Besuche von Angehörigen der Bundeswehr gehören an vielen Schulen bereits zum Alltag. Sogenannte Jugendoffizierinnen und Jugendoffiziere kommen auf Einladung der Schulen in die Klassenräume und informieren über sicherheitspolitische Zusammenhänge – zumeist im Fach Politik-Gesellschaft-Wirtschaft (PGW). Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern ein vertieftes Verständnis für sicherheitspolitische Fragen zu vermitteln – von internationalen Konflikten bis hin zu Strategien der Friedenssicherung. Hamburg stellt die Zusammenarbeit von Bundeswehr und Schulen nun auf eine neue Grundlage: Zum Schuljahr 2026/27 tritt eine Kooperationsvereinbarung in Kraft, die dem Einsatz von Jugendoffizierinnen und Jugendoffizieren im Unterricht einen klaren Rahmen gibt.
In Hamburg sind aktuell zwei Jugendoffiziere im Einsatz. Hauptmann Robin Bräuer ist einer von ihnen. Er ist seit 13 Jahren bei der Bundeswehr und hat schon mit vielen Schülerinnen und Schülern gesprochen. Von der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Schulen hält er viel. „Wir sind immer nur auf Einladung und als Gäste vor Ort, das ist ein funktionsfähiges Konzept“, betont er. Nachwuchswerbung darf er nicht betreiben, seine Arbeit orientiert sich am Beutelsbacher Konsens – einem Grundprinzip der politischen Bildung, das unter anderem ein Überwältigungsverbot und die Förderung eigenständiger Urteilsbildung vorsieht. Bräuer: „Ich bin Referent für Sicherheitspolitik und kein Karriereberater. Ich rede einfach nur über meine Tätigkeit und versuche, meine Praxiserfahrung im PGW-Unterricht näherzubringen.“
Ganz neu dabei ist Hauptmann Martin Kobbe. Seit zwei Wochen ist er der zweite Jugendoffizier in Hamburg, in der vergangenen Woche hatte er seinen ersten Einsatz an einer Schule. „Die Schülerinnen und Schüler haben interessante Fragen gestellt, an die ich so noch gar nicht gedacht habe“, erzählt er. Das wichtigste Thema für die Schülerinnen und Schüler sei seiner Wahrnehmung nach aktuell die Wehrdienstdebatte. Oft werden die Jugendoffiziere von Lehrkräften auch zu einem spezifischen Thema eingeladen, beispielsweise ganz aktuell zum Irankonflikt oder zu Themen aus der Vergangenheit wie den Auslandseinsätzen in Mali und Afghanistan.
Bildungssenatorin Ksenija Bekeris betont die wachsende Bedeutung des Themas. Angesichts globaler Krisen sei es sinnvoll, junge Menschen frühzeitig mit sicherheitspolitischen Zusammenhängen vertraut zu machen. Bekeris: „Die Kooperation mit den Jugendoffizieren bringt externe Expertise in die Schulen, stärkt die politische Bildung und fördert die Entwicklung mündiger, kritisch denkender junger Menschen.“ Die neue Vereinbarung schaffe dafür einen klaren Rahmen. Auch die Bundeswehr sieht darin einen wichtigen Schritt. Kapitän zur See Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, verweist auf die zunehmende Komplexität sicherheitspolitischer Fragen. Jugendoffiziere seien speziell geschult, diese verständlich zu erklären und Diskussionen offen zu führen. Wichtig ist beiden Seiten: Die inhaltliche Kontrolle bleibt bei den Schulen. Sie entscheiden weiterhin eigenständig, ob und in welchem Rahmen externe Akteure eingeladen werden. Die Veranstaltungen werden von Lehrkräften inhaltlich vorbereitet und begleitet.
Die Zahlen zeigen, dass das Interesse wächst: Während die Bundeswehr 2023 noch 37 Veranstaltungen an Hamburger Schulen durchführte, waren es 2024 bereits 62 – und 2025 bereits rund 120. Dazu gehörten Vorträge, Politiksimulationen, Seminare und Planspiele. Koordiniert wird die Zusammenarbeit von der Bildungsbehörde, eingebunden sind auch das Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen (LI) sowie das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB).