Die Ausstellung „Der Baakenhafen im deutschen Kolonialismus. Hamburg und der Kolonialkrieg in Namibia, 1904-1908“ vermittelt grundlegendes Wissen über einen der zentralen Erinnerungsorte der Hamburger Kolonialgeschichte, der bisher nur wenig in der Öffentlichkeit bekannt ist.
Historischer Hintergrund
Der Baakenhafen nahm als Logistikzentrum der wichtigsten deutschen Afrika-Reedereien (Woermann-Linie und Deutsche Ostafrika-Linie) eine Schlüsselrolle in der kolonialen Infrastruktur des deutschen Kolonialreichs ein. Als Teil des neugebauten Freihafengebiets und der Speicherstadt war er an Hamburgs rasantem Aufstieg zur Kolonialmetropole im 19. Jahrhundert beteiligt.
Gleichzeitig war der Baakenhafen der zentrale Hafen für den Kolonialkrieg im heutigen Namibia (1904–1908), in dem die Soldaten einen Genozid an den OvaHerero und Nama verübten. Knapp 22.000 deutsche Kolonialsoldaten reisten von dort in den Kriegseinsatz und wurden vom damaligen Hamburger Senat sowie den Stadtbewohner*innen feierlich verabschiedet.
Rathaus-Ausstellung „Der Baakenhafen im deutschen Kolonialismus. Hamburg und der Kolonialkrieg in Namibia
Der Hamburger Baakenhafen im deutschen Kolonialismus
Rathaus-Ausstellung mit Begleitprogramm über den Kolonialkrieg in Namibia (1904-1908)
Vom 7. September 2026 bis zum 1. Oktober 2026 hat die Behörde für Kultur und Medien in der Diele des Hamburger Rathauses die Ausstellung „Der Baakenhafen im deutschen Kolonialismus. Hamburg und der Kolonialkrieg in Namibia, 1904-1908“ gezeigt. Mit biografischen Erzählungen, historischen Fotos und künstlerischen Beiträgen thematisierte die Ausstellung die Kolonialgeschichte des Hamburger Baakenhafens und widmete sich aktuellen Fragen der Erinnerungskultur in Namibia und in Hamburg. „Der Baakenhafen im deutschen Kolonialismus“ ist eine Ausstellung der Historiker-Genossenschaft eG in Zusammenarbeit und gefördert durch die Hamburger Behörde für Kultur und Medien. Begleitet wurde die Ausstellung von Rundgängen, Führungen und Dialogformaten.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Baakenhafen verbindet Hamburgs Stadtgeschichte auf schmerzhafte Weise direkt mit den Verbrechen des deutschen Kolonialkriegs im heutigen Namibia. Von hier sind damals die Truppen verschifft worden, die dort einen Völkermord an den OvaHerero und Nama begangen haben. Die Aufarbeitung dieser Vergangenheit im Dialog mit der Stadtgesellschaft ist eine dauerhafte Verpflichtung. Mit der Ausstellung im Rathaus wollen wir die gesellschaftliche Auseinandersetzung vertiefen und auch den Stimmen der namibischen Nachfahrinnen und Nachfahren Raum geben. Die Ausstellung regt dazu an, den Baakenhafen künftig bewusster als geschichtsträchtigen Ort wahrzunehmen und gemeinsam zeitgemäße Formen des Erinnerns zu entwickeln.“
Eindrücke der Ausstellung
Behörde für Kultur und Medien
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Abendveranstaltung zum Kolonialerbe Baakenhafen am 9. September 2026 im InfoCenter der HafenCity „Horizonte”
Als Teil des Begleitprogramms richtete das Referat Erinnerungskultur der BKM eine öffentliche Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussion aus. Ziel war es, ausgehend vom Baakenhafen über Gegenwart und Zukunft des Erinnerns an Kolonialismus ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung wurde von Yared Dibaba moderiert. Der Vorstandvorsitze der HafenCity Hamburg, Dr. Andreas Kleinau, und Kultursenator Dr. Carsten Brosda (per Videobotschaft) gaben Grußworte ab.
Auf der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Teil:
Sima Luipert
Die Menschenrechtsaktivistin ist Expertin für Regionalentwicklung und Nachfahrin führender Nama-Familien des damaligen Widerstands. Sie ist Teil der Nama Traditional Leaders Association (NTLA), die zivilgesellschaftliche Dachorganisation der traditionellen Führungsautoritäten der Nama in Namibia.
Naita Hishoono
Die Politiksoziologin ist seit 2015 geschäftsführende Direktorin des Namibia Institute for Democracy (NID) in Windhoek. Als eines der sogenannten „DDR-Kinder von Namibia“ kam sie 1979 als Dreijährige aus einem Flüchtlingslager im Exil nach Mecklenburg, wuchs in der DDR auf und kehrte mit der Unabhängigkeit 1990 nach Namibia zurück. Heute engagiert sie sich als Brückenbauerin für Erinnerungskultur und demokratische Teilhabe.
Diminga Lorenzen
Die Volkswirtin und Community Organizerin ist Co-Geschäftsführerin des Dachverbands Hamburg Dekolonial e. V., dem sechs verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg angehören. Sie war als Managerin bei Afrotopia sowie als langjährige Koordinatorin des Black History Month Hamburg tätig.
Dr. Ibou Diop
Der promovierte Literaturwissenschaftler ist Kurator und Leiter des TeamsErinnerungsort Kolonialismus an der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Er koordinierte im Auftrag des Landes Berlin und in enger Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Bündnissen wieDecolonize Berlin das gesamtstädtische Konzept „Kolonialismus erinnern“. Im Herbst 2024 startete er zusammen mit Max Czollek das Festival„heimaten“ am Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW).
In seinem Grußwort bezeichnete Kultursenator Dr. Carsten Brosda die HafenCity als zukunftsorientierten Standort, der zugleich die historische Dimension der Hamburger Hafen‑ und Kolonialgeschichte verkörpert. Das Panel hob die Hamburger Kolonialgeschichte als festen Bestandteil des städtischen Erbes hervor. Es regte an, den Baakenhafen künftig bewusster als geschichtsträchtigen Ort wahrzunehmen, die historischen Verflechtungen Hamburgs im Dialog mit der Stadtgesellschaft aufzuarbeiten und gemeinsam zeitgemäße Formen des Erinnerns zu entwickeln. Sima Luipert und Naita Hishoono schärften in ihrem Beitrag das Bewusstsein für die namibische Geschichte: für kolonialen Landraub, die Apartheid, die Unabhängigkeit und die heutigen politischen Verhältnisse in Namibia als Folgen kolonialer und postkolonialer Machtverhältnisse. Insgesamt wurden die Ausstellung und das begleitende Programm als wichtiger Schritt auf dem Weg der Aufarbeitung und einer künftigen Markierung des Baakenhafens gewürdigt.
Für die Erarbeitung weiterer erinnerungskultureller Interventionen am Baakenhafen steht die Behörde für Kultur und Medien unter anderem mit der HafenCity Hamburg GmbH und dem Vorstand des Dachverbands Hamburg Dekolonial e.V. im Austausch.