Preisträger 2020

Georges Didi-Huberman erhält den Aby Warburg-Preis der Stadt Hamburg

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Marcelo Hernandez für BKM

2020 wurde der aus Frankreich stammende international renommierte Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman für sein Lebenswerk mit dem Aby Warburg-Preis ausgezeichnet. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis der Stadt Hamburg wird alle vier Jahre an eine herausragende Persönlichkeit aus Wissenschaft oder Kultur verliehen. Der Aby Warburg-Förderpreis in Höhe von 10.000 Euro wurde an die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Kathrin Rottmann vergeben, die unter anderem an der Universität Hamburg forscht und lehrt. Die Verleihung der Auszeichnungen musste 2020 pandemiebedingt abgesagt werden und wird nun ein Jahr später in der Sammlung Falckenberg nachgeholt – passenderweise inmitten der von Axel Heil und Robert Orth kuratierten Ausstellung „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne“. Georges Didi-Huberman wurde live aus Paris zugeschaltet. 

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Ein Jahr später als geplant können wir endlich den Aby Warburg-Preis und den Aby Warburg-Förderpreis überreichen. Dafür vergeben wir diese renommierten Preise der Stadt Hamburg heute im Herzen der Ausstellung ‚Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne‘ und damit an einem Ort, der kaum besser dafür geeignet sein könnte. Georges Didi-Huberman denkt Warburgs Schaffen weiter, fügt ihm neue Dimensionen – wie den Film – hinzu und sucht neue Linien, neue Lesarten. Er stellt ‚die Befassung mit Warburg auf neue und zeitgemäße Grundlagen‘, wie es in der Jury-Begründung heißt, und trägt zur Internationalisierung von Warburgs Schaffen bei. Er hilft uns, Dinge zueinander in Relation zu setzen und appelliert an uns, uns ein Bild vom Ganzen zu machen. Gerade die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass das notwendig ist. Wir haben einmal mehr gelernt, wie wichtig es ist, Erlebtes in Beziehung zu setzen und anzuerkennen, dass keine Disziplin eine Deutungshoheit besitzt. Für die gemeinsame Wahrheitssuche kommt es darauf an, Verbindungen zu anderen Positionen herzustellen. Kathrin Rottmann öffnet mit ihrem Augenmerk auf Themen, die wir sonst eher an der Peripherie der Kunstgeschichte verorten würden, der Disziplin neue Türen. Sie schult uns mit ihrer Monographie ‚Ästhetik von unten‘ ganz im Sinne Warburgs im Sehen dessen, was wir sonst leicht übersehen. Beide halten das Werk Warburgs lebendig und denken es in unsere heutige Zeit weiter.“

Georges Didi-Huberman

In zahlreichen Büchern und Ausstellungen trägt Georges Didi-Huberman fundamental zur Aktualisierung von Aby Warburgs intellektuellem Vermächtnis bei. Nicht nur in seiner Studie „Das Nachleben der Bilder. Kunstgeschichte und Phantomzeit nach Aby Warburg“ (Berlin 2010) hat er die Befassung mit Warburg auf neue und zeitgemäße Grundlagen gestellt. Didi-Huberman arbeitet wissenschaftshistorisch, weiß sich aber auf höchst geistesgegenwärtige Weise Warburgs Verfahren anzueignen und daraus einen eigenen, unverwechselbaren Zugriff auf die Bildkultur insgesamt zu entwickeln. Er forscht nicht nur über Aby Warburg, er arbeitet auch wie dieser – als ebenso geschichtsbewusster wie sensibler Beobachter der Kunstgeschichte wie des aktuellen Bildgeschehens. Eindrücklich entfaltet hat er dies in seinen Forschungen zur Kunst der Renaissance („Vor einem Bild“, München 2000) oder zum Umgang mit den visuellen Zeugnissen des Holocaust („Bilder trotz allem“, München 2007). Seine Ausstellung und der Katalog „Uprisings“ (Paris 2016) führen die Bildbeobachtung und -analyse etwa in Hinblick auf die Bildmacht im Kontext der Flüchtlingsdramatik bis in die Jetztzeit fort. Als Autor hat Georges Didi-Huberman die Neuwürdigung von Warburgs Hinterlassenschaft zudem maßgeblich internationalisiert. Die Übersetzungen seiner Schriften in viele Sprachen ziehen einen Radius, der die auf Aby Warburg zurückgehende Kulturwissenschaft zu einer globalen geisteswissenschaftlichen Disziplin werden lässt. Das enorme auch internationale Interesse an Aby Warburg ist namentlich auf Didi-Hubermans ebenso wissenschaftlich fundierte wie bildkritisch wachsame Blickarbeit und Autorschaft zurückzuführen.

Georges Didi-Huberman: „Like Marcel Proust, Aby Warburg appeared to me not only as a great scholar of the past, but also as a great modern thinker: a thinker for the future. The memory, for him, was vital: never ‘dead’, always linked to a desire. Reading Warburg - along with Freud, Benjamin and others -, I tried to exceed the philology of his work towards a more philosophical approach. I tried to take his intuitions, or methodological lessons, for a possible future of this ‘infinite’ discipline which is called ‘iconology’ and must be understood as a historical anthropology of images.”

Prof. Bill Sherman: „Georges Didi-Huberman not only works on Aby Warburg but is one of the few modern scholars who can be said to work like him. Like Warburg, he is an intrepid crosser of genres, periods and disciplines; like Warburg, he connects images, ideas and politics; and like Warburg, he is a curator as well as a historian of cultural memory.”

Mehr Informationen zum Aby Warburg-Preis: https://www.hamburg.de/bkm/kulturpreise/3605240/aby-warburg-preis

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