„Bitte Ruhe – Abitur!“ Seit Montag kleben solche Hinweiszettel an zahlreichen Klassenzimmern - die schriftlichen Abiturprüfungen haben begonnen. Aufregend sind diese Tage nicht nur für die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten, sondern auch für deren Lehrkräfte. Für Oberstufenleitungen heißt es nun, Prüfungsausschüsse festzulegen, Sitzordnungen zu entwerfen und vor allem jeden Morgen die versiegelten Umschläge mit den Abiturklausuren zu öffnen. „Es ist jedes Mal spannend zu sehen, welche Aufgaben die Bildungsbehörde geschickt hat, denn als Lehrerin möchte ich natürlich wissen, ob ich meine Schülerinnen und Schüler gut vorbereitet habe“, erzählt Karin Hansen, Leiterin der Oberstufe am Heinrich-Heine-Gymnasium in Poppenbüttel.
Als die Fachlehrerin für Chemie am Dienstag das Siegel des Umschlags mit den Abiturprüfungen aufbrach, hatte sie die Klassenräume für die Prüflinge bereits vorbereitet, inklusive der Platzkärtchen. Gemeinsam mit Kollegin Kathrin Auer sichtete sie die Unterlagen für die PGW-Klausuren (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft) zu den Themen soziale Ungleichheit und Gesundheitspolitik. „Man hofft immer, dass die Vorbereitung gelungen ist, aber man kann es nicht voraussehen“, so Hansen. Manchmal sei eine von drei oder vier Aufgaben dabei, die sie für die eigenen Schülerinnen und Schüler ein bisschen schwierig findet. Hansen: „Interessanterweise habe ich schon einige Male gedacht: Oh, da werden sie wohl die andere Aufgabe wählen - aber nehmen dann doch genau diese – und bekommen sie gut hin. Da kann man keine Prognosen stellen.“
Je nach Fach und Niveau - erhöht oder grundlegend - arbeiten Hamburgs Oberstufenschülerinnen und -schüler rund vier bis fünfeinhalb Stunden an den Aufgaben. Noch bis zum 8. Mai dauern die schriftlichen Abiturprüfungen an, jeweils drei Fächer muss jeder Prüfling meistern. Um faire Bedingungen zu schaffen, sind die Klausuren in fast allen Fächern zentral vorgegeben und in allen Hamburger Schulen gleich. Die Prüfungen in den Kernfächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch enthalten zudem Aufgaben oder Aufgabenteile aus einem gemeinsamen Aufgabenpool für alle Bundesländer. Zwischen dem 17. und 30. Juni folgen dann die mündlichen Prüfungen, entweder in Form einer Präsentationsprüfung oder einer klassischen mündlichen Prüfung.
Meistgewählte Abitur-Prüfungsfächer sind in diesem Jahr erneut Englisch (7.363 von den Schulen abgeforderte Klausurensätze) und Deutsch (5.679). An Platz drei steht Politik/Gesellschaft/Wirtschaft (2.869). Die am seltensten angewählten Fächer sind Fremdsprachen wie Chinesisch (10), Polnisch (9), Portugiesisch (8) und Italienisch (7), die nur an bestimmten Schulen angeboten werden. Darüber hinaus gibt es einzelne Prüfungsfächer, die nicht zentral geprüft werden, etwa Bildende Kunst, Musik, Theater, Wirtschaft, Psychologie auf erhöhtem Niveau, Pädagogik, Recht, Griechisch und die bilingualen Sachfächer. Abiturprüfungen werden an 164 Gymnasien und Stadtteilschulen sowie an beruflichen Gymnasien, Berufsoberschulen und Abendgymnasien abgenommen.