Zusammenhalt macht Schule

Deutscher Schulpreis für die Stadtteilschule Wilhelmsburg

  • Schule, Familie und Berufsbildung
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Jubel bei der Preisverleihung: Delegation der Stadtteilschule Wilhelmsburg Max Lautenschläger

Einmal in der Woche bekommt jedes Kind ein paar Minuten, in denen es ganz allein im Mittelpunkt steht: Was klappt gut? Wo gibt es Schwierigkeiten? Welche Ziele nimmt sich die Schülerin oder der Schüler für die nächste Zeit vor? An der Stadtteilschule Wilhelmsburg gehören solche Coaching-Gespräche fest zum Schulalltag. Für dieses Konzept und ihren Umgang mit Vielfalt und Beteiligung ist die Schule nun bundesweit ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises am vergangenen Montag in Berlin erhielt die Stadtteilschule Wilhelmsburg den erstmals vergebenen Sonderpreis für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert. 

Die Jury würdigte insbesondere, dass Zusammenhalt an der Schule nicht nur ein Leitbild sei, sondern im täglichen Miteinander gelebt werde. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern würden aktiv in das Schulleben und in Lernprozesse einbezogen. „Schülerinnen und Schüler fühlen sich ernst genommen“, heißt es in der Jurybegründung. Auch die Eltern würden über Angebote wie ein Elterncafé und Elternmentoren eng eingebunden. Ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts sind die wöchentlichen Coaching-Gespräche. Rund zehn Minuten lang sprechen die Kinder mit ihren Tutorinnen und Tutoren über ihre Lernfortschritte, Schwierigkeiten und persönlichen Ziele. Die Gespräche sind fest im Stundenplan verankert. Möglich wird das durch zwei Tutorinnen beziehungsweise Tutoren pro Lerngruppe.

Das Konzept setzt stark auf individuelle Förderung und Beziehungsarbeit. Unterrichts- und freie Arbeitsphasen wechseln sich ab, anschließend reflektieren die Schülerinnen und Schüler gemeinsam ihre Arbeit. In den ersten Klassen formuliert die Gruppe noch gemeinsame Ziele, später lernen die Kinder und Jugendlichen zunehmend, ihre eigenen Lernziele zu setzen und den eigenen Lernprozess einzuschätzen. „An unserer Schule wird Zusammenhalt gelebt“, sagt Schulleiterin Katja Schlünzen. Die Schule sei eine „bunte Schule in einem bunten Stadtteil“. Vielfalt werde nicht als Problem, sondern als Chance verstanden. Dazu gehören unter anderem Angebote in den Herkunftssprachen der Kinder. Auch die Schülerdemokratie spielt eine wichtige Rolle: Schülerinnen und Schüler sind an der Entwicklung von Unterricht und Unterrichtsstrukturen beteiligt.

Die Stadtteilschule Wilhelmsburg wird von rund 1.228 Schülerinnen und Schülern besucht, rund 86 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Viele Familien leben unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Die Schule wird deshalb auch im Rahmen des Startchancen-Programms für Schulen in herausfordernden Lagen gefördert. Gearbeitet wird in multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen. Neben der individuellen Förderung legt die Schule Wert auf interkulturelles und kompetenzorientiertes Lernen. Eine Besonderheit ist auch die maritime Ausrichtung der Schule. Als Teil des Maritimen Zentrums Elbinseln nutzt die Schule die Lage zwischen Elbe und Hafen als Lernort. Maritime Projektwochen, Exkursionen ins Wattenmeer und Schwimmlehrgänge gehören ebenso zum Angebot wie MINT-Projekte. In der Oberstufe gibt es das Profil „Maritime Räume entdecken und erforschen“.

Für Hamburg ist der Preis auch deshalb bemerkenswert, weil bereits zum dritten Mal in Folge eine Schule aus Wilhelmsburg mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde. Im vergangenen Jahr gehörte die Schule An der Burgweide zu den Preisträgerinnen, 2024 wurde die Beruflichen Schule ITECH ausgezeichnet. Bildungssenatorin Ksenija Bekeris sprach von einem „großartigen Erfolg für das Lernen auf der Elbinsel und die Schulgemeinschaften dort“. Insgesamt seien inzwischen acht Hamburger Schulen mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden, weitere 14 hätten die Top 15 erreicht. Der Deutsche Schulpreis wurde in diesem Jahr zum 20. Mal von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung vergeben. Kooperationspartnerinnen sind die ARD und die ZEIT Verlagsgruppe.

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