzlei sowie ihrer Reise in ihre Geburtsstadt. Die Studie ist unter dem Titel "Zwischen Imagepflege, moralischer Verpflichtung und Erinnerungen. Das Besuchsprogramm für jüdische ehemalige Hamburger Bürgerinnen und Bürger ist unter "fzh (zeitgeschichte-hamburg.de)" verfügbar.
Rückblick auf das Besuchsprogramm 2024
Nach einer vierjährigen Corona-bedingten Pause war es der erste Besuch jüdischer ehemaliger Bürgerinnen und Bürger seit 2019. Israel, Australien, USA, Brasilien, Portugal, Argentinien, Großbritannien oder die Schweiz - die 47 Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten aus der ganzen Welt nach Hamburg. Darunter waren nicht nur Überlebende sondern auch deren Angehörige der zweiten Generation, das heißt Kinder und Enkelkinder. So ist der älteste Teilnehmer einundneunzig Jahre und der Jüngste neun Jahre alt.