Corona und Arbeitsschutz

Senat und Spitzen von Kammern und Verbände wollen mehr Arbeit von zuhause ermöglichen

15. Januar 2021 Pressemitteilung

Hamburgs Unternehmen sollen ihren Beschäftigten überall dort Homeoffice und mobiles Arbeiten ermöglichen, wo es geht. Das haben Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina und die Spitzenvertretungen von Kammern und Verbänden gemeinsam vereinbart. Das Arbeiten von zuhause sollte angesichts der zugespitzten Phase der Pandemie die Regel sein, die Arbeit in Präsenz hingegen nur aus triftigen Gründen weitergeführt werden. Die Staatliche Arbeitsschutzaufsicht hat zudem angekündigt, die Regeln zum Arbeitsschutz zu überprüfen und Unternehmen Hilfestellung zu geben.

  • Justiz und Verbraucherschutz
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Viele Hamburger Betriebe haben angesichts des Infektionsgeschehens bereits kreative und flexible Lösungen umgesetzt und ermöglichen das Arbeiten von zuhause. Doch es gibt auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten weiterhin im Büro arbeiten lassen wollen, obwohl die Arbeit auch von zuhause erledigt werden könnte. Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina und Spitzenvertreter von Hamburgs Kammern und Verbänden haben sich gestern im Rahmen einer Digital-Konferenz ausgetauscht und beraten, wie mehr Homeoffice und mobiles Arbeiten ermöglicht werden kann und wie dabei auch eine gute Kommunikation mit Beschäftigten sichergestellt wird.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Arbeit von zuhause ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz verständigten sich auf einen nachdrücklichen Appell an die Unternehmen, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Homeoffice und mobiles Arbeiten zu ermöglichen, wo dies für Betriebe und Beschäftigte möglich ist. Dafür ist den Beschäftigten das dafür notwendige Vertrauen entgegenzubringen.

Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher: "Die Lage in der Pandemie ist weiterhin kritisch und kann durch neue Virusmutationen noch ernster werden. Wir müssen unsere Kontakte in einigen Lebensbereichen daher noch deutlicher reduzieren. Wo immer möglich sollten Beschäftigte von zuhause aus arbeiten, um sich selbst und ihre Kolleginnen und Kollegen vor einer Ansteckung zu schützen und die Mobilität in der Stadt zu verringern. Einige Hamburger Unternehmen nutzen Homeoffice bereits umfassend. In der Corona-Pandemie sollte Homeoffice die Regel sein, nicht die Ausnahme. Ich bitte alle Unternehmen dringend, den „Stay at home“-Appell der Regierungen von Bund und Ländern zu unterstützen."

Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina sagt: "Wir müssen von diesen hohen Infektionszahlen runterkommen. Allein im Privaten physische Kontakte deutlich zu reduzieren, wird nicht zum Erfolg führen. Mit dieser gemeinsamen Vereinbarung senden wir ein starkes Signal aus, die Arbeit von zuhause überall dort zu ermöglichen, wo es geht. Klar ist, dass die Arbeitsschutzstandards auch im Homeoffice gelten. Wichtig ist dabei die proaktive und regelmäßige Kommunikation mit den Beschäftigten. Auch wir ziehen mit. In der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz liegt die Quote bei Bürotätigkeiten bei rund 80 Prozent. Gehen wir diese Kraftanstrengung gemeinsam an!"

Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg: "Hamburgs Wirtschaft gibt Corona keine Chance! Daher sollten alle Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – soweit irgendwie umsetzbar – mobiles Arbeiten von zu Hause ermöglichen." 

Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg: "Handwerkliche Tätigkeiten erfolgen in der Regel in Werkstätten oder bei Kunden vor Ort und können daher nicht ins Homeoffice verlegt werden. Wenn ein Wasserrohr bricht, muss der Handwerker vor Ort sein, das ist ja ganz klar. Dennoch ist das Handwerk bestrebt, wo und wann immer möglich, Kontakte zu reduzieren und nimmt etwa vermehrt Schadensbegutachtungen per Video vor und berät Kunden im Online-Chat. Grundsätzlich ist es gut, wenn mehr Bürotätigkeiten nach Hause verlegt werden – das schützt auch die Beschäftigten im Handwerk, die zu ihren Betrieben oder Kunden fahren müssen. Von daher unterstützen wir diesen Aufruf."

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger: "Das mobile Arbeiten Zuhause ist zur Pandemiebekämpfung ein wichtiges Instrument. Im Moment muss überall dort, wo es möglich ist, Homeoffice gemacht werden. Seit Monaten sind Gewerkschaften und Betriebsräte aktiv, um die Arbeit gesund und sicher zu  machen, es gibt viele Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge dazu. Es muss klar sein: nur mit verbindlichen Regelungen zwischen den Sozialpartnern wird das Homeoffice zu einem richtigen und geeigneten Instrument. Auch Zuhause gilt der Arbeitsschutz, gelten die Arbeitszeitgesetze und gilt der Gesundheitsschutz. Ohne geeignete Ausstattung, für die die Arbeitgeber zu sorgen haben, sind die Beschäftigten nicht in der Lage, von Zuhause zu arbeiten. Deswegen brauchen wir Gefährdungsbeurteilungen in jedem Betrieb, um gemeinsam mit Unternehmensleitung, Betriebsrat und Beschäftigten den Gesundheitsschutz flexibel und passend zu gestalten. Das gilt übrigens auch für all die Beschäftigten, die keine Möglichkeit für Homeoffice haben: Die die Stadt am Laufen halten und unsere Versorgung sichern. Der Gesundheitsschutz muss für alle Beschäftigten, egal wo sie arbeiten, Hand in Hand, abgestimmt und eindeutig sein."

Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer Unternehmensverband (UV) Nord: "Die Arbeitgeber dieser Stadt setzen die seit März des vergangenen Jahres begonnen Anstrengungen fort, ihren Beschäftigten immer dort wo es geht Homeoffice-Arbeitsplätze zu ermöglichen. Eine Vielzahl guter Konzepte zeigt, dass gerade in dieser Phase der Pandemie diese Anstrengungen einen neuerlichen Nachdruck erfahren sollten, um Infektionsrisiken auch bei der An- und Abfahrt durch Nutzung des ÖPNV zu vermeiden. Mit der Hamburger Arbeitsschutzpartnerschaft und ihren Mitgliedern ist die beste Grundlage geschaffen, nachdrücklich Politik und Verwaltung bei der Eindämmung und Bewältigung der Pandemie zu unterstützen. Wir erneuern unseren Dank für das Engagement an Senat und Behörden."

Die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer hoben hervor, wie wichtig eine proaktive und regelmäßige Kommunikation der Betriebe mit ihren Beschäftigten ist – sowohl zu den Möglichkeiten des Homeoffice und mobilen Arbeitens als auch über die geltenden Arbeitsschutzstandards. Wo kein Arbeiten von zuhause möglich ist, müssen die Arbeitsschutzkonzepte und AHAL-Regeln strikt eingehalten werden. Die Staatliche Arbeitsschutzaufsicht wird die Arbeitsschutzmaßnahmen und die Einhaltung in den Unternehmen vor Ort überprüfen.

In der Konferenz zum Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten wurden auch Positivbeispiele aus Hamburgs Wirtschaft vorgestellt. Allein bei Beiersdorf arbeiten aktuell 2.500 Beschäftigte von zuhause. Mit welchen innovativen Ideen und Formaten sie die Herausforderung in der Krise meistern und welche Hürden sie nehmen mussten, davon haben sie so wie die IT-Firma sum.cumo aus der Praxis berichtet. Beispiele, die in der Konferenz genannt wurden, sind unter anderem das Format "Remote-Kindergarten", mit dem die Kinder unterhalten werden, während sich ihre Eltern eine kurze Auszeit nehmen können. Auch gemeinsame Yogakurse oder das virtuelle gemeinsame Mittagessen "Lunch-Roulette" sind Beispiele für innovative Ideen in der Krise.

Alle Beteiligten der Online-Konferenz haben den Willen bekräftigt, die Herausforderungen der Pandemie mit gemeinsamer Kraftanstrengung zu meistern. Dabei ist es wichtig, im regelmäßigen und engen Austausch auch die Zukunft nach Corona im Blick zu behalten.

Über Regeln und Fragen in Bezug auf Homeoffice und mobiles Arbeiten informiert die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz im Internet:
https://www.hamburg.de/homeoffice/

 

 

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