BIM erfasst und verwaltet zentral Bauwerksinformationen über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg. Dies erfolgt auf der Grundlage digitaler Bauwerksmodelle, die als zentrales Werkzeug während der Planung, des Baus und des Betriebs genutzt werden und unter anderem der transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten dienen.
Um BIM im öffentlichen Sektor der Stadt Hamburg übergreifend zu implementieren, wurde die virtuelle Organisation BIM.Hamburg aus einem Zusammenschluss von sechs BIM-Leitstellen verschiedener öffentlicher Unternehmen gegründet. Mit BIM.Hamburg ist es gelungen, cross-funktionale Teams zu etablieren, die BIM-Expertisen behördenübergreifend austauschen sowie gemeinsame BIM-Standards im Bereich der Infrastruktur und des Hochbaus für Hamburg entwickeln.
Mit dabei ist der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG). Er befasst sich bereits seit einigen Jahren mit dem Thema BIM im Rahmen von Pilotprojekten. Aufgrund der dadurch mittlerweile hohen Fachexpertise für die Anwendung der Methode im Infrastruktur-Bereich wurde beim LSBG die BIM-Leitstelle mit dem Schwerpunktthema Tiefbau eingerichtet.
Als erstes Pilotprojekt hat der LSBG bewusst den Ersatzneubau einer Fußgängerbrücke ausgewählt. Man wollte in der relativ kurzen Projektlaufzeit möglichst viele BIM-Anwendungsfälle testen, um Erfahrungen zu sammeln. Eines der wichtigsten Ziele war außerdem die Erstellung des As-built-Modells der neuen Brücke, denn die größten Vorteile der BIM-Methode erwartet der LSBG im Betrieb. Das As-built-Modell enthält als Revisionsmodell alle für den Betrieb relevanten Daten, die über die Projektlaufzeit hinweg gesammelt wurden.
Im April 2020 war es dann soweit: Die neue Fußgängerbrücke wurde eröffnet und das erste As-built-Modell ist fertig!
Zu Beginn des Projekts gab es keinerlei Vorgaben für die Modellierung von Brücken, sodass alle Planungsbeteiligten schlicht mit viel Neugierde und Offenheit die neue BIM-Methode mitgestaltet haben. Im Ergebnis konnte das Ingenieurbüro zum Abschluss der Planung das Bauwerksmodell im LoD 400 (hoher Detaillierungsgrad) auf Basis des Bauteilkatalogs Brücken gem. ASB-ING 2013 erstellen, welcher im Rahmen der LSBG-Pilotprojekte entwickelt worden ist. Dieses Ausführungsmodell wurde der Baufirma im Rahmen des Closed-BIM-Projekts sowohl im neutralen IFC-Format als auch im nativen Format übergeben. Während der Bauphase konnte die Baufirma das Modell so nicht nur laufend mit weiteren Informationen anreichern, sondern auch geometrische Planungsänderungen dokumentieren. Beispielsweise wurde die vordere Pfahlreihe optimiert und um 2 m gekürzt, weil bessere Baugrundverhältnisse vorgefunden wurden, als erwartet.
Das As-built-Modell besteht jedoch nicht nur aus dem Brückenbauwerk selbst. Zusätzlich enthält es das umgebende Gelände sowie beispielsweise die im Boden verbleibenden Spundwände, die zur Herstellung der Baugruben erforderlich waren. So ist sichergestellt, dass in den nächsten Jahrzehnten keine Bauteile, die nun im Boden verschwunden sind, in Vergessenheit geraten, wenn die Brücke genutzt, geprüft, gewartet und instandgehalten wird. Während der Projektlaufzeit wurden alle relevanten Daten, Modelle und Unterlagen in der zentralen Projektplattform (CDE) gesammelt. Der Betreiber der Plattform hat diese währenddessen an die BIM-Anforderungen des LSBG angepasst und u.a. einen BIM-Viewer zur Verfügung gestellt. Dieser ermöglicht es, Dokumente wie Pläne, Genehmigungen und Zulassungen mit den zugehörigen Bauteilen zu verknüpfen. Im Ergebnis steht nun das As-built-Modell als digitaler Zwilling der neuen Fußgängerbrücke zentral mit allen relevanten Informationen und Unterlagen, die per Klick auf die Bauteile zu erreichen sind, zur Verfügung.
Die Erprobung der BIM-Methode ist damit aber noch lange nicht abgeschlossen. Die längste Phase des Brückenlebens steht noch bevor. Das As-built-Modell wird nun für die Untersuchung der BIM-Anwendungsfälle im Betrieb genutzt (z.B. Bauwerksprüfung, Wartung und Unterhaltung sowie Erhaltungsmanagement). Zusätzlich wird es als Muster dienen, wenn es zukünftig darum geht, die erforderlichen Schnittstellen zu Betriebsdatenbanken wie SIB-Bauwerke zu schaffen.
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