Deutscher Schulpreis:

Stadtteilschule Wilhelmsburg unter den Top 20 - Jurybesuch auf der Elbinsel

  • Schule, Familie und Berufsbildung
Schulleiterin Katja Schlünzen (M.) mit Jury vor der Schule
Schulleiterin Katja Schlünzen (M.) mit Jury vor der Schule Ulrike Klettner

Schulen, die es in die Top 20 des Deutschen Schulpreises geschafft haben, bekommen in der Zeit von April bis Juni Besuch von einer hochkarätig besetzten, siebenköpfigen Jury. Diese trifft dann eine Auswahl aus 15 Schulen, die eine Einladung nach Berlin bekommen. Dort wird am 29. September die Gewinnerschule gekürt. Die Stadtteilschule Wilhelmsburg hatte gerade einen solchen Besuch. Zwei Tage lang hatten die Jurymitglieder in der Schule verbracht, sich die Räumlichkeiten angeschaut, Gespräche mit dem Kollegium und Schulleiterin Katja Schlünzen geführt, mit Eltern und außerschulischen Partnern gesprochen und natürlich querbeet viele Unterrichtsstunden besucht. 

„Wir haben vorher anhand der Bewerbung Hypothesen erstellt, jetzt prüfen wir, ob das alles so stimmig ist, was dargestellt wurde“, erläutert Dirk Richter, Jurymitglied und Professor für Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung an der Universität Potsdam, das Procedere. Verstellen könnten sich die Schulen ohnehin nicht, da sind sich Jurymitglieder wie Lehrkräfte einig. Kinder seien viel zu spontan, als dass sie ein berechnendes Wohlverhalten an den Tag legen würden, die für die jeweilige Schule typischen Strukturen und Qualitäten blieben immer sichtbar. „Uns hat besonders gut gefallen, wie das Miteinander hier gelebt wird,“ sagt Isabella Kessler, Landesfachberaterin im Bereich Qualitätssicherung im saarländischen Bildungsministerium und ebenfalls Jurymitglied. „Es ist ein Miteinander auf Augenhöhe, die Beziehung zwischen Groß und Klein steht im Vordergrund und das merkt man an allen Ecken und Enden, wenn man hier durch das Schulhaus streift.“

„Mit Vielfalt zum Erfolg“, so lautet das Leitbild der Stadtteilschule Wilhelmsburg, die rund 1.250 Schülerinnen und Schüler von der Vorstufe bis zur Oberstufe besuchen. Die Schule gehört zu den 91 Startchancen-Schulen in Hamburg und versteht sich ganz bewusst auch als Partnerin in der Entwicklung des Stadtteils. Die Kinder und Jugendlichen sollen die Schule als Ort der Orientierung auch im Hinblick auf berufliche Perspektiven erleben und hier ihren eigenen Weg finden. Schulleiterin Katja Schlünzen: „Wir sagen immer: Die Kinder kommen als kleines Einhörnchen in die Schule oder Vorschule, manchmal ohne Kenntnis der deutschen Sprache, und enden dann in Klasse 13 oder 10 oder 9 als Gestaltende ihrer eigenen Zukunft. Uns ist aber auch wichtig, dass sie sich engagieren für das Land, in dem sie leben und sich als Teil dieses Landes begreifen können und dafür arbeiten wir gemeinsam.“ 

Diese Aufgabe ist an einer durch Vielfalt geprägten KESS 1-Schule kein Selbstgänger und verlangt vor allem ein kontinuierliches Reflektieren der eigenen Arbeit – was der Jury des Deutschen Schulpreises durchaus auffiel: „Wir haben gesehen, dass in der Schule immer wieder neue Dinge ausprobiert werden, diese Erprobungen evaluiert und dann weiterentwickelt und in die Breite getragen werden und das ist etwas, das wir so nicht an vielen Schulen sehen, also dass immer kritisch hinterfragt wird, was man so gemacht hat und dann Dinge, die sich bewähren, verstetigt werden,“ anerkennt Jurymitglied Dirk Richter.  Er versteht den Deutschen Schulpreis „als ein Instrument, um Schulentwicklung sichtbar zu machen und zu unterstützen“. Alle Bewerberschulen bekommen deshalb die Einladung in ein Netzwerk, das „Forum des Deutschen Schulpreises“, in dem sie sich weiter austauschen können und Unterstützung erfahren, unabhängig davon, ob sie einen Preis gewonnen haben.  Die Initiative, so Richter, sei das zentrale Element für die Jury, zu sehen, dass sich Schulen auf den Weg machten, um die Schule und das Lernen zu verändern. 

Auf jeden Fall auf den Weg gemacht hat sich die Stadtteilschule Wilhelmsburg. Ein wichtiges Motiv der Bewerbung war für Schulleiterin Schlünzen auch, „einmal zu zeigen, dass auch eine Startchancen-Schule mit einem Sozialindex 1 eine innovative, zukunftsweisende Schule sein kann und viele Angebote für Kinder macht, friedlich zu lernen, Bildungsgerechtigkeit zu erleben und dann Teilhabe als mündiger Bürger zu erlangen.“

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