Die Speicherstadt sowie das angrenzende Kontorhausviertel in Hamburg stellen bedeutende städtebauliche Ensembles dar, die in enger funktionaler und historischer Verbindung zum Hamburger Hafen stehen. Sie wurden so gebaut, dass sie den modernen Anforderungen an Lagerung, Umschlag und Organisation von Waren optimal entsprachen.
Zudem machen sie mit ihrer hohen konzeptionellen und gestalterischen Qualität den Rang deutlich, den der Hamburger Hafen und der hiesige Außenhandel seinerzeit im internationalen Vergleich innehatte.
Gleichzeitig spiegeln sie die Entwicklung der europäischen Architektur vom späten 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert und der funktionalen Reorganisation der Stadt auf dem Weg zur Moderne wider.
Gemeinsam veranschaulichen diese beiden Stadtteile die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung Hamburgs als bedeutende Hafenmetropole sowie die Organisation von Handel und Arbeitsprozessen in diesem Kontext. Hervorzuheben ist insbesondere das Chilehaus, ein markantes Beispiel expressionistischer Backsteinarchitektur, das als ikonisches Symbol für die moderne Büroarchitektur der Zwischenkriegszeit gilt.
Die Speicherstadt
Die zwischen 1885 und 1927 unter der Leitung von Franz Andreas Meyer in drei Bauabschnitten entstandene Speicherstadt zeichnet sich durch ihre außergewöhnliche städtebauliche und architektonische Geschlossenheit aus. Sie besteht aus 15 fünf- bis siebengeschossigen Lagerhäusern und einer Reihe von Einzelbauten, die bis auf wenige Ausnahmen, in Backsteinbauweise in neogotischen und neoromanischen Formen errichtet wurden. Trotz ihres historisierenden Erscheinungsbildes war die Speicherstadt mit den modernsten technischen Anlagen ihrer Zeit ausgestattet, darunter Elektrizität und hydraulische Winden. Mit ihren gepflasterten Straßen, Brücken und Fleeten weist die Speicherstadt eine besondere funktionale, bauliche und städtebauliche Struktur auf.
Das Kontohausviertel
Von ähnlicher Einheitlichkeit ist das angrenzende Kontorhausviertel. Dieses Quartier entstand überwiegend in den 1920er und 1930er Jahren und ist geprägt von groß dimensionierten, teils ganze Straßenblöcke umfassenden Gebäuden mit Klinkerfassaden in expressionistischen oder sachlichen Formen, flachen Dächern und gestaffelten Obergeschossen. Besonders bekannt ist das Kontorhausviertel für das ikonische Chilehaus, das zwischen 1922 und 1924 nach Plänen von Fritz Höger erbaut wurde. Das markante Bürogebäude mit seinen zehn Stockwerken besitzt einen Stahlbetonkern und ist außen mit dunkelroten bis violetten Klinkersteinen verkleidet, die typisch für den Klinkerexpressionismus sind.
Weitere prägende Bauten des Viertels sind der 1923/24 von den Gebrüdern Hans und Oskar Gerson errichtete Meßberghof, der in drei Bauabschnitten zwischen 1927 und 1943 von Hans und Oskar Gerson sowie Fritz Höger errichtete Sprinkenhof sowie der 1928 nach Plänen von Rudolf Klophaus, August Schoch und Erich zu Putlitz gebaute Mohlenhof.